Contents : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Vierunddreißigster Jahrgang. 1918. Erster Teil. (59a)

182  .  Heutsches  Neich.  (Mai  14.  15.)

Millionenheere  können  nicht  an  einem  Tage  erledigt  werden.  Wir  werden
unser  Ziel  erreichen.  Schwere  Arbeit  ist  zu  leisten,  aber  dafür  haben  wir
ja  auch  tüchtige  Schmiede.  Den  Osten  haben  wir  geöffnet.  In  der  Krim
geht  es  auch  vorwärts.  Aus  der  Ukraine  sind  die  ersten  Lebensmittelzüge
in  Berlin  eingetroffen.  Dadurch  wird  unsere  Lebensmittelversorgung  gebessert.
  In  Sewastopol  haben  wir  eine  starke,  reichbeladene  Handelsflotte
erbeutet.  Dort  werden  wir  uns  den  Verkehr  auf  dem  Schwarzen  Meer
wieder  ermöglichen.  Also,  es  steht  gut.  Ich  freue  Mich  über  das  nationale
Verhalten  hier  an  des  Reiches  Grenze.  Die  Stimmung  der  Truppen  ist
vorzüglich.  Viele  Rheinländer  und  auch  viele  Aa#chener  habe  Ich  in  Lazaretten,
  an  der  Front  gesprochen  und  ihnen  Auszeichnungen  überreicht.  Nun,
meine  Ich,  ist  es  auch  Zeit,  alles  Fremdländische  abzustreifen.  Alles  Französischparlieren
  muß  aufhören.  Sprechen  wir  lieber  unser  deutsches  Platt.

14.  Mai.  (Preußen.)  Landtagsersatzwahl.

Im  Wahlkreise  Neuhaus-Hadeln  wird  an  Stelle  des  verstorbenen
Abg.  Dr.  Diederich  Hahn  Regierungsrat  Naumann,  Landrat  des  Kreises
Neuhaus,  (Kons.)  einstimmig  mit  141  Stimmen  gewählt.

14.  Mai.  (Sachsen.)  Wahlreform.

Die  Zweite  Kammer  nimmt  den  Antrag  des  Verfassungsausschusses
an,  der  für  die  Zweite  Kammer  das  Reichtagswahlrecht  in  Verbindung  mit
der  Verhältniswahl  und  mit  der  Gewährung  von  zwei  Zusatzstimmen  verlangt,
  für  die  in  erster  Linie  das  Lebensalter,  nicht  aber,  wie  bisher,  Vermögen,
  Besitz  und  Bildung  maßgebend  sein  sollen.  Die  Fortschr.  Bp.  und
die  Soz.,  die  gegen  alle  Zusatzstimmen  sind,  treten  aus  taktischen  Gründen
für  den  natlib.  Antrag  ein.  Die  Regierung  und  die  Kons.  erklären  sich
gegen  den  Antrag.

15.  Mai.  Gefangenenabkommen  mit  Italien.  (S.  Schweiz.)

15.  Mai.  (Württemberg.)  Elsaß-lothringische  Frage.

In  der  allgemeinen  Aussprache  über  den  Staatshaushaltsentwurf  erklärt
in  der  Zweiten  Kammer  Ministerpräsident  Dr.  Frhr.  v.  Weizsäcker  in
Erwiderung  einer  Rede  des  Abg.  Haußmann  (Fortschr.  Vp.),  der  mitteilte,
er  habe  von  einem  Geheimbericht  Kenntnis  erhalten,  wonach  sich  sieben
lothr.  Eisenwerke  zusammengetan  hätten,  um  eine  Agitation  gegen  die
Autonomie  Elsaß-Lothringens  und  für  den  Anschluß  an  Preußen  zu  organisieren,
  wodurch  ein  Riesen-Preußen  geschaffen  würde,  demgegenüber  die
übrigen  Bundesstaaten  nur  ein  Scheinleben  führen  würden:  Abg.  H.  ist
auf  unser  Verhältnis  zu  Elsaß-Lothringen  zu  sprechen  gekommen,  eine
Frage,  bei  der  die  Presse  mit  Grund  eine  gewisse  Zurückhaltung  bewahrt
hat.  Die  von  H.  angeführte  geheime  Papierverschwendung  in  dieser  Frage
mit  Eingaben,  Gutachten  usw.  von  unberufener  Seite,  ist  mir  auch  bekannt.
Jedenfalls  hat  H.  zutreffend  erklärt,  daß  das  Große  Hauptquartier  mit  Unrecht
  dafür  in  Anspruch  genommen  wird,  mit  dieser  Tätigkeit  gewisser
Kreise  übereinzustimmen.  In  der  els.-lothr.  Angelegenheit  heißt  es  „quot
capita  tot  sensus“.  Meiner  persönlichen  Ansicht  nach  spreche  ich  über  diese
Dinge  öffentlich  lieber  nicht,  weil  sonst  der  Schein  erweckt  werden  könnte,
das  Ausland  werde  geradezu  eingeladen,  in  diese  Dinge  hineinzureden.
Ich  bedauere  die  schwarze  Schilderung,  die  Abg.  H.  von  den  Verhällnissen
im  Reichsland  gegeben  hat.  So  schlimm  ist  es  dort  nicht  zugegangen.  Es
ist  auch  nicht  richtig,  sh  den  Reichslanden  die  Anerkennung  der  Tapferkeit
ihrer  Truppen  versagt  worden  sei.  Im  Gegenteil,  die  Tapferkeit  der  els.-lothr.
Truppen  ist  zu  wiederholten  Malen  immer  und  immer  wieder  gerade  in
neuester  Zeit  in  den  Berichten  der  Obersten  Heeresleitung  voll  anerkannt