14 Nas bentsche Reich und seine einzeluen Glieder. (Jan. 23. — 24.)
teiligten hervorgegangenen freien Vereinigungen, Genossenschaften, Unterstützungsvereine
u. s. w.;
9. die Erhaltung der Gewerbefreiheit und der Freizügigkeit;
10. die Herstellung wirksamer Garantien für die völlig freie unbeeinflußte
Ausübung des Wahlrechtes und die Gewährung von Diäten an
die Volksvertreter;
11. die Verbesserung der Strafprozeßordnung, insbesondere verstärkte
Bürgschaften für die gleichmäßige unparteiische Handhabung der Strafverfolgung,
die Gewährung von Entschädigungen an die durch die Strafverfolgung
zu Unrecht Geschädigten, die Verschärfung der Verantwortlichkeit der
Beamten, namentlich die Sicherung des Ersatzes für die durch gesetzwidrige
Ausübung der Amtsgewalt herbeigeführten Nachteile;
12. zur wirksamen Geltendmachung des gesetzlich zuständigen Einflusses
des Reichstages auf die Reichsregierung: die Durchführung der Verantwortlichkeit
des obersten Reichsbeamten.
Wenn der Reichstag bei Verfolgung dieser Ziele von der deutschen
Nation getragen wird, so werden auch die verbündeten Regierungen auf die
Dauer dem Verlangen nach diesen Reformen nicht widerstehen können.
In dem vollen Bewußtsein, daß wir in Treue zu Kaiser und Reich
das Beste des deutschen Volkes erstreben, treten wir vor die Wähler und
fordern sie auf, mit Eifer und mit freudiger Zuversicht für freifinnige
Wahlen einzutreten und sich uns thätig anzuschließen, auf daß aus dieser
Wahl eine Vertretung hervorgehe, die das Deutsche Reich nicht nur nach
außen macht= und glanzvoll hinstellt, sondern auch in würdiger Weise
dem deutschen Volke seinen Platz unter den der Freiheit teilhaftigen Völkern
sichert."
Das Zentrum legt den Hauptnachdruck auf die kirchlichen und
wirtschaftlichen Forderungen der Partei. Noch immer entbehre die Kirche
der vollen Freiheit der Bewegung, während doch in ihrer und ihrer Organe
unbehinderten Thätigkeit und der dadarch zu erhoffenden Kräftigung des
christlichen Geistes das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der gemeingefährlichen
Bestrebungen der Sozialdemokratie zu erkennen sei. Die Fraktion
fordert „unter steter Wahrung des verfassungsmäßigen föderativen Grundcharakters
des Deutschen Reichs" die Verbesserung der Lage der arbeitenden
Bevölkerung, insbesondere durch die bekannten im Reichstage wiederholt angenommenen
Schutzgesetze, und erklärt sich bereit, auch ferner an Maßregeln
zum Ausgleich der Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und zur
Hebung des Handwerkerstandes teilzunehmen, während vor ungebührlicher
Ausnützung der Vorteile der neuen Wirtschaftspolitik gewarnt, die größte
Sparsamkeit empfohlen und Festhalten an den für die bürgerliche Freiheit
bestehenden Garantien, versprochen wird. Wie bisher mögen die Wähler
gleich der Fraktion furchtlos dem alten ruhmreichen Panier treu bleiben:
„Mit Gott für Wahrheit, Freiheit und Recht!"“
Ueber die Sozialdemokraten vgl. Jahrg. 1889 7. Dezember.
23. Januar. (Reichstag.) Bei der zweiten Beratung des
Sozialistengesetzes bringt die konservative Partei einen Antrag
auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage, insbesondere des Ausweisungsparagraphen
ein. Trotz der Befürwortung des Ministers
Herrfurth wird derselbe abgelehnt und das Gesetz gemäß den Kommissionsbeschlüssen
angenommen.
24. Januar. (Reichstag.) Der Reichshaushaltsetat