Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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oberer  Hollands,  welche  in  den  flandrischen  Winterquartieren  wohl  gepflegt
worden  waren,  auf  ihre  Kameraden  von  der  Blücherschen  Armee,  insbesondere
vom  Yorkschen  Corps,  die  mit  ihren  verwitterten,  rauchgeschwärzten  Gesichtern,
ihren  abgerissenen  Kleidern  wie  die  Grastenfel  Friedrichs  des  Großen  bei  Zorndorf
  aussahen.“  „Den  Leuten  thut  Ruhe  not,“  sagte  Bülow  zu  seinen  Umgebungen;
  aber  Blücher  war  nicht  geneigt,  ihnen  Ruhe  zu  gönnen,  sondern  vielmehr
  entschlossen,  sogleich  mit  seiner  ganzen  Macht  Napoleon  entgegenzuziehen.

Napoleon  hatte  die  Vereinigung  Blüchers  mit  Bülow  nicht  mehr  verhindern
  können;  denn  er  stand  am  4.  März  mit  seinen  sämtlichen  Corps  noch
etwa  einen  Tagemarsch  südlich  der  Aisne,  mit  der  Avantgarde  bei  Fismes,
vier  Meilen  westsüdwestlich  von  Soissons,  die  Corps  von  Mortier  und  Marmont
bei  Hartennes,  zwei  Meilen  südlich  von  Soissons,  an  der  Straße  von  Chatean
Thierry  nach  Soissons.  Er  war  noch  immer  der  Ansicht,  daß  die  Blüchersche
Armee  durch  die  Unglückstage  von  Champaubert,  Montmirail,  Vauchamps  zu
entmutigt  sei,  um  ihm  in  einer  offenen  Schlacht  widerstehen  zu  können,  und
hierauf  gründete  er  seinen  Plan,  von  Fismes  aus  rechts  bei  Berry  au  Bac
über  die  Aisne  zu  gehen,  auf  der  Straße  nach  Laon  bis  Corbeny  vorzurücken
und  dann  mit  einer  Linksschwenkung  auf  den  linken  Flügel  der  Blücherschen
Armee  loszugehen,  dieselbe  in  den  durch  den  Zusammenfluß  der  Seine  und
Oise  gebildeten  Winkel  zu  drängen  und  von  ihren  Verbindungen  mit  den  Niederlanden
  abzuschneiden.  Die  Marschälle  Marmont  und  Mortier  erhielten  Befehl,
  den  Marsch  Napoleons  durch  einen  Angriff  auf  Soissons  zu  maskieren
(5.  März).  Dieser  Angriff  kostete  ihnen  mehr  als  1000  Mann,  ohne  einen
sonstigen  Erfolg  zu  haben.

Sobald  Blücher  die  Absicht  des  Feindes  erkannte,  ließ  er  das  Fußvolk
von  Wintzingerode  und  Sacken  auf  dem  Kalkplatean,  das  sich  zwischen  den
Flußläufen  der  Aisne  und  Lette  bei  Craonne  mit  steilen  Abfällen  erhebt,
Stellung  nehmen.  General  von  Bülow  sollte  Laon  besetzen.  Während  Blücher
in  der  Stellung  auf  dem  Plateau  von  Craonne  Napoleon  in  der  Front  festhielt,
  sollte  Wintzingerode  mit  einer  Kavalleriemasse  von  10000  Reitern  mit
60  Geschützen  über  Fétieux  auf  der  Straße  von  Laon  nach  Berry  an  Bac  vorgehen,
  um  im  rechten  Augenblicke  Napoleon  in  den  Rücken  zu  fallen.  Um  das
Platean  von  Craonne  entspann  sich  ein  äußerst  blutiger  und  hartnäckiger
Kampf  (7.  März);  aber  Wintzingerode  blieb  aus.  Der  Feldmarschall  ritt  selber,
um  ihn  zu  suchen;  aber  anstatt  ihn  auf  dem  rechten  Flecke  des  Schlachtfeldes
zu  treffen,  fand  er  ihn  endlich  (um  2  Uhr  nachmittags)  noch  auf  dem  Sammelplatze
  seiner  Kavallerie.  Der  Feldmarschall  machte  ihm  gerechte  Vorwürfe,  die
bei  seiner  zornig  erregten  Stimmung  wohl  derb  und  heftig  genug  ausgefallen

Siehe  Bd.  11.  S.  277.