Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Erhebung  Liudoljs  und  Konrads.  143

fchwerere  Zerwürfnis  im  herrichenden  Haufe  groß;  man  jprad)
überall  davon,  und  interejlant  tft,  wie  die  Sache  am  Hofe  des
omajadishen  Kalifen  von  Cordova,  Abderrhamang  III,  beiprochen
wurde.  Eben  in  jenem  Sahre  ging  eine  Gejandtichaft  Dttos  dorthin,
  und  der  Bericht  ift  ebenfo  für  die  große  Stellung  Dttos  wie
für  das  eigentümliche  Verhältnis  der  beiden  Welten,  der  islamıitichen
  und  der  chriftlichen,  zueinander  charafteriftiih.  Man  hatte
Mühe,  einen  Mann  zu  finden,  der  den  heiflen  Auftrag  übernahm,
denn  der  VBerfehr  war  durch  die  feindfelige  Theologie  der  beiden  Nefigionen
  erjchwert,  die  auch  in  die  geivechjelten  diplomatischen  Schriftftücfe
  eindrang.  Em  Mond)  Sohannes  aus  dem  Klofter  Gorze
hatte  den  Mut;  mit  zwei  anderen  erreicht  er  jein  Hiel;  endlid)
empfängt  ihn  der  Kalıf,  vor  dem  jener  in  feinem  MönchShabit  er-Icheint.
  Bei  der  zweiten  Audienz  fam  Die  Nede  auch  auf  die  Verhältniffe
  in  Ottos  NReih.  Abderrhaman  erfennt  feine  Macht  und  Die
Kraft  feiner  Regierung  an:  nur  ın  einem,  findet  er,  zeige  er  fich  wenig
umfichtig:  er  behalte  die  Macht  nicht  in  einer  einzigen  Hand,  überlafje
Zeile  jenes  Neich8  feinen  Anveriwandten:  jein  Schwiegerfohn  und,
bon  diejem  verführt,  auch  fein  Sohn  feien  ja  in  Empörung  wider  ihn.

Sn  der  Tat  ließen  fi  die  Dinge  gefährlich  an.  Der  König
machte  feinen  jüngjten  Bruder  Bruno  zum  Erzbilchof  von  Köln
und  übertrug  ihm,  feiner  Bolitif  getreu,  zugleich  die  Verwaltung
Lothringen  (953):  mit  einem  Heere  z0g  er  gegen  Mainz,  wo  gewiljermaßen
  die  VBerfchwörung  ihr  Hauptquartier  hatte.  Eine  Zujammenfunft
  vor  den  Toren  von  Mainz,  bei  der  Bruno  den  beiden
sührern  der  Rebellen  ins  Gemwiljen  geredet  haben  foll,  war  ohne
Erfolg:  und  von  Mainz  wie  nachher  von  Regensburg  mußte  da3
föntgliche  Heer  ablaffen.  Schroffer  al3  je  ftanden  die  beiden  PBarteien
  einander  gegenüber,  namentlich  mit  perfünlichem  Haffe,  von
dem  Otto  frei  war,  der  Obheim  Heinrich  von  Bayern  und  Liudolf.
‚ndes  die  Gefahr,  die  noch  immer  von  den  Ungarn  drohte  —  fie
rüjteten  jich,  wie  man  wußte,  von  neuem  zu  einem  großen  Einfall
  in  Deutjhland  —,  führte  noch  einmal  zu  Verhandlungen.  Auf
einem  Tage  zu  Langenzenn  bei  Nürnberg  traf  der  König  mit