Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

 

 

 

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Pleunig,

 

 

 

Rosenheimer  Anzeiger

 

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Rosenheimer  Tagblakt

Amtlliches  Bublikations-Organ

 

 

Mmmmer  26  Ma  10

Mittwoch,  2.  Febrnar  1916  pva#aessiicz:  Merin  Neinigunz.  III  62.  Jahrgang

Großer  erfolgreicher  Augrifr  eines  nuferer  Tuftschifgeschwader  auf  Eugland

Der  Hafen  von  Saloniki  mit  Bomben  belegt.
Die  vetheerenden  Wukungen  der  Zeppellnbomben  in  Paris.  —  Die  Beschützer  der  Menschlichkeit.  —  Der  russische  Minister
des  Aeußern  über  Krieg  und  Frieden.  —  Der  Fahnenschänder  von  Lausanne  entkommen?  —  Die  Alllierten  auf  Karaburun.
Der  Aufruhr  in  China.

„  Die  Kbeiegslage.

WIl#  Groses  Hauptquartier,  den

1.  Februar,  vormittage.  Amtlich.
Mestlicher  Kriegsschauplatz

In  der  Nacht  zum  31.  Jannar  versuchten
lleine  englische  Abteilungen  einen  Handstreich
gegen  unsere  Siellungen  westlich  von  Messines
(Flandern).  Sie  wurden  gänzlich  zurückgeworsen,
  nachdem  es  ihnen  an  einer  Stelle  vorübergehend
  gelungen  war,  in  unseren  Graben  einzudringen.


Bei  Fricourt  (östlich  von  Albert)  hinderten
wi  Futch  Feuer  den  Feind  an  der  Besetzung
Wi  von  ihm  besetzten  Trichters.

Nördlich  davon  drangen  deutsche  Patrouillen
bis  in  die  englische  Stellung  vor  und  kehrten
mit  einigen  Gesangenen  ohne  eigene  Verluste
zurück.

Südlich  der  Somme  verloren  die  Franzosen
im  Handgranatenkampf  noch  weiter  Boden.

Oestlicher  Kriegsschauplatz

Keine  Ereignisse  von  Bedeutung.

Balkan-Kriegsschauplat#.

Eines  unserer  Luftschifse  griff  Schifse  und
Depots  der  Entente  im  Hafen  von  Salonili
mit  leobachtetem  gulen  Erfolge  an.

DOberste  Heeresleitung.

Der  amtliche  Sösterreichische  Bericht.

WIITB.  Wien,  31.  Jan.  Amtlich  wird  gemeldet:


Auf  allen  drei  Kriegsschauplägen  keine  besonderen
  Ereignisse.

Der  Stellvertreter  des  hese  des  Generalstabsp


.HSdfer.  Feldmarschalleutnant.

 

Luftschifsangriff  auf  Cugland.

WTB..  Berlin,  1.  Febr.  Eines  unserer
Marinc-Luftschiff-Geschwader  hat  in  der  Nacht
vom  31.  Januar  mm  1  bruar  Docks,  Hafen
und  Falrilanlagen  in  und  bei  Liverpool  und
Virkenlead,  Eisenwerle  und  Hochöfen  von  Manchester,
  Fabriken  und  Hochöfen  von  Nottingham
und  Sbefsfield  sowie  große  J  ndustrieanlagen
am  Humber  und  bei  Great  YDarmouth  ausgiedig
mit  Spreng-  und  Brandbomben  belegt.

Ueberall  murden  starke  Wirlungen  durch  die
Explosionen  und  heftige  Brände  beobachtet.

Am  Humber  wurde  außerdem  eine  Batterie
zun  Schueigen  getracht.

Die  Luftschiffe  wurden  an  allen  Plätzen  stark
beschofsen,  aber  nicht  getroff  en.  Sie  sind  trotz

der  starken  Gegenaltion  wohldehal#ten  zurucgelehrt.
  «

Der  Chef  des  Admiralstabes  der  Marine.

 

 

 

 

 

Zeppelinangriff  auf  Paris.
Genf,  1.  Febr.  Aus  mehreren  Stellen  in
den  Artileln  des  „Temps“  und  des  „Matin“
über  die  Verheerungen  der  Zeppelinbomben  in
Paris  erfährt  man  nähere  Angaben  über  die
Stellen,  wo  die  Bomben  niedergefallen  sind.
Darnach  wurde  hauptsächlich  das  20.  Arrondissement
  heimgesucht  mit  dem  Boulevard  de
Roche-Chouart  und  den  Straßen,  welche  von
der  Herz=  Jesu  Kirche  tum  Montmartre  anstei.
gen.  Es  ist  das  Gebiet,  durch  welches  die  Untergrundbahn
  führt  u.  wo  der  Bahnbof  St.  Lazaire
  gelegen  ist.  Das  mit  Bomten  belegte
Viertel  liegt  also  im  Stadtzentrum.  (.)

Valona.

Der

Die  IJtaliener  in
Paric,  31.  Jan.
meldet  aus  Rom:
hat  beschlossen,  das  Erpeditionekorp  in
lona  zu  verstärken.  (3.)

Der  Vormarsch  in  Albanien.

Lugano,  1.  Febr.  Vom  Vormarsch  in
Albanien  erfährt  der  „Corriere  della  Sera“,
daß  man  in  Durazzo  auf  einen  blutigen  Zu
sammenstoß  der  Truppen  Essad  Paschas  mit
den  von  albanischen  Banden  unterstützten  Bul
garen  rechnet.  Der  Vormarsch  der  Bulgaren
geht  wegen  der  Transportschwierigkeiten  und
der  Schwierigkeiten  bei  der  Verpflegung  langsam
  vor  sich.  (Z.)

Griechenland  blockiert.

Kopenhagen,  1.  Febr.  Der  Londoner
„Observer“  meldet  aus  Athen:  Die  Vierrer
bandsgesandten  hättlen  einen  neuen  gemein
schaftlichen  Schritt  bei  dem  Ministerpräsidenten
Skuludis  unternommen  und  die  sofortige  Demolilisierung
  der  griechischen  Armee  verlangt.
Nach  Petersburger  Zeitungsnachrichten  ist  Griechenland
  jetzt  vollständig  blockiert.  Kein  Schiff
in  einem  griechischen  Hafen  könne  ein  oder  aus,
ohne  untersucht  zu  werden.  Korinth  sei  für
die  griechische  Schiffahrt  völlig  gesperrt.  (Z.)

(Havas.)  Agence  Havas
Die  italienische  Regierung
Va

Vor  Saloniki.

Patis,  1.  Febr.  (Havas.)  Gestern  stiegen
16  franzõsische  Bombardier-Flugzeuge  von  ihrem
Stützpunkt  bei  Saloniki  auf.  Um  10  Uhr  überflogen
  sie  ein  bulgarisch-deutsches  Lager  von
etwa  6000  Zelten  bei  Pasarli,  nordwestlich  vom
Dojran-See.  Zahlreiche  von  ihnen  abgeworsene
  Bomben  setzten  das  feindliche  Lager  in
Brand  und  verursachten  eine  schwere  Panil.

Der  türkische  Bericht.

Konstantinopel,  1.  Febr.  Das  Hauptquarlier
  teilt  mit:  An  der  Iralfront  bei  Felahie
gegenseitiges  Infanterie-  und  Artilleriefeuer
mit  Unterbrech  zung.  Bei  Kut-el-Amara  herrscht
Ruhe.  An  der  Kaukasusfront  bedeutungslose
Gefechte.  An  der  anatolischen  Küste  des  Mittelmeeres
  landete  in  der  Nacht  zum  27.  Januar
  ein  feindliches  Kriegsschiff  eine  Truppenabteilung
  zwischen  Fenike  und  Melri  bei  dem

Dorse  Endefli  gegenüber  der  Iusel  Castellorizo.

 

Das  Dorf  wurde  am  Vormittag  des  27.
nuar  unter  dem  Schutze  eines  Kriegsschiffes
umzingelt,  einige  Beamte  und  ein  Teil  der
Bevölkerung  zu  Gefangenen  gemacht  und  an
Bord  des  Schiffes  geschleppt.  Ebenso  wurden
Lelenilmel  und  Mobiliar  geraubt.

Ja- 



Der  Zeppellnangriff  auf  Paris.

Aus  dem  Bericht  aus  dem  Großen  Hauplquarlier
  erfahren  wir,  daß  Paris  in  zwei  Näch
ten  hintereinander  deutichen  Zeppelinangriffen
ausgesetzt  war.  Sowohl  in  der  Nacht  zum  Sonnlag
  als  auch  in  der  Nacht  zum  Montag  erschien
ein  deutsches  Lusischiff  über  Paris  und  führte
den  Angriif  jedesmal  „mit  anscheinend  befriedigendem
  Erfolge'  durch,  wie  der  deulsche  Heeresbericht
  besagt.  Daß  der  Erfolg  nicht  gering
war,  beilätigen  seld  die  franzosischen  Meldungen.
  Dem  wenn  sjie  schon  soviel  zugeben,
wie  es  jetzt  geschehen  in,  dürfen  wir  sicher  annehmen,
  daß  die  Wirlung  der  Zeppelinbont:=ben
  neilaus  noch  verheerender  war.  Im  einzelnen
  liegen  darüber  noch  folgende  Meldungen
  vor:

Dererste  Angriff.

Zürich,  S1.  Jan.  In  den  Berichten  über
den  Zeppelinangriff  auf  Paris  verschweigt  die
Agence  Havas  absichtlich  jede  Angabe  über
die  von  den  Bomben  betroffenen  Stadtteile.
Aus  den  Meldungen  der  italienischen  Zeitungen
  geht  jedoch  Dervor,  daß  besonders  das
Momtmatre-Viertel  zu  leiden  gehabt  hat.  Die
Pariser  Zeitungen  enthielten  am  Samstag  die
Mitteilung  des  Hauptquartiers,  daß  franzdèsische
  Flieger  auf  Ftreiburg  i.  B.  Bomben  abgeworfen
  hatten  ald  Vergeltung  fur  die  Be
schießung  einiger  Dörser  in  der  Nähe  von
Cpernan.  Man  lkann  also  in  Paris  nicht  im
Zweifel  darüber  sein,  daßg  der  Besuch  des  Luftschiffes
  am  Samotag  eine  sehr  prompte  Antwort
  auf  die  neue  Beschiehung  Freiburge  darilellt.
  Die  Pariser  Behörden  bemühen  sich,  das
Publikum  zu  beruhigen,  weil  sich  die  Luftverleidigung
  der  französfischen  Hauptfladt  wieder
als  völlig  wirkungelos  erwiesen  hat;  sie  erllären
  durch  die  Presse,  daß  der  Flugdienst  ausgezeichnet
  funktioniert  habe,  daß  aber  der  Zeppelin
  derartig  hoch  gefahren  sei,  daß  es  ihm  injolge
  starken  Netels  moglich  gewesen  sei,  sich
den  Verfolgern  zu  entziehen.  (Z.)

Paris,  31.  Jan.  Agence  Havas  berichtet:
Poincaré  und  der  Minister  des  Innern  Maloy
besuchten  gestern  in  einem  Kranlenhaus  eima
10  Opfer  des  Zeppelinangriffes  und  besichtigten
darauf  den  neuen  Schauplatz  der  Tätigkeit  des
Lenkballons,  wo  eine  zahlreiche  Menschenmenge
stand  und  die  Ereignisse  besprach.  Die  Zahl
der  Getöleten  erreicht  21.  Untier  den  Festgestellten
  befinden  sich  neun  getötete  und  vierzehn
verletzte  Frauen,  acht  getölete  und  zwolf  verletzte
  Männer  und  zwei  verletzte  Kinder.  Eine
Bombe  höhlte  einen  Trichter  von  einem  Meter
Tiese  mit  einer  Oeffnung  von  fünf  bis  sechs
Metern  aus.  Die  zweite  durchschlug  ein  Haus
von  drei  Stockwerken  vollständig,  die  dritte
zerstörte  halb  ein  Haus  von  drei  Stodwerken,
die  vierte  ein  solches  ron  funf  Stodwerken,  die
fünfte  richtete  denselben  Schaden  an  einem  anderen
  Gebäude  an.  Die  sechste  verursachte  ei- 



nen  unbedeutenden  Schaden  an  einem  Hause
von  fünf  Stockwerken.  Die  siebente  zer'torte
ein  einstöckiges  Haus.  Die  achte  siel  auf  die
Strahe  und  ritz  die  Türen  und  Fen'.er  ein
henachbarten  Hauses  herab.  Die  neunte  zer
störte  eine  Wand  und  den  Hof  eines  fünfftocki
gen.  Hauses.  Die  zehnte  durch'  chlug  eine  Werl:
stalt.  Die  elfte  fiel  auf  einen  Steinhafen.  Die
zmölfte  zerstörte  ein  einflöckigeo  Gartenhaus.
Eine  Bombe  erplodieme  nicht.

Notterdam.  31.  Jan.  Wie  holländische
Blälter  aus  Paris  berichten,  war  das  Siad##
vierlel,  das  am  Samstag  abend  von  dem  Jevpelin-Angriff
  betrofsen  wurde,  ein  dichtbevol
lertes  Arbeiterviertel.  Nur  in  diesem  Stadtiteil
fielen  die  Bomben,  deren  13  gezahlt  wurden.
In  der  Pariser  Polizeiprafeltur  murde  einem
holländicchen  Journaliten  zueri  erzählt,  daß

zwei  Perionen  gelote:  wurden,  später  17,  dann
25.  Der  Korrespondent  lerichtet  meiler:  „Heuie
nacht  ging  ich  in  den  Voror:  vdon  Parie  bhina
Die  Senen.  die  ich  sah,  lann  ich  nicht  *

 

 

ben.  In  einem  Hause  war  eine  Arbeier#a:  nilis
rings  um  den  Familienvater  rersammen
am  selben  Abend  mit  Urlaub  aurt  den:
#engralen  gelommen  nar.  Alle  waren  1
Om  nachiuen  Haus  war  einem  Gbendarm  der
Kopf  vollig  abgerissen.  Im  Beie  neben  ilim
war  seine  Frau  leicht  Vverwundet.  Ein  Haur
von  fünf  Stockwerken  war  vollig  zer#tôrt;  eine
Straße  war  bis  zur  Untergrundbahn  ausgerifsen
  und  dort  war  ein  Zug  enigleift.*  Reuter
meldet  aus  Parid:  Durch  den  jeppelinangri'f
wurden  33  Personen  gelot  und  min  denen  .-42Ucnruskdct

unter  den  Verwundeten  1  Frauen.

 

(I.,
Derzmeiie  Angriff.

Parie,  31.  Jan.  Eine  Noie  der  Agenee
Lavas  besagt:  Am  3°.  Januar  abends  bewegle
  sich  ein  deutsches  Luftichiff  in  der  Nich
tung  auf  Paris,  das  lurz  nach  1!"  Uhr  abends
eintraf  und  von  den  Abwehrgeschünen  beschofsen
  und  von  Flugzeugen  angegrifsen  wurde.  Die
Polizeipräfehur  leilte  um  0  Uhr  5““  Minuten
abends  mit,  ein  von  Norden  lommendes  Lui#-schiff
  sei  gemelde:  worden,  man  wilse  aber  nicht,
in  welcher  Richtung  es  fliege.  Zur  Vorsichr
wurden  die  Lichter  in  der  Stadt  geloscht.  Umn
10  Uhr  abends  ertonten  in  ganz  Paris  neuer
dinge  Glodengelaute  und  Trompeiennohe  u:
alle  für  den  Lufisschisfalarm  vorgesehen  en  vi  »-Iahnunnutdcnsoonanqcntlst-a

schiif  warf  eine  Anzahl  Bomben  ab.  die  nach
den  bisherigen  Meldungen  keinen  (7)  Schade:
verursachten.  Um  1111  Uhr  nar  der  Alar##-beendet
  und  die  Beleuchtung  wieder  hergestelll.

Paris,  31.  Jan.  Als  genern  Abend  da?
feindliche  #  Luftschiff  nahte  und  das  ere  Alar##-signal
  erlonte,  wurden  wie  abend=  vorher
Vorsichtsmaßregeln  ergriffen.  Die  Wachtle:
loschten  mittels  langer  Stangen  die  Gas'ln
men  aus  und  Bürger  lletterten  mit  Unuu.
stützung  von  Schutzleuten  auf  die  Goslande#n  **
und  löschten  die  Lichter.  (Ein  prächtiges  Bild
Jedes  Haus,  dessen  Fenster  erleuchlet  ware.
wurde  von  der  drohenden  Gefahr  benachrich  t##
Die  auf  den  Straßen  befindlichen  Spazierga?
ger  läuteten  an  den  Turen  und  lienzen  die  Lit
ter  löschen.  Der  Alarm  wurde  gelern  Abcl
srüher  gegeben,  als  tags  zuvor.  Die  zahr#ret.

  

Vuj.