Full text : Die Weltgeschichte. Zweiter Theil. Das Mittelalter. (2)

206  Oas  heilige  römische  Reich  deulscher  Nation.

tLwig  VI.  und  Ludwig  VII.  (1108—1180).
Abt  Suger.

Der  erste  Kapetinger,  welcher  der  Krone  ein  überwiegendes  Ansehen
erkämpfte,  war  Ludwig  VI.  oder  der  Dicke  (1108—  1137),  unter  welchem,
  wie  unter  seinem  Nachfolger,  der  treffliche  Abt  Suger  von  St.
Denps  die  Staatsgeschäfte  leitete;  der  König  schützte  die  Bürger  und
Bauern  durch  Ordnung  des  Gerichtswesens  und  der  Verwaltung  und
dadurch  wurde  es  ihm  möglich,  den  Uebermuth  des  mächtigen  Grafen
von  der  Champagne  zu  brechen.  Ludwig  VII.  (1137—1180)  verfuhr
nach  denselben  Grundsätzen,  schwächte  aber  seine  Macht  durch  einen  bereits
  erzählten  unglücklichen  Kreuzzug  und  noch  mehr  durch  die  Scheidung
  von  seiner  buhlerischen  Gemahlin  Eleonore;  diese  hatte  ihm  Guyenne,
Poitou  und  Saintonge  zugebracht,  welche  Landschaften  er  ihrem  zweiten
Gemahle  Heinrich,  dem  Grafen  von  Anjou  und  Maine,  überließ,  der
als  Heinrich  II.  den  englischen  Thron  bestieg  und  dadurch  auch  Herr
der  Normandie  wurde;  derselbe  bekriegte  auch  Ludwig  VII.  wiederholt,
sedoch  ohne  erhebliche  Vortheile  zu  erringen,  da  der  französische  König
ein  sehr  tapferer  Krieger  war.

Phuipp  Augun  (1180—1223).

Sein  Sohn,  Philipp  II.  August  (welchen  Beinamen  er  als  „Mehrer“
des  Reichs  erhielt,  weil  man  Augustus  mit  Mehrer  übersetzte),  der  von
1180—1223  regierte,  begünstigte  gleichfalls  die  Städte,  brachte  die
Universität  Paris  zu  einer  beispiellosen  Blüte,  scheute  aber  kein  Mittel
zur  Erweiterung  seiner  Macht.  Er  ließ  sich  zwar  ebenfalls  zu  einem
Kreuzzuge  bestimmen,  kehrte  aber  bald  zurück  und  griff  wortbrüchig  die
französischen  Herrschaften  des  englischen  Königs  Richard  Löwenberz  an;
dem  Bruder  und  Nachfolger  desselben,  dem  elenden  König  Johann,  entriß
  er  mit  Ausnahme  des  Erbgutes  der  Königin  Eleonore  alle  Besitzungen
  jenseits  des  Kanals.  Dessen  Verbündeten,  den  Kaiser  Otto  IV.,
besiegte  Philipp  August  1214  bei  Bouvines  und  schickte  bierauf  eine
Expedition  unter  seinem  Sohne  Ludwig  nach  England,  deren  Zweck  nur
durch  den  Tod  Johanns  vereitelt  wurde.

tLudwig  VIII  (1223—1226).
Vortheile  aus  dem  Albigenserkriege.

Sein  Nachfolger  Ludwig  VIII.,  der  Löwe,  herrschte  zwar  nur  von
1223—1226,  aber  er  schlug  die  Engländer  kräftig  zurück,  demüthigte
den  mächtigen  Grafen  von  Flandern,  mischte  sich  zuletzt  in  den  Albigenserkrieg,
  nahm  1126  Avignon,  das  unter  die  Oberherrschaft  des  Kaisers