März 1906. 299
und daß auf diese Weise für den Reichskanzler die erforderliche Entlastung
nicht nur ausbleiben, sondern geradezu eine Erschwerung in der
Behandlung der kolonialen Geschäfte entstehen würde.
(Sehr richtig! rechts.)
Nur eine reinliche Scheidung des Auswärtigen und des Kolonialressorts
kann mir die Möglichkeit geben, mit dem Chef der Kolonialverwaltung
in gleicher Weise zu arbeiten wie mit den Vorständen der übrigen Reichsämter.
Solange der Chef der Kolonialverwaltung für seine Person der
Untergebene des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts bleibt, und
solange die Kolonialabteilung dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts
in der bisherigen Weise unterstellt bleibt, ist es für den Reichskanzler
nicht nur ein Gebot der persönlichen Rücksichtnahme, sondern eine geschäftliche
Notwendigkeit, daß er in allen wichtigen kolonialpolitischen
Fragen, auch in solchen, die keine direkte, unmittelbare Beziehung zur
auswärtigen Politik haben, nicht nur mit dem Chef der Kolonialverwaltung,
sondern auch mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts
Fühlung hält. Daran wird auch durch die Stellvertretungsbefugnis des
Chefs der Kolonialverwaltung nichts geändert; das Räderwerk bliebe kompliziert.
(Sehr richtig! rechts.)
Was aber, meine Herren, nach meiner Uberzeugung in organisatorischen
und verfassungsrechtlichen Fragen vor allem not tut, was die
Voraussetzung ist für einen geordneten Gang der Reichsmaschine, das
ist Einfachheit und Klarheit. Darum muß ich mich gegen einen Weg
aussprechen, der auf den ersten Blick manches für sich haben mag, der
sich bei näherem Zusehen aber als staatsrechtlich gekünstelt herausstellt,
und der für den Reichskanzler wie für den Staatssekretär des Auswärtigen
Amts und den Chef der Kolonialverwaltung die Geschäfte in
hohem Grade erschweren würde. Dem Staatssekretär des Auswärtigen
Amts wird, solange die Kolonialverwaltung in irgend einer Form im
Verbande des Auswärtigen Amts bleibt, bei dem heutigen Umfang und
der gegenwärtigen Bedeutung der auswärtigen wie der kolonialen Geschäfte
eine Geschäftslast zugemutet, der auch ein arbeitskräftiger Mann
mit guten Nerven nach meiner Uberzeugung nicht mehr gewachsen ist.
(Sehr richtig! rechts.)
Mein langjähriger, treuer und ausgezeichneter Mitarbeiter,
der uns leider zu früh entrissene Staatssekretär von Richthofen,
dessen Arbeitsfrendigkeit und Geschäftskenntnis ja