Full text : Blätter für Rechtsanwendung. Ergänzungsband zu Band 57. (57e)

28  Reichsgerichtliche  Entscheldungen.

mit  Rücksicht  auf  das  Ergebniß  des  Einredebeweises  für
die  Endentscheidung  auf  die  Eidesleistung  überhaupt  noch
anzukommen  habe.

Der  erste  Richter  war  sich  hienach  vollkommen  bewußt,
  daß  seine  Entscheidung  nicht  nur  den  Namen,  sondern
  auch  das  Wesen  eines  bedingten  Zwischenurtheils
im  Sinne  des  Art.  426  Abs.  2  der  Civilprozeßordnung
an  sich  tragen  solle.  Er  fügt  der  vorhin  angeführten
Erwägung  noch  bei,  daß  erst  dann,  wenn  es  auf  jene
Eidesleistung  noch  ankommen  werde,  auch  der  Ausspruch
über  die  Feststellung  der  Folge  der  Nichtleistung  des
Eides  den  Charakter  des  bedingten  Endurtheils  annehmen
  werde.

Dieses  Moment,  den  Umstand  nämlich,  daß  es  nach
dem  bedingten  Zwischenurtheil  vom  29.  November  1888  vorläufig
  auf  den  dem  Kläger  auferlegten  Eid  noch  nicht  anzukommen
  habe,  dieser  Eid  vielmehrmöglicherweise
ganzin  Wegfall  kommen  könne,  hat  der  Berufungsrichter
  nicht  ins  Auge  gefaßt.  Gerade  hiedurch  aber  unterscheidet
  sich  das  bedingte  Zwischenurtheil  vom  bedingten
Endurtheil.  Durch  das  bedingte  Endurtheil  wird,  wie
das  Reichsgericht  in  den  angeführten  Entscheidungen
ausspricht,  der  Prozeßstoff  soweit  erledigt,  daß  es  nur
noch  von  dem  Ergebnisse  des  Eideserhebungsverfahrens
  abhängt,  ob  das  Urtheil  den  für  den  Fall  der
Leistung  oder  den  für  den  Fall  der  Weigerung  des  Eides
vorher  bestimmten  Inhalt  erhält.  Wird  wenigstens  für
den  einen  Fall  eine  Endentscheidung  in  Aussicht  gestellt,
so  liegt  eine,  wenn  auch  inkorrekte,  aber  immerhin  für
diesen  einen  Fall  die  Natur  eines  bedingten  Endurtheils
an  sich  tragende  Entscheidung  vor,  und  deshalb  wird  das
Rechtsmittel  zugelassen.

Den  Endurtheilen  stehen,  wie  es  in  dem  Urtheil  der
Vereinigten  Civilsenate  heißt,  die  Zwischenurtheile  gegenüber,
  welche  bestimmt  sind,  einzelne  selbständige  Angriffsoder
  Vertheidigungsmittel  —  und  unter  diese  zählen  auch