Full text : Gesetzes- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogtum Baden. Jahrgang 1905. (37)

60  V.

3.  Führt  ein  durch  eigene  Triebkraft  bewegtes  Schiff  ein  seitlich  gekuppeltes  Anhangschiff
mit  sich  (vergleiche  §  10  Ziffer  5),  derart,  daß  das  für  ersteres  vorgeschriebene  Seitenlicht
durch  das  Anhangschiff  verdeckt  würde,  so  ist  das  Seitenlicht  an  der  Außenseite  des  letzteren
anzubringen.

4  Am  Tau  oder  an  der  Kette  fahrende  Dampfschiffe  mit  oder  ohne  Anhang  haben  bei
Nacht  am  Masttop  oder  oben  am  Kamine  drei  übereinander  angebrachte  rote  Lichter  zu  führen.

5.  Jedem  Dampfschiff  mit  oder  ohne  Anhang  ist  es  erlaubt,  bei  Nacht  ein  nach  rückwärts
sichtbares  weißes  Signallicht  am  Heck  zu  führen.  Dasselbe  muß  dergestalt  geblendet  sein,
daß  es  von  vorn  und  von  seitwärts  nicht  gesehen  werden  kann.

6.  Jedes  Fahrzeug  von  300  Zentner  (15  Tonnen)  oder  mehr  Tragfähigkeit,  welches  bei
Nacht  ohne  eigene  Triebkraft  in  Fahrt  ist,  einerlei  ob  es  segelt  oder  treibt,  gerudert,  geschleppt
oder  sonstwie  fortbewegt  wird,  hat  ein  weißes  Licht  vorn  oben  am  Mast  oder  mindestens
3  Meter  hoch  über  seinem  Rumpf  an  einer  Stange  zu  führen.  Dieses  Licht  muß  auf  Fahrzeugen,
  welche  geschleppt  werden  oder  segeln,  bei  dunkler  Nacht  und  klarer  Luft  mindestens
2  Kilometer  weit  sichtbar  sein.

Die  ohne  eigene  Triebkraft  auf  sich  zu  Tal  fahrenden  Schiffe  von  1000  Zentner
(50  Tonnen)  oder  mehr  Tragfähigkeit  müssen  bei  Nacht  außerdem  noch  ein  weißes  Licht  unter
dem  Bugspriet  führen.

Fahrzeuge  unter  300  Zentner  (15  Tonnen)  Tragfähigkeit,  auch  Nachen,  welche  bei  Nacht
ohne  eigene  Triebkraft  fahren,  haben  ein  weißes  Licht  dergestalt  anzubringen,  daß  es  von
allen  Seiten  deutlich  sichtbar  ist.

7.  Den  Anhangschiffen  eines  Schleppzuges  ist  bei  Nacht  gestattet,  am  vorderen  Teile  des
Schiffes  eine  brennende  Laterne  mit  Milchglasscheiben  zu  führen,  welche  nicht  über  das  Schiff
hinausleuchtet  und  nach  vorn  und  nach  der  Steuerbord=  und  Backbordseite  vollständig  geblendet  ist.

8.  Schiffe  ohne  eigene  Triebkraft,  welche  ohne  Hilfe  der  Segel  zu  Tal  treiben,  sowie
Schleppzüge  dürfen  bei  Nacht  nur  bei  Mond=  oder  Sternenhelle  fahren.  Verdunkelt  sich  der
Himmel  während  der  Fahrt,  so  müssen  die  Fahrzeuge  sofort  an  der  nächsten  geeigneten  Stelle
beigelegt  werden.

9.  Die  Anwendung  elektrischer  Bogenlichter  und  Scheinwerfer  während  der  Fahrt  sowie
jedes  elektrischen  Lichtes  in  den  Laternen  am  Masttop  ist  untersagt.

10.  Bei  nebligem  Wetter  müssen  die  durch  eigene  Triebkraft  bewegten  Schiffe  mit  oder
ohne  Anhang  mit  verminderter  Geschwindigkeit  fahren  und  deren  Führer  ununterbrochen  die
Glocke  läuten  lassen;  auf  Schiffen,  die  ohne  eigene  Triebkraft  auf  sich  fahren,  muß  unausgesetzt
  durch  das  Sprachrohr  gerufen  werden.

Wird  der  Nebel  so  dicht,  daß  keines  der  beiden  Ufer  mehr  gesehen  werden  kann,  so  müssen
alle  auf  der  Fahrt  befindlichen  Schiffe  an  der  nächsten  geeigneten  Stelle  beilegen.  Ausgenommen
  hiervon  sind  die  durch  eigene  Triebkraft  bewegten  Querfähren.

11.  Flöße,  auch  geschleppte,  dürfen  ihren  Landungsplatz  nicht  früher  als  eine  Stunde  vor
Sonnenaufgang  verlassen.  Sie  dürfen  ihre  Fahrt  nicht  länger  als  eine  Stunde  nach  Sonnen-