Der Staatshaushalt. 205
zu kodifiziren und in Uebereinstimmung zu bringen. Die Accise sollte dadurch
nicht berührt, nur in einer Beziehung, wo sie eine Lücke läßt, durch Besteuerung
der Erwerbungen eines liegenschaftlichen Vermögens unter Zwangsenteignung
(Tarif-Nr. 47) noch ergänzt werden. Sodann aber war die
Absicht auch die, der Staatskasse höhere und neue Einnahmen zu verschaffen,
letzteres namentlich durch die Einführung einiger in das Gebiet der Verkehrssteuern
fallenden neuen Abgaben. Ein Blick auf andere Staaten
konnte hiezu nur ermuthigen. Frankreich erhebt auf diesem Weg ¼,
Großbritannien und Oesterreich /, Ungarn ¼0% der gesamten Staatseinnahme,
und würden auch nur die bayerischen oder badischen Sätze in
Württemberg eingeführt worden sein, so hätten wir auf eine Mehreinnahme
von 2 Mill. A. jährlich hoffen dürfen. Dort haben die entsprechenden
Abgaben 2,85 und 2,76 (CK auf den Kopf ertragen, in Württemberg
vor 1881 nur 1,51 A. Man ist jedoch nicht so weit gegangen,
wollte sich mit 1 Mill. Mehreinnahme begnügen, woran noch die größere
Hälfte auf die Erbschafts= und Schenkungssteuer kommen sollte. Der
Schwerpunkt des Sportelgesetzes liegt in dem Sporteltarif, der, für
den praktischen Gebrauch alphabetisch geordnet, in dieser Fassung allerdings
die Uebersichtlichkeit und das Verständnis des Gesetzes nicht zu fördern vermag.
Sachlich lassen sich unterscheiden I. die Gebühren, im Wesentlichen als
Entgelt für die Thätigkeit der Behörden zu Gunsten von Einzelinteressen.
Das Gesetz hat Umgang genommen von einem Eingabenstempel, von
Protokollgebühren und Gebühren für Endentschließungen. Sämtliche Verwaltungs-=zweige
zugleich berühren nur die übrigens fakultativen Beschwerdesporteln, die
Gebühren für die Abweisung oder Zurückziehung angebrachter Gesuche, die Schreibgebühren,
Sporteln für Beglaubigungen oder Zeugnisse, Prüfungs= und Dienstanstellungssporteln,
Sporteln für die Erlaubnis zur Annahme und Führung fremder
Titel und Orden und dergleichen. Es folgen sodann die Gebühren für eine Thätigkeit
der Behörden auf den verschiedenen Gebieten der streitigen und der nichtstreitigen
Rechtspflege, soweit namentlich in ersterer Beziehung die Reichsgesetzgebung
nicht vorgegriffen hat, sowie auf den Gebieten der Verwaltung, am ausgibigsten
im Departement des Innern. Der Art nach sind die württembergischen Sporteln.
theils feste, theils veränderliche. Wo der Tarif einen Rahmen läßt, ist die Sportel
zu bemessen nach der den Behörden verursachten Mühe, nach der Bedeutung des
Gegenstands und nach den Vermögens= und Einkommensverhältnissen der Sportelpflichtigen
(Art. 3). Der Sportelertrag fließt in die Staatskasse (Art. 18). Nur
einzelne Dienstprüfungs= und Dienstanslellungssporteln sind besonderen Kassen vorbehalten
(Art. 13). II. Die Verkehrssteuern, Steuern vom Verkehr mit Vermögenswerthen,
im Anschluß an einzelne Verkehrsakte, durch welche Erträge erworben
oder realisirt werden. Sie ergänzen das System der Ertragssteuern, welche nur nach
gewissen Durchschnittserträgen bemessen, auch nicht über ein gewisses Maß gesteigert
werden dürfen, und sie sollen zugleich die Besteuerung des mehr zufälligen Erwerbs,
die Erfassung des einer produktiven Verwendung dauernd entzogenen, mit dem.
Volkswohlstand verhältnismäßig zunehmenden Genußvermögens ermöglichen. Dahin
gehören 1) die Steuern auf den Verkehr mit Liegenschaften, also, neben der