Full text : Fürst Bismarck und der Bundesrat. Erster Band. Der Bundesrat des Norddeutschen Bundes (1867-1870). (1)

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Als  im  Jahre  1890  der  Staatsminister  Frhr.  v.  Koenneritz  verschieden
war,  wurde  er  an  dessen  Stelle  zum  Staatsminister  und  Vorstand  des  Finanzministeriums
  unter  gleichzeitiger  Erteilung  des  Auftrages  in  Evangelicis  ernannt,
  welchen  Posten  er  fast  fünf  Jahre  hindurch  bekleidet  hat.  Nach  dem
Tode  des  Staatsministers  v.  Gerber  wurden  ihm  außerdem  noch  die  Aemter
eines  Vorsitzenden  im  Gesamtministerium  und  bei  den  in  Evangelicis  beauftragten
  Staatsministern,  des  Vorstandes  der  Generaldirektion  der  königlichen
Sammlungen  für  Kunst  und  Wissenschaften  und  des  Ordenskanzlers  von  dem
Könige  übertragen.

In  allen  seinen  Stellungen  seit  1867  hat  er  an  den  Arbeiten  des  Bundeskörpers
  den  thätigsten  Anteil  genommen  und  namentlich  auch  sich  bemüht,  die
für  die  Bundesstaaten  so  wichtige  Reichsfinanzreform  nach  Kräften  zu  fördern.“)

Im  Bundesrat  hat  sich  in  den  Jahren  1867/68  Thümmels  Thätigkeit
hauptsächlich  auf  zolltechnischem  Gebiete  bewegt  und  ist  er  infolge  des  Umstandes,
daß  Bismarck  dieser  Thätigkeit  damals  kein  Interesse  zuwenden  konnte,  zu  dem
Kanzler  in  nähere  Beziehungen  nicht  getreten.  Wohl  aber  hat  der  Kanzler
auch  ihn  gefangen  genommen  durch  die  Größe  seiner  politischen  Persönlichkeit
und  die  Liebenswürdigkeit  als  Wirt  bei  zahlreichen  geselligen  Zusammenkünften.

Oberst  und  Militärbevollmächtigter  in  Berlin  v.  Brandenstein
(geboren  23.  August  1821,  gestorben  17.  Juli  1891).

1845  Eintritt  in  die  sächsische  Armee,  nach  vorangegangenen  juristischen  Studien
an  der  Universität  Leipzig,  März  1849  Teilnahme  an  dem  Reichskriege  gegen  Dänemark.
Auszeichnung  bei  dem  Reitergefecht  bei  Havreballegard,  1849—1863  Verwendung  als
Ordonnanzoffizier  im  Generalstab,  Kriegsministerium,  als  Adjutant  des  Kriegsministers.
Begabter,  geistvoller  Offizier,  mit  ausgesprochener  Befähigung  für  eine  militärpolitische
Laufbahn,  die  1866  mit  seiner  Ernennung  zum  Bevollmächtigten  bei  der  Bundes-Militärkommission
  in  Frankfurt  a.  M.  begann.  Nach  Beendigung  des  Krieges  von  1866  und
nach  Bildung  des  Norddeutschen  Bundes  wurde  Brandenstein  nach  Berlin  kommandirt,
woselbst  er  von  1867  bis  1870  die  sächsische  Regierung  als  Militärbevollmächtigter  und
Bevollmächtigter  zum  Bundesrat  vertrat.  Am  1.  Mai  1870  zur  Disposition  gestellt,
übernahm  er,  reaktivirt,  während  des  Feldzugs  gegen  Frankreich  vom  26.  Dez.  1870  bis
30.  Juni  1871  an  Stelle  des  nach  Frankreich  abberufenen  Kriegsministers  v.  Fabrice  die
Leitung  des  sächsischen  Kriegsministeriums,  und  wurde  noch  nach  seinem  demnächstigen
Rücktritt  in  das  Disponibilitätsverhältnis  1874  durch  die  Verleihung  des  Charakters  als
Generallieutenant  ausgezeichnet.

bei  den  damals  periodisch  stattfindenden  Generalkonferenzen  von  Vertretern  der  zum  Zollverein
  gehörigen  Staaten  und  beim  Abschluß  des  Zollvereinigungsvertrages  vom  8.  Juli  1867.
1871  Ernennung  zum  Direktor  der  III.  Abteilung  des  Finanzministeriums,  welcher  das
Eisenbahn-,  Straßen-,  Wasser=  und  Hochbauwesen  des  Staates  unterstellt  ist,  und  gleichzeitig
  zum  Vorsitzenden  der  königlichen  Kommission  für  die  Staatsprüfung  der  Techniker.

*)  Vgl.  den  ausführlichen  Nekrolog  Thümmels  in  dem  „Dresdner  Journal“  Nr.  37
vom  13.  Februar  1895.