Preußen — und den Vorgängen in Frankfurt die Freimaurerei einschätzte, geht
mit erschütternder Deutlichkeit aus einem Bericht des Br. Beyse, eines ehemaligen
Offiziers, hervor, den er dem Freimaurer Br. Hubert in Paris 1849 sandte, ein
Beweis nebenbei dafür, wie eng die freimaurerische Verbindung in der Bruder—
kette nach Paris war. Der Bericht zeigt in frivoler Deutlichkeit, wie die Freimaurerei
in Preußen gegen das nationale Preußen als Rückgrat Deutschlands
„gearbeitet“ hat, und wie sie den Staat hinterging und betrog. Die Mittel, die
der preußische Staat anwandte, indem er seine Polizeispitzel in die Logen sandte,
sind gewiß nicht zu billigen, da sie gleich verwerflich sind, wie die der Freimaurerei.
Aber das Betrügen dieser Spitzel und der Regierung durch die Freimaurerei
zeigt auch hier, daß eine moralisch verkommene, geheime Verbrechergesellschaft
nach Art der Freimaurerei erfolgreich nur vernichtet werden kann, wenn
weitgehende Aufklärung des gesamten Volkes die Maßnahmen der Regierung begleitet.
Der Bericht lautet:
„Argwöhnisch über den Versuch der Wiedergeburt der Logen fürchteten dic
deutschen Regierungen eine schwere Einbuße an Autorität, wenn sie nicht schleunigst
diese Regungen eines neuen Lebens unterdrückten. Der König verbot jede neue Aufnahme
„(in die Logen)“. Die Berliner Großoriente waren fast eingeschüchtert und wagten nur
in großen Zwischenräumen die Vorschriften des Königs zu umgehen.“ —
Auf diesen Satz muß besonders hingewiesen werden, wenn immer wieder
von freimaurerischer Seit behauptet wird, daß die Brr. Freimaurer gehorsame
Diener eines Gojstaates seien.
Br. Begse fährt fort:
„Von da an lastete der schrecklichste Argwohn auf der Maurerei in Preußen. Schon
arbeitete man an Aechtungsdekreten und drohte, sie bis in die letzten ihr übrig gelassenen
Lebenselemente, so schwach diese waren, auf den Tod zu schlagen .. Jährlich wurden
dem Könige die Liste der Freimaurer eingereicht, hinter dem Namen jedes Brs. folgte
eine kurze Angabe der von ihm bekannten politischen Grundsätze und Bericht bis ins
einzelnste über sein Privatleben. .. Man zweifelte an der Genauigkeit der eingeschickten
Berichte; die Direktoren, Räte, kurz selbst die niedrigsten Agenten der geheimen Polizei
erhielten Befehl, sich als Freimaurer aufnehmen zu lassen. Sie mußten über alles, was
sie in den Tempeln sahen und hörten, täglich berichten. Damals vergaßen sich die Logen
soweit, daß sie gar Polizeiagenten zu Ehrwürdigen („Meister vom Stuhl“) wählten.
Unsere Bankette gestalteten sich um zur Arena, wo man in Schmeicheleien, die zu den
Füßen des Königs gelangen sollten, wetteiferte. Das damalige Maurergesangbuch bestätigt
diese Gemeinheit (1) der Gesinnung.“ ·
D. h. es atmete Königstreue vertarnte so die wirkliche Gemeinheit der Ge—
sinnung und belog König und Staat.
König Friedrich Wilhelm IV. unterschrieb das ihm vorgelegte Verbot der
Freimaurer in Preußen nicht, obschon er über alle die geschilderten Vorgänge
im Bilde war und erdrückendes Tatsachenmaterial der geschichtlichen Logen—
verbrechen von treuen Deutschen und auch von einem wissenden Br. in Denk—
schriften zugestellt bekam.
Die reiche Lebenserfahrung über das Unwesen der Freimaurerei und diese
gründliche Unterweisung der Denkschriften haben es nicht vermocht, ihn zu Ent—
schlüssen zu zwingen, die das arme Volk hätten retten können, nämlich die Ver—
brecherkaschemmen zu schließen und das gesamte Volk aufzuklären.
Ja er verstand sich noch nicht einmal dazu, dem Beispiel des Königs von
Sachsen zu folgen, der auf die Ereignisse in seinem Lande hin den Offizieren
die Zugehörigkeit zur Freimaurerei verboten hatte.
Auch der Thronfolger, Prinz Wilhelm, sorgte trotz all der Schicksalsschläge
und Erfahrungen mit der Freimaurerei nicht für das Volk durch den Vernich-