Die deutsche Kolonialpolitik 169
nichtmilitärischem Gebiet haben die Schutztruppen Großcs geleistet. In
den Anfängen unserer Kolonialverwaltung bis in dic jüngste Zeit hinein
haben Offiziere und Unteroffiziere der Schutztruppen Hand in Hand
mit den Zivilbeamten sich an dem Friedenswerk der allgemeinen Landesverwaltung
beteiligt. Die Arbeit, die hierbei zu leisten war, schaffte
für die einzelnen Bezirke die Grundlage für dic alsbald nach der Pazifizierung
in ausgedehntem Maße einsetzende Zivilverwaltung.
Auf dem Gebiete der Einrichtung von Stationen und Bezirksämtern
haben die Truppen Hervorragendes geleistcet. Offizieren, Unteroffizicren
und Mannschaften ist es dabei stets gelungen, bei energischem Wollen,
gepaart mit unermüdlichem Interesse und praktischem Sinn, trotz
des vielfachen Mangels an Vorbildung für die Technik der Zivilverwaltung,
die ihnen übertragenen Arbeiten zu erfüllen.
Oie Aufgaben, die den einzelnen erwuchsen, waren nicht leicht und
stellten hohe Anforderungen an politisches Geschick und Verständnis
für die Angelegenheiten der Eingeborenen. Gestützt auf eine meist nur
geringe militärische Macht, mußten die in gänzlich unbekannte Gebiete
Entsandten zunächst festen Fuß fassen, um in allmählich weiter geschlagegenen
Kreisen ihren Einfluß ausbreitend, die Bevölkerung an die neuen
Herren und dic mit ihnen kommende Neuordnung der Dinge zu gewöhnen.
Eng verbunden mit der allgemeinen Verwaltungstätigkeit sind die
von der Truppe in verschicdenen Gebietsteilen vollbrachten technischen
und kulturellen Arbeiten. Oie meisten Stationen sind durch dic Arbeit
der Truppc entstanden, wobei nicht nur auf praktische, sondern auch
auf architektonisch anmutende Oienstgebäude gesehen wurde, in deren
Umgebung dann Lazarette, Magazine, Markt= und Schlachthallen,
Brunnen, und wenn die Mittel reichten, geschmackvolle Gärten und
mannigfache nützliche kulturelle Anlagen entstanden.
Besonderes Interesse wurde dem Wegebau zugewandt. Oie meisten
Straßenaulagen mit ihren Kunstbauten, wie Brücken, Dämmec, Ourchlässe,
Hohlwege, verdanken ihr Entstehen der Arbeit der Truppec. Erwähnenswert
sind auch die zur Erlangung eines leistungsfähigen Neittiermaterials
gemachten Zuchtversuchce, die z. B. in Südwest-Afrika auf
dem Gebicte der Pferdezucht gute Erfolge gezeitigt haben. Die Leistungen
der Schutztruppen auf dem Gebiete der Verwaltung und kulturellen
Hebung der Kolonien müssen um so höher anerkannt werden,
als ihnen nennenswerte Mittel in den wenigsten Fällen zur Verfügung
standen.
Acben der vielseitigen Inanspruchnahme auf militärischem und ver-