280 11. Das Vorspiel des Krieges. Der Krieg 1866
Kongresses, da die in Nikolsburg schwebenden Fragen nicht
ohne Zustimmung Europas erledigt werden könnten. Die amt—
liche Anzeige dieser Forderung konnte jeden Augenblick ein—
treffen. Dann war Preußen womöglich dem Schiedsgericht
seiner Nachbarn im Osten und Westen preisgegeben und der
Siegespreis wie in den Jahren 1813 und 1815 gefährdet. Und
gerade als Bismarck am 26. Juli die Präliminarien unterzeichnen
wollte, erschien Benedetti mit den kleinen französischen
Entschädigungsforderungen auf dem linken Rheinufer, die aber
von Bismarck mit den Worten zurückgewiesen wurde: „Machen
Sie mir heute keine amtliche Mitteilung dieser Art.“ Das
hieß soviel wie: „Halten Sie mich nicht auf mit Kleinigkeiten,
wo die Geschichte ihre gerechten Folgerungen aus Jahrhunderten
zieht.“ Die Präliminarien wurden also unterzeichnet,
ohne Frankreich und Rußland zu beteiligen. Am 28. vollzog sie
der König. Roon schreibt darüber an seine Gattin: „Die Friedens-Präliminarien
sind heute unterzeichnet worden in unserer Gegenwart.
Als er — der König — dies vollbracht, sprang der Herr
auf, umarmte und küßte dankend und weinend, mit viel beweglichen
Worten zuerst Bismarck, dann mich und Moltke, indem er
diesem und mir den Schwarzen Adler-Orden, Bismarck das Großkreuz
des Hohenzollern verlieh.“ So herzerwärmend war das
Verhältnis des großen Königs zu seinen großen Helfern.
Am 4. August kehrte der König nach Berlin zurück, da am
folgenden Tage der Landtag zusammentrat. Am Morgen dieses
Tages traf ein Schreiben Benedettis bei Bismarck ein mit Kompensationsforderungen,
weil Napoleon nicht zugunsten Ssterreichs
eingegriffen habe. Verlangt wurden die Grenzen von 1814, ganz
Rheinbayern und Rheinhessen mit Mainz, die Lösung des zwischen
dem Deutschen Bunde und Luxemburg bestehenden Bundesverhältnisses
und die Aufhebung des preußischen Garnisonrechtes
in der Festung Luxemburg. Benedetti hatte diese Forderungen
schriftlich aufgestellt, weil er es mit Rücksicht auf den Charakter
Bismarcks lieber vermeiden wollte, dem ersten Eindruck beizuwohnen,
den seine Eröffnungen voraussichtlich hervorrufen
würden. Er hatte nicht unrecht. Als er am folgenden Tage