Forderung des Systemwechseis
geduldet und gedeckt hatten. Der „Obrigkeitsstaat‘ sollte
jetzt durch den ‚„Volksstaat‘ ersetzt werden. Vom Velksstaat
und seiner „Volksregierung“ erwartete der Idealismus
der deutschen Demokratie das große Wunder. Ich
setze, um diesen Gedankengang deutlich zu machen, eine
bezeichnende Stelle aus einem Artikel der ‚Frankfurter
Zeitung“ vom 27. September 1918 hierher:
„Die Lage Deutschlands, unseres Staates und unseres
Volkes, ist heute so ernst und so schwer wie niemals zuvor.
Niemand darf sich darüber täuschen, niemand auch die
Pflicht verkennen, die ihm daraus erwächst. Spannen
wir jetzt nicht alle Kräfte bis zum Äußersten, in stoischem
Ertragen und in heroischer Leistung, dann kann eskommen,
daß die Gegner doch noch ihr Ziel erreichen. Was bringt
unser Volk jetzt zu so höchster Krafthergabe ? — Nur das
Volk selbst aus eigenem, innerstem Impulse kann sich
dlazu erheben! Nur indem es endgültig sein Schicksal in
die eigene Hand nimmt, wird es das ungeheure Maß von
Verantwortungsgelühl und Opferbereitschaft finden, das
jetzt nottut. Der Masse, der eine Obrigkeit zuredet und
befiehlt, wird das nicht abzuringen sein; dem Volke, das
die Entscheidung über seine Gegenwart und seine ganze
Zukunft sich selbst anvertraut fühlt, wird und muß es
gelingen. Das ist der gewaltige Sinn der Demokratie
und der ungeheure Kraftstrom, der aus ihr fließt. Und
diesen Kraftstrom gilt es jetzt zu entfesseln.‘‘
Von diesem Gedanken waren jetzt manche durchdrungen,
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