Nordseesperre und Unterseebootkrieg 33
tiese Wunden. „Seydlic“ war eine Zeitlang von „Lion“ und „Tiger“
zugleich beschossen worden. Schwere Treffer zerschlugen die Aufbauten, und
im Hinterschiff brach ein grober Brand aus, der Oualm und Flammen bis
zur Höhe der Masten spie. „Derfflinger"“ kam mit geringeren Beschädigungen
davon. „Moltke“ war kaum getroffen worden. Auf dem kleinen Kreuzer
„Kolberg“ wehten Rauch- und Flammenfahnen.
Die Briten hatten stärker gelitten, als der deutsche Admiral ahnte,
und die Wage stand um 11 Uhr nahezu im Gleichgewicht, obwohl „Blücher“
schon als Wrack achteraus sackte. Kurz nach 11 Uhr war die britische Schlachtordnung
zerrissen. „Lion“ und „Tiger" schoren aus. Da „Lions“ Maschinen
zu versagen begannen, rief Beatty den ZJerstörer „Attack“ heran und ließ
sich von diesem zur „Prinzeß Noyal“ bringen, die unterdessen das Gefecht
fübrte. Mit Mühe erreichte der Zerstörer das vorausstürmende Schiff, auf
dem um ½1 Uhr Beattys Flagge stieg.
Als Admiral Beatty die Brücke der „Prinzeß Royal“ betrat,
näherte sich das Treffen dem Ende. „Blücher“ war im Sinken, die Deut.
schen hatten nach Osten abgedreht und Helgoland lag nur noch 70 See.
meilen östlich vom Ort des Gefeches. Beattey befahl daher, nach Norden
abzudrehen und krat den Rückmarsch an. Er kam aus schwerem Kampf.
„Lion“ mußte von „Indomitable“ abgeschleppt werden. „Tiger“ lag
mit starker Schlagseite im Wasser und erwehrte sich mühsam deutscher
Torpedos.
So endete das erste große Treffen in der Nordsee seltsam genug. Die
Deutschen entzogen sich dem Feind, der von Anfang an als Angreifer aufgetreten
war, mit geringeren Beschädigungen, als dieser troth seiner schwereren
Bestückung erlitten hatte, ließen aber ihr langsamstes Schiff auf der Strecke.
Die Engländer handelten kräftig und geschickt, fübrten ihre Hauptmacht
geschlossen an den Feind, schossen dessen schwächstes Schiff wie eine schwim.
mende Scheibe zusammen, vermochten aber die Schlachtordnung unter der
Wucht des deutschen Feuers nicht innezuhalten und kehrten mit zwei verkrüppelten
Schiffen heim. Das Gefecht war von beiden Seiten aufgegeben
worden und ist im Grunde unentschieden geblieben.
Nordseesperre und AUnterseebootkrieg
Oie strategische Lage erfuhr durch das Treffen an der Doggerbank
keine Anderung. England hielt seine große Flotte bei den Orkneyinseln
zurück und lieh dadurch der Nordseesperre das nötige Rückgrat, während die
deutsche Flotte dem Landheer in Nord- und Osftsee Rücken und Flante
deckte und ihre Tauchboote gegen Englands Küste sandte, um für die Aushungerungspolitik
Vergeltung zu üben.
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