Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1888. (15)

Nordseesperre  und  Unterseebootkrieg  33

tiese  Wunden.  „Seydlic“  war  eine  Zeitlang  von  „Lion“  und  „Tiger“
zugleich  beschossen  worden.  Schwere  Treffer  zerschlugen  die  Aufbauten,  und
im  Hinterschiff  brach  ein  grober  Brand  aus,  der  Oualm  und  Flammen  bis
zur  Höhe  der  Masten  spie.  „Derfflinger"“  kam  mit  geringeren  Beschädigungen
davon.  „Moltke“  war  kaum  getroffen  worden.  Auf  dem  kleinen  Kreuzer
„Kolberg“  wehten  Rauch-  und  Flammenfahnen.

Die  Briten  hatten  stärker  gelitten,  als  der  deutsche  Admiral  ahnte,
und  die  Wage  stand  um  11  Uhr  nahezu  im  Gleichgewicht,  obwohl  „Blücher“
schon  als  Wrack  achteraus  sackte.  Kurz  nach  11  Uhr  war  die  britische  Schlachtordnung
  zerrissen.  „Lion“  und  „Tiger"  schoren  aus.  Da  „Lions“  Maschinen
zu  versagen  begannen,  rief  Beatty  den  ZJerstörer  „Attack“  heran  und  ließ
sich  von  diesem  zur  „Prinzeß  Noyal“  bringen,  die  unterdessen  das  Gefecht
fübrte.  Mit  Mühe  erreichte  der  Zerstörer  das  vorausstürmende  Schiff,  auf
dem  um  ½1  Uhr  Beattys  Flagge  stieg.

Als  Admiral  Beatty  die  Brücke  der  „Prinzeß  Royal“  betrat,
näherte  sich  das  Treffen  dem  Ende.  „Blücher“  war  im  Sinken,  die  Deut.
schen  hatten  nach  Osten  abgedreht  und  Helgoland  lag  nur  noch  70  See.
meilen  östlich  vom  Ort  des  Gefeches.  Beattey  befahl  daher,  nach  Norden
abzudrehen  und  krat  den  Rückmarsch  an.  Er  kam  aus  schwerem  Kampf.
„Lion“  mußte  von  „Indomitable“  abgeschleppt  werden.  „Tiger“  lag
mit  starker  Schlagseite  im  Wasser  und  erwehrte  sich  mühsam  deutscher
Torpedos.

So  endete  das  erste  große  Treffen  in  der  Nordsee  seltsam  genug.  Die
Deutschen  entzogen  sich  dem  Feind,  der  von  Anfang  an  als  Angreifer  aufgetreten
  war,  mit  geringeren  Beschädigungen,  als  dieser  troth  seiner  schwereren
Bestückung  erlitten  hatte,  ließen  aber  ihr  langsamstes  Schiff  auf  der  Strecke.
Die  Engländer  handelten  kräftig  und  geschickt,  fübrten  ihre  Hauptmacht
geschlossen  an  den  Feind,  schossen  dessen  schwächstes  Schiff  wie  eine  schwim.
mende  Scheibe  zusammen,  vermochten  aber  die  Schlachtordnung  unter  der
Wucht  des  deutschen  Feuers  nicht  innezuhalten  und  kehrten  mit  zwei  verkrüppelten
  Schiffen  heim.  Das  Gefecht  war  von  beiden  Seiten  aufgegeben
worden  und  ist  im  Grunde  unentschieden  geblieben.

Nordseesperre  und  AUnterseebootkrieg

Oie  strategische  Lage  erfuhr  durch  das  Treffen  an  der  Doggerbank
keine  Anderung.  England  hielt  seine  große  Flotte  bei  den  Orkneyinseln
zurück  und  lieh  dadurch  der  Nordseesperre  das  nötige  Rückgrat,  während  die
deutsche  Flotte  dem  Landheer  in  Nord-  und  Osftsee  Rücken  und  Flante
deckte  und  ihre  Tauchboote  gegen  Englands  Küste  sandte,  um  für  die  Aushungerungspolitik
  Vergeltung  zu  üben.

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