Full text : Gesetzsammlung für das Königreich Sachsen vom Jahre 1823. (6)

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sich  aus  früherer  Zeit  noch  erhalten.  Er  steht  etwa  in  der  Mitte
des  Domes  und  läuft  in  eine  achtseitige  Pyramide  aus,  die  an  der
Außenseite  eine  stumpfe  Brechung  der  Linien  zeigt,  wo  sich  die  letzte
Verjüngung  der  Spitzsäule  an  das  erste  Stockwerk  setzt.  Im  Volksmunde
  wird  der  Turm  daher  der  „höckrige“  genannt.  Ist  aber  auch
die  äußere  Erscheinung  des  Domes  zur  Zeit  noch  unvollendet  und
erst  für  die  nächste  Zukunft  der  Turmbau  geplant,  so  zeigt  er  sich
doch  schon  jetzt  im  Innern  als  ein  kunst=  und  weihevolles  Gotteshaus.
  Fünfzig  Säulen  stützen  das  hohe  Gewölbe.  Durch  breite
Fenster  und  Rosetten  gießt  die  Sonne  ihr  Licht  in  die  Hallen,  und
ein  klangvolles  Orgelwerk  erfüllt  den  weiten  Raum  mit  vollen  Tönen.
Der  Fußboden  ist  mit  Grabplatten  der  Bischöfe  bedeckt,  unter  denen
wir  besonders  Bennos  (F  1107)  auch  jetzt  dankbar  gedenken,  da
er  nicht  bloß  für  Ausbreitung  der  christlichen  Lehre,  sondern  auch
für  Anpflanzung  von  Obst  und  Reben  auf  den  Bergen  und  in  den
Tälern  unseres  Vaterlandes  sorgte.  In  der  Fürstenkapelle  am
breiten  Turme  (und  in  einem  seitlichen  Grabgewölbe)  aber  ruhen
die  Gebeine  der  sächsischen  Fürsten  von  Friedrich  dem  Streitbaren
an  bis  zu  Georg  dem  Bärtigen.  Auch  hier  sind  die  Gräber  mit
einfachen  Messingplatten  bedeckt,  und  nur  auf  der  Grabstätte  Friedrichs
des  Streitbaren  ruht  die  lebensgroße  Figur  des  Toten  im  kurfürstlichen
  Schmuck  und  von  Wappen  umgeben.  Mögen  nnn  auch  die
früheren  Altäre  (56),  Heiligenreste  (Reliquien  im  Werte  von  100  000
Talern),  Domherren  und  Meßpriester  (gegen  200)  aus  der  heiligen
Stätte  verschwunden  sein,  immerhin  bleibt  der  Meißner  Dom
in  seinem  äußeren  Aufbau,  seinem  inneren  Schmuck
und  seinen  geweihten  Grabstätten  eines  der  schönsten
Gotteshäuser  unseres  Vaterlandes.

5.  Berühmter  noch  als  durch  Schloß  und  Dom  ist  Meißen
aber  durch  sein  Porzellan  geworden,  das  aus  einer  besonderen
Erdart  bereitet  wird.  Die  Porzellanerde  ist  von  weißer  Farbe  und
leicht  in  den  Händen  zerreibbar.  Sie  entsteht  durch  Verwitterung
feldspathaltiger  Felsen  und  wird  in  reichen  Lagern  besonders  bei
den  Dörfern  Seilitz  und  Garsebach  südwestlich  von  Meißen  gewonnen.
  Um  die  feineren  Teile  der  Erde  von  den  gröberen  zu
sondern,  wird  sie  gründlich  im  Wasser  gerührt  und  in  großen  Kübeln
und  Siebgängen  geschlemmt.  Da  aber  die  weiche  Masse  noch  nicht
schmelzbar  ist,  mengt  man  sie  weiter  mit  unverwittertem  Feldspat,
nachdem  dieser  geglüht  und  fein  gemahlen  worden  ist.  Ist  dann
dem  Gemenge  noch  Wasser  und  Luft  ausgetrieben,  so  ist  durch  diesc
Vorarbeiten  eine  gleichmäßig  dichte,  sehr  bildsame  Masse  gewonnen
worden.  —  Diese  wandert  nun  sofort  auf  die  Drehscheibe,  auf  der
Teller  und  Tassen  ab=  und  ausgerundet  werden.  Für  andere
Porzellanstücke  aber  muß  erst  eine  besondere  Form  aus  Gips  gebraunt
werden.  Zu  deren  Herstellung  dient  eine  Tonfigur  zum  Muster,  die
dem  gewünschten  Stücke  gleicht.  —  Die  geformten  Stücke  werden
darauf  mit  besonderen  Tonhülsen  umschlossen,  da  das  Porzellau

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