—.. 537 .—
den heutigen zusammengedrängt! In seiner nächsten Umgebung konnte er
flüstern hören: „So ist er anch aus Rußland gegangen!“ — —
Das Corps Bertrands, welches bereits am 18. Oktober morgens zur Besetzung
der Saaleübergänge nach Weißenfels vorausgesandt worden war,“
marschierte am 20. von Weißenfels nach Naumburg, um sich des wichtigen Überganges
bei Kösen zu bemächtigen. Es fand jedoch diesen Ubergang bereits von den
Osterreichern besetztt — es waren anfangs nur fünf Kompanieen von Giulays
Corps. Auch Napoleon überschätzte die Stärke der bei Kösen aufgestellten Truppen
Ginlays und verzichtete darauf, hier mit Gewalt durchzudringen. Er ließ den
Ubergang bei Kösen durch das Corps Bertrands beobachten und verließ mit
der Hauptmasse des Heeres die große Straße, um über Freiburg an der Unstrut
auf schwierigen Seitenwegen mittels angestrengter Märsche Erfurt zu erreichen.
Während das französische Heer am 21. Oktober in Freiburg über die Unstrut
ging, traf auch York von Halle her mit seinem Corps bei Freiburg ein.
Um 2 Uhr entspann sich ein Gefecht bei Freiburg, welches bald ungemein
hartnäckig wurde und bis 9 Uhr abends währte. In der engen Bucht des Unstrutgrundes
drängte sich auf den steilen und aufgeweichten Engwegen die Masse
des französischen Heeres in einem verworrenen Knäuel nach den Ubergängen der
Unstrut hin, die hier ein ähnliches Bild bot, wie vor einem Jahre die Beresina.
Durch sein persönliches Ansehen stellte der Kaiser Napoleon in einiger Zeit die
Ordnung wieder her und, da der größte Teil des Heeres bereits vor dem Eintreffen
Yorks den Fluß überschritten hatte, so gelang es ihm, sich mit dem Verluste
von 18 Kanonen und 1200 Gefangenen aus seiner mißlichen Lage zu ziehen.
Die Verbündeten hatten jetzt den kürzesten Weg nach Erfurt vor sich,
während die Franzosen auf zum Teil unwegsamen Nebenstraßen im Bogen
dahinzogen. Dennoch beeilte sich Fürst Schwarzenberg keineswegs, ihnen zuvorzukommen;
in der Besorgnis, daß Napoleon bei Erfurt noch eine Schlacht
wagen würde, hemmte er vielmehr absichtlich die Verfolgung. Die böhmische
Armee stand am Tage vor dem Gefecht bei Freiburg noch rechts von der Elster
und Pleiße; die Armee Bennigsens erhielt sogar einige Tage später Befehl,
nach der Elbe zurückzugehen, um eine Vereinigung der französischen Besatzungen
der großen Plätze an der Elbe — Dresden, Magdeburg und Hamburg — zu
verhindern; der Kronprinz von Schweden zog langsam nach Hannover, um
Davonst in Hamburg den Rückzug nach Frankreich abzuschneiden, und wandte
sich dann nach Schleswig-Holstein, um seinen Plan, die Gewinnung Norwegens,
gegen Dänemark durchzusetzen, während Bülow sich von dem Oberbefehl des
Kronprinzen losmachte um die westlichen Provinzen Preußens, das alte, treue
Westfalen und Ostfriesland, wieder in Besitz zu nehmen und später von dort
Siehe S. 523.