Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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den  heutigen  zusammengedrängt!  In  seiner  nächsten  Umgebung  konnte  er
flüstern  hören:  „So  ist  er  anch  aus  Rußland  gegangen!“  —  —

Das  Corps  Bertrands,  welches  bereits  am  18.  Oktober  morgens  zur  Besetzung
  der  Saaleübergänge  nach  Weißenfels  vorausgesandt  worden  war,“
marschierte  am  20.  von  Weißenfels  nach  Naumburg,  um  sich  des  wichtigen  Überganges
  bei  Kösen  zu  bemächtigen.  Es  fand  jedoch  diesen  Ubergang  bereits  von  den
Osterreichern  besetztt  —  es  waren  anfangs  nur  fünf  Kompanieen  von  Giulays
Corps.  Auch  Napoleon  überschätzte  die  Stärke  der  bei  Kösen  aufgestellten  Truppen
Ginlays  und  verzichtete  darauf,  hier  mit  Gewalt  durchzudringen.  Er  ließ  den
Ubergang  bei  Kösen  durch  das  Corps  Bertrands  beobachten  und  verließ  mit
der  Hauptmasse  des  Heeres  die  große  Straße,  um  über  Freiburg  an  der  Unstrut
auf  schwierigen  Seitenwegen  mittels  angestrengter  Märsche  Erfurt  zu  erreichen.

Während  das  französische  Heer  am  21.  Oktober  in  Freiburg  über  die  Unstrut
  ging,  traf  auch  York  von  Halle  her  mit  seinem  Corps  bei  Freiburg  ein.
Um  2  Uhr  entspann  sich  ein  Gefecht  bei  Freiburg,  welches  bald  ungemein
hartnäckig  wurde  und  bis  9  Uhr  abends  währte.  In  der  engen  Bucht  des  Unstrutgrundes
  drängte  sich  auf  den  steilen  und  aufgeweichten  Engwegen  die  Masse
des  französischen  Heeres  in  einem  verworrenen  Knäuel  nach  den  Ubergängen  der
Unstrut  hin,  die  hier  ein  ähnliches  Bild  bot,  wie  vor  einem  Jahre  die  Beresina.
Durch  sein  persönliches  Ansehen  stellte  der  Kaiser  Napoleon  in  einiger  Zeit  die
Ordnung  wieder  her  und,  da  der  größte  Teil  des  Heeres  bereits  vor  dem  Eintreffen
  Yorks  den  Fluß  überschritten  hatte,  so  gelang  es  ihm,  sich  mit  dem  Verluste
  von  18  Kanonen  und  1200  Gefangenen  aus  seiner  mißlichen  Lage  zu  ziehen.

Die  Verbündeten  hatten  jetzt  den  kürzesten  Weg  nach  Erfurt  vor  sich,
während  die  Franzosen  auf  zum  Teil  unwegsamen  Nebenstraßen  im  Bogen
dahinzogen.  Dennoch  beeilte  sich  Fürst  Schwarzenberg  keineswegs,  ihnen  zuvorzukommen;
  in  der  Besorgnis,  daß  Napoleon  bei  Erfurt  noch  eine  Schlacht
wagen  würde,  hemmte  er  vielmehr  absichtlich  die  Verfolgung.  Die  böhmische
Armee  stand  am  Tage  vor  dem  Gefecht  bei  Freiburg  noch  rechts  von  der  Elster
und  Pleiße;  die  Armee  Bennigsens  erhielt  sogar  einige  Tage  später  Befehl,
nach  der  Elbe  zurückzugehen,  um  eine  Vereinigung  der  französischen  Besatzungen
der  großen  Plätze  an  der  Elbe  —  Dresden,  Magdeburg  und  Hamburg  —  zu
verhindern;  der  Kronprinz  von  Schweden  zog  langsam  nach  Hannover,  um
Davonst  in  Hamburg  den  Rückzug  nach  Frankreich  abzuschneiden,  und  wandte
sich  dann  nach  Schleswig-Holstein,  um  seinen  Plan,  die  Gewinnung  Norwegens,
gegen  Dänemark  durchzusetzen,  während  Bülow  sich  von  dem  Oberbefehl  des
Kronprinzen  losmachte  um  die  westlichen  Provinzen  Preußens,  das  alte,  treue
Westfalen  und  Ostfriesland,  wieder  in  Besitz  zu  nehmen  und  später  von  dort

Siehe  S.  523.