Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

selner  26.  J.  D.  und  außerdem  die  25.  R.  D.  abgeben.  Ich  wiederhole
hier  gern  den  damals  gezollten  Dank  und  meine  ganz  besondere  An—
erkennung  für  die  unvergleichliche  Bravour  und  Pflichttreue  dieses  hervorragenden
  Armeekorps.  Der  Armee  verblieb  westlich  der  Argonnen  das
XVIII.  R.  R.  mit  seiner  21.  R.  D.  und  der  vom  VI.  A.  R.  abgegebenen
II.  J.  O.  Die  Argonnenkämpfe  mußten  zwar  aus  moralischen  Gründen
fortgesetzt  werden.  Im  übrigen  aber  wurden  die  Generalkommandos  und
die  Armee-Abteilung  v.  Strantz  angewiesen,  den  Truppen=  und  Munttionsmangel
  durch  verstärkten  Stellungsbau  auszugleichen.

Inmitten  von  Stellungs=  und  Iazarettbesuchen  fiel  ein  Lichtblick  in
die  sorgenvollen  Zerbsttage.  Nach  nur  zehntäglger  Belagerung  erfolgte
am  9.  Oktober  der  Fall  von  Antwerpen  —  ein  operativ  und  politisch
gleich  wichtiges  Zreignis.  Die  frei  gewordenen  Belagerungstruppen  und
vier  der  neuen,  in  der  Seimat  gebildeten  Jugendkorps  bewegten  sich  gen
Ilandern,  um  dort  die  neue  4.  Armee  unter  Gerzog  Albrecht  von  Württemberg
  zu  bilden.  Bydlich  schienen  somit  Kräfte  zur  Wegnahme  der  belgischen
RKanalhäfen  Ostende  und  Jeebrügge  vorhanden,  die  als  Stützpunbte  zur
Bedrohung  und  Unterbindung  des  englischen  Schiffsverkehrs  dienen  konnten.
Die  neue  4.  Armee  selbst  trat  am  17.  Obtober  den  Vormarsch  gegen  den
Vser-Abschnitt  an.  Jetzt  galt  es,  den  feindlichen  Flügel  doch  noch  zu  umfassen
  oder  wenigstens  die  eigene  sichere  Anlehnung  an  das  Meer  zu
gewinnen.  Die  ö.  Armee  hatte  den  Angriff  zu  unterstützen  und  ging  auf
Béthune  und  näördlich  vor.

Erster  Angriffsentwurf  auf  Verdun.

Die  ungeahnten  Erfolge  unserer  schwersten  Artillerie  gegen  die  Forts
und  Werke  von  Antwerpen,  die  wie  Küttich  gleich  Rartenhäusern  einfielen,
lenkten  unsere  Aufmerksamkeit  der  Frage  zu,  ob  auch  das  verhaßte  Derdun
auf  ähnlichem  Wege  zu  Fall  gebracht  werden  konnte.  Auch  die  O.  S.  K.
entsandte  einen  Generalstabsoffizier,  den  blugen  und  hervorragenden
Artilleristen  Major  Bauer,  der  an  der  NRonstrukbtion  der  42-cm-IMörse#
beteiligt  war,  zu  vorläufigen  Besprechungen  in  mein  Armee-Oberkommando.
  Die  abgekürzten  Festungsangrisse  auf  Lüttich,  Namur,
Maubeuge,  Antwerpen  eröffneten  neue  Gesichtspunbte  für  diese  Art
des  Rrieges,  so  daß  auch  bei  une  vorsorglich  der  für  Munitions—

104