Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LXIV. Band. (64)

ummer  20

Ler  deutsche  Luftangriff
-  auf  Calais.
WTB.  Bern,  21.  1.  Lyoner  Blätter  melden
  aus  Calais:  Amelehten  Freitag  überflogen
mehrere  deutsche  Flugzeuge  Calais.  Sie  konnten
  trotz  heftiger  Flugabwehr  eine  große  Anzohl
  Bomben  abwerfen,  die  ziemlich  bedeutenden
  Sachschaden  amichteten.  Mehrere
  Personen  wurden  getötet.  ,

der  Luftangtiff  auf  Paris.

*  Paris,  31.  1.  (Agence  Havas.)  Vier
feindliche  Gelgade  überflogen  unsere  Linien
nördlich  von  Compiegne  und  erreichten  Paris.
Sie  flogen  wegen  des  llaren  Himmels  sehr
hoch  und  näherten  sich  so  dem  Bezirk  Paris
von  Osten  her,  wobei  sie  nacheinander  Bomben
auf  verschiedene  Gemeinden  der  Pariser  Bam- 



meile  abwarfen.  Hierauf  überflogen  sie  Paris

hauptsächlich  auf  dem  rechten  Ufer,  wo  sie  in
einigen  Augenblicken  nahezu  ihre  sämtlichen
Bomben  abwarfen.  Sie  vernichteten  dabei
ziemlich  viele  Menschenleben,  besonders  Frauen
und  Kinder.  Zwei  Hospitäler  wurden  getroffen
  und  mehrere  Gebäude  durch  Brände
beschädigt.  Die  Zahl  der  Getlöteten  beträgt
  20,  die  der  Verwundeten  50.  Mehrere
Kämpfe  wurden  nördlich  der  Hauptstadt  geliefert.
  Dabei  wurde  ein  deutsches  Flugzeug
abgescho'sen,  dessen  Insassen  gefangen.  Ein  franzE#sisches
  Flugzeug  mußte  landen;  beide  Insassen
  wurden  verwundet.  Ein  spälerer  Bericht
wmird  die  Zahlen  unserer  Verluste  angeben.

*  Paris,  31.  1.  (Havas.)  Amtlich.  Die
Zahl  der  Verluste  infolge  des  Luftangriffes  am
Mittwoch  ist  jetzt  belannt.  Sechsun  ddreißig
  Tote,  darunter  22  in  Paris,  14  in  der
nächslen  Umgebung,  ferner  190  Verwundete,
davon  114  in  Paris,  76  in  der  nächsten  Umgebung
  waren  zum  Opfer  gesallen,  darunter
eine  große  Anzahl  Frauen  und  Kinder.  Drei
Hospitäler  wurden  ron  Vomben  getroffen,  in
einem  derselben  brach  ein  Brand  aus.  Der
Alarm  murde  sogleich  in  der  gewöhnlichen
Weise  geschlagen.  Der  Rettungodienst  trat  mit
bemerkene  werter  Schnelligkeit  in  Tätigkeit.  Es
und  insgesamt  etwa  60  unserer  Flugzeuge
ausgestiegen,  wovon  etma  30  beständig  in  der
Lufst  blieben.  In  wenigen  Minuten  hatten  sich
die  Verteidigungsgeschwader  mit  einer  Patrouille
  vereint,  die  vor  dem  Alarm  über  Paris
kreuzte.  .

Allgemuaegoomätieq.
Eine  Anleihe  des  Vatilans?

s  Von  der  Schweizer  Grenze,  1.  2
Der  rõmische  Berichterstatter  der  „Niĩfociated
Preß“  meldet,  daß  der  Vatikan  durch  Vermitilung
  eines  internationalen  Finanzkonsor
liums  eine  groste  Anleihe  aufzunehmen
gedenke,  die  bei  den  Katholiken  der  ganzen
Menschheit  zur  Zeichnung  aufgelegt  werde.  Die
Finanzlage  des  Vatikans  habe  sich  infolge  der
slorlen  Ausfälle  der  Eingänge  aus  Bolgien,
Franlreich,  den  Verejnigten  Staaten  u.  Oesterreich
  außerordentlich  verschlechtert,  die  Ausgaben
  für  dae  Liebeshilsewerk  seien  dagegen  infolge
  des  Krieges  gewallig  gewachsen.

Frankreich  und  Elsaß-Lothringen.
.  Die  „Basler  Nachrichten“  schreiben  in  Nr.  32:
.Wenn  Frankreich  behauptet,  daß  die  ellässische
Frage  für  die  Franzosen  eine  Frage  des  Re..
für  die  Deutschen  eizze  Frage  der  Macht  sei.  widersoricht
  es  der  Geschichte.  Eine  Zeillang,  nach

70.  gab  es  einen  Standpunkt,  von  dem  aus
Frankreich  die  Rückgabe  des  Elsaß  unter  Beru-Lng
  auf  einen  Rechtsarundsatz  fordern  konnte.
Solange  nämllich,  als  es  bei  der  Mehrzahl  der  elsässer
  den  Wunsch  nach  der  Rückkehr  voraussetzen
durfte.  Der  Widerstand  gegen  das  Plebißit  beweist,
  daß  diese  Voraussetzung  bei  Frankreich
nicht  mehr  besteht.  Die  Franzosen  berufen  sich
serner  auf  das  Selbstbestimmungsrecht  der  Völker,
  das  1870  dem  geltenden  Recht  nicht  angehört
hat.  Die  französische  Regierung  hat  sich  darauf
stets  nur  berusen,  wenn  es  zugunsten  der  eigenen
Macht  oder  auf  Kosten  der  fremden  geschehen
konnte.  Und  gerade  im  Jahre  1870  stand  Frankreich
  im  Begriff,  diesem  Grundsatz  ganz  besonders
  flagrant  ins  Gesicht  zu  schlagen,  denn  der
Sinn  Krieges  von  1870  war  für  Frankreich
die  Gewinnung  des  „linken  Rheinukers“,  d.  h
von  urdeutschem  Voden.  Die  Eroberung  des
Elsasses  durch  Deutschland  war  tatsächlich  keine
Annerion,  sondern  eine  „Desanner#ion“.  Das
Elsaß  war  eine  deutsche  Irredenta;  wenn
Deutschland  sie,  ohne  erst  die  Beoölkerung  zu  be-Heragen,
  zurückverlangte,  so  handelte  es  nach  demselben
  Grundsatz,  der  Frankreich  in  diesem  Krieg
[Italien,  Rumänien,  Griechenland  als  Bundesgenossen
  zugeführt  hat,  nach  dem  Grundsatz  nämlich,
  als  landeszugehörig  anzusehen,  was  ethnoohisch,

  geographisch  und  historisch  zum  Lande

ö#rt.  Das  ganze  Elsaß  hat  rund  800  Jahre
Deutschland  gehört,  von  Lothringen  ein  Teil  ein
Jahrhundert  weniger,  der  andere,  größere,  ein
Jahrhundert  mehr.  In  ihnen  hat  bis  zur  Nevotion,
  auch  amtlich,  die  deutsche  Sprache  geherrscht;
  erst  die  freiheitbringende  Revolution
hat  die  Länder  durch  das  Sprachgesetz  von  1790
auch  sprachlich  vergewaltigt;  mit  Erfolg  nur,
soweit  die  amtliche  Macht  sich  erstreckte;  der
Großteil  der  Bevölkerung  sprach  auch  nach  1870

 

Nasensifen  A#####

zelen  sich  auf  den  Standpunkt  stellen,  dab  die

Gewinnung  der  „Seele  des  Elsasses“  durch  ihre
Ueberlegenheit  Frankreich  ein  Recht  gab,  die
Länder  trotz  der  unrechtmäßigen  Erwerbung  zu
behalten,  so  wird  man  den  Deutschen  das  H#echt
nicht  abstreiten  können,  die  Probe  aufs  Erempel
zu  machen  und  sich  durch  den  Augenschein  Je  berzeugen,
  ob  die  Elsässer  nicht  ein  zweites  Mal  umzustimmen
  sind.  Der  Versuch  ist  gemacht  worden
und  scheint  geglückt  zu  sein:  Frankreich  selbst  will
es  auf  das  Plebiszit  nicht  mehr  ankommen  lassen.
„Trügerisch“  nannte  Pichon  neulich  dieses  gepriesene
  Werkzeug  der  französischen  und  der  kommenden
  Menschheits-Politik!  In  der  Tat  dürfte
sich  Frankreich  einigermabßen  durch  das  Plebiszit
betrogen  sehen.“

hof-  und  Personaluachrichten.

München,  1.  Februar.
Ministervortrag.  Der  König  hat  heute
vormittag  den  Kriegsminister  Generalleutnant

von  Hellingrath  zum  Vortrag  empfangen.

Münchener  Neuigkeilen.
*  München,  2.  Februar.

BVrennstoffspende  des  Königs.  Die
Vrennstoffe,  die  der  König  auch  heuer  wieder
armen  Einwohnern  der  Staot  München  spendet
je  1  Zentner  Kohle  und  2  Rahmen  Holz

kwerden  den  von  der  Polizeidirektion  vorgeschlagenen
  bedürftigen  Personen  durch  Fuhrwerke
  des  Hofmarstalls  zugefahren.  Die  zur
unentgeltlichen  Verteilung  bestimmten  Menge
von  rund  1000  Zentnern  Kohlen  wurde  der
Hofverwaltung  auf  Rechnung  des  Königs  durch
den  Reichskommissar  für  die  Kohlenverteilung
ohne  Anrechnung  auf  die  Stadt  zugeteilte  Liesermenge
  eigens  zu  dem  besagten  Zwecke  zugewiesen.
  Die  Abgabe  der  Kohlen  an  die  Armen
  erfolgt  gegen  Ablieferung  gültiger  Kohlenmarken.
  Die  arken  müssen  von  der  Hofverwaltung
  der  Ortekohlenstelle  eingesandt  werden.
  Der  Hof  i#t  in  Bezug  auf  Zuteilung
und  Belieferung  mit  Kohlen  den  gleichen  Einschränkungen
  unterworken  wie  jede  Privatperson
  und  jede  Behörde  und  daher  selbstverständlich
  auperstande,  aus  seinem  eigenen  beschränklen
  Anteil  irgendwelche  Mengen,  sei  es  an  das
eigene  Personal,  sei  es  an  Dritle,  abzugeben.
(Bersonalien.  Der  langjährige  frühere
Chefredakteur  der  München-Angeburg.  Abendzeitung,
  Kajetan  Freund,  verläßt  am  1.  Febr.
#einen  bisherigen  Wirkungskreis  bei  diesem
Blatte.  um  in  den  Redaktionsverband  der
Münchener  Jeitung  einzutreten.  An  die  ilelle
des  Herrn  Freund  tritt  der  Schriftsteller  Dr.
Philipp  Funk.  der  vorber  im  Presseamt  bei
der  deutschen  Verwaltung  in  Velgien  und  Rumänien
  tätig  war.

as  7.  und  8.  Opfer  des  Schleißheimer

  Zugsunglücks.  Feldkurat  Wilh.
Weber  aus  Landshut,  der  mit  dem  AUnglückszug
  zu  einer  Konferenz  der  Lamettseelsorge
nach  München  fahren  wollte,  ist  den  bei  dem
Brandunglück  erlittenen  Verletzungen  heute
Nacht  erlegen.  Als  Z.  Opser  ist  die  52  Jahre
alte  Gütlerofrau  Marie  Weiß  von  Eglhausen
gestorben.

Bayerische  Nachrichten.

Beim  Holzziehen  verunglückte  in  der
Nähe  von  Reichenau  bei  Landshut  der  Häusler
Höpfl,  Vater  von  sechs  Kindern.  Die  Bremovorrichtung
  am  Schlitten  riß  und  Höp#l  wurde
an  einen  Baum  geschleudert,  sodaß  der  Tod  alsbald
  eintrat.

Todessturz.  In  der  Vetillodterstraße  in
Nürnberg  stürzte  am  1.  Februar  ein  verheir.
Privatier  aus  der  Höhe  des  2.  Stockwerkes
ab  und  erlitt  einen  schweren  Schädelbruch,  an
dessen  Folgen  er  alsbald  starb.

Die  alte  Unsitte,  Petroleum  ins  offene
  Feuer  zu  schülten,  forderte  in  Passau  zwei
Opfer.  Ein  25  jähriges  Mädchen  wollte  mit
Petroleum  Fener  anmachen.  Die  Petroleumkanne
  exrplodierte,  und  setzte  die  Kleider  der  am
Herde  stehenden  Mutter  und  Tochter  in  Brand.
Während  die  Tochter  mit  schweren  Verletzungen
  davonkam,  erlag  die  Mutter  im  Krankenhaus
  den  erlittenen  Verlehungen.

Spurlos  verschwunden  ist  seit  dem
letzten  Hochwasser  das  21  jährige  Dienstmädchen
Lina  Oelschlegel  in  Nordhalben.  Man  glaubt,
daß  das  Mädchen  ein  Opfer  des  Hochwassers
geworden  ist.

Die  alte  Geschichte.  Eine  76  Jahre  alte
Frau  in  Ludwigshasen,  die  ledige  Margaretha
Acharfenberger,  #enaktt  Petroleum  zum  Feueranmachen.
  Die  Kanne  mit  dem  Petroleum  erplodierte
  und  die  alte  Frau  erlitt  derartige
Verletzungen,  daß  sie  bald  darauf  verschied.

Grenzlande.
Rafstein,  1.  2.  Unglückefall.  Am
Mittwoch  abend  kam  in  einem  hies.  Gasthaus
ein  kleiner  Knabe  der  krennenden  Petroleumlampe
  zu  nahe.  Diese  flürzte  um  und  explodierte.
  Während  der  Bub  merkwüroigerweise
unverletzt  blieb,  erlitten  die  Wirlin  und  ein
mit  am  Tische  sitzendes  jüngeres  Mädchen
Brandwunden  an  den  Händen  und  im  Gesicht.
Kufstein,  1.  2.  Der  Bierpreis  ist  nun

 

 

 

 

 

bräu  Flücklich  auf  1  Kr.  50  Heller  für  den
Liter  angelangt.  Zuvor  kostete  bekanntlich  der
Liler  dieses  Tünnbiers  1  Kr.  20  Heller."

Bayerisches  MWerland.

Vom  Sammerberg,  31.  1.  Beerdigung.
Am  Donnerstag  fand  in  Steinlirchen  am  Sammerberg
  die  Beerdigung  des  auf  so  tragische
Weise  aus  Leben  geschiedenen  37
Jahre  alten  Bauern  Christoph  Auer  von  Hinterschweiber
  statt.  Der  Verstorbene,  der  nach
2  jähriger  Kriegstätigkeit  mit  einer  gröheren
Verwundung  in  die  Heimat  zurückkehrte,  verunglückte
  am  Montag,  den  14.  Januar,  beim  Fällen
  einer  Buche.  Er  geriet  mit  einem  Fuße  unler
  die  Buche,  wobei  ihm  der  Unterschenkel
zeischmettert  wurde.  In  dieser  qualvollen  Lage
mußte  er  5  Stunden  zubringen,  bis  er  befreit
werden  konnte.  Nach  zweimaliger  Amputation
des  Fußes  ist  er  von  seinem  13  tägigen  qualvollen
  Leiden  erlöst  worden.  Die  vielen  Leidtragenden,
  welche  sich  bei  der  Beerdigung  und
dem  1.  Seelengottesdienste  eingesunden  haben,
gaben  Zeugnis  von  der  Wertschätzung  des
Mannes.  Die  Kirche  vermochte  kaum  die  vielen
  Gläubigen  zu  bergen.  Der  Verstorbene  hinterläßt
  eine  in  tiefe  Trauer  versetzte  Witwe
und  drei  unmündige  Kinder.  ÖHH.  Kooperator
Ludwig  Reich  von  Törwang  hob  in  seiner
Trauerrede  seine  guten  Eigenschafien  hervor  und
spendete  Worte  des  Trostes  für  die  Himwerbliebenen.
  Möge  ihm  die  Erde  leicht  sein?.

Trostberg.  21.  1.  Unsall.  Ein  2  jähriger
Knabe  in  Wäschhausen  bei  Heiliglreuz  kroch
zwischen  zwei  Bretterzäunen  hindurch.  Die  Bretterlagen
  stürzten  ein  und  begruben  das  Kind.

Kolbermoor,  31.  1.  Haussuchung.  Bei
einem  hier  wohnhaften,  jeit  einiger  Zeit  in
Urlaub  weilenden  Vaterlandsverteidiger,  welcher
sich  des  Wilderns  verdächtig  machte,  wurde
vor  einigen  Tagen  von  der  hies.  Gendarmerie
eine  Haussuchung  vorgenommen,  wobei  u.  a.  2
weidgerecht  ausgezogene  Nebdekn  nebst  2  Reblöpfen
  und  etwa  ein  Viertelzentner  Rehfleisch
vorgesunden  wurden.

Bad  Aibling,  1.  2.  Besitzwechsel.  Die
Villa  Reischl  in  der  Mangsallau  hier  Ut  Eigentum
  von  Fr.  A.  Steinbeißer  in  Kolbermoor
geworden.  *

Sachsenkam,  31.  1.  Mit  knapper  Not
dem  Toode  entronnen  sind  gestern  drei  11.
jährige  Jungen  von  hier.  Dieselben  begaben  sich
mit  ihren  Rodelschlitten  in  den  nahen  Müllerweiher
  und  unterhielten  sich  munter  auf  dem
Eise:  zmei  von  ihnen  kamen  auf  eine  dünne
Stelle  und  brachen  plötzlich  durch.  Der  dritte
wollte  ihnen  seinen  Schlitten  zur  Rettung  zuführen
  und  brach  ebenfalls  durch.  Der  #Oswaldbauer
  Stefan  Demmel  eilte  sosort  herbei
und  brachte  ihnen  eine  lange  Stange  zu  Hilse,
an  der  sich  zwei  anklammerten,  während  der  dritle.
  Max  Gast,  unterging,  sein  Bruder  Albert,  der
ebenfalls  herbeilam.  kletrerte  auf  der  Stange  zur
Stelle,  zog  denselben  in  dem  Momemt  heraus.
als  das  Wasser  ihn  wieder  an  die  Oberfläche
brachte.  Die  sosortigen  Wiederbelebungsver
suche  waren  von  Erfolg.

Miesbach,  31.  1.  Zuchthengste-Körung
  und  Prämiierung.  Am  Mittwoch
vorm.  10  Uhr  nahm  die  Körkommission  unter
Vorsitz  des  Oberkreistierarztes  Schwarzmeir  am
oberen  Marktplatz  dahier  die  Körung  und
Prämiierung  der  Privat-Zuchthengste  im  Bezirk
Miesbach  vor.  Herr  Bürgermeister  Seb.  Maiwolf
  von  Bayrischzell  führte  einen  prächtigen,
lichibraunen,  sechsjährigen  Oberländerhengst  vor,
der  allgemeine  Bewunderung  erweckte,  angekört
wurde,  und  eine  hohe  Prämie  zuerkannt  erhielt.
Ferner  wurden  vorgeführt  der  dunkelbraune
fünfjährige  Oberländerhengit  der  Schlierseer
Pferdezuchtgenossenschaft  (ebenfalls  angekört)
und  der  vierzehnjährige  Oberländerhengst  des
Herrn  Pürgermeisters  Alois  Steingraber  von
Irschenberg  (angekört  und  mit  250  Mark  prämüert).
  Dann  führte  Herr  Schloßgutsbesitzer
Hermann  von  Wallenburg  zwei  dreisährige
wertvolle  Traberzuchthengste  vor,  die  ebenfalls
angesört  wurden.  -

Barrischzell,  31.  1.  Bauplatzverlauf.
Landesproduktenhändler  Sandri  dabier  kaufte
vom  Arzt  von  Mengertshausen  an  der  neuen
Landstraße  in  der  Steffelkirchpoint  nächst  der
Pfarrkirche  25  Dezimal  Baugrund  um  4000
Mark.  Verbriefung  hat  stattgefunden.  Herr
Sandri  erbaut  auf  seinem  neuerworbenen
Grund  ein  schönes  Geschäftshaus.  Den  Bau  dieses
  neuen  Gobäudes  haben  Jimmermeister  Neu
von  Rechthal  und  Baumeister  Lendaro  von
Miesbach  übernommen.

Lokalnachrichten.

Rosenheim,  2.  Februar.
Unterbringung  von  Stadtkindern

auf  dem  Lande.  ·
Das  im  Jahre  1917  ausgeführte  vaterländische
  Unternehmen,  erholungsbedürftigen  Kindern
  aus  den  großen  Städten  und  Industriebezirken
  Bayerns  die  Wohltat  eines  längeren
Aufenthaltes  auf  dem  Lande  zu  verschaffen,
war  von  den  schönsten  Erfolgen  begleitet.  Mehr
als  46  000  bayerische  Kinder  konnten  unent.
geltlich  in  ländlichen  Familien  untergebracht
werden;  auherdem  wurde  einer  großen  Zahl

 

 

 

Sonntag,  3.  Sebruckr  1918
Industriegebiet,  aus  Thüringen  und  Sachsen
gastfreundliche  Antnahme  gewährt.  Gestärkt  an
Kraft  und  Geiundheit  konnten  de  Kinder
nach  Hause  zurückkehren.

Unserer  opferwilligen  Landbevöllerung  und
allen,  die  das  Zustandelommen  und  die  Durchsührung
  des  Werkes  unermüdlich  und  selbftlos
gefördert  haben,  gebührt  der  besondere  Dank
des  Vaterlandes.

Die  Fortdauer  der  Ernährungsschwierigleiten
in  den  großen  Städten  rechtfertigt  den  dringenden
  Wuntsch,  auch  in  diesem  Jahre  möglichtt  zahlreiche
  Kinder  aus  Bayern  und,  soweit  möglich,
auch  wieder  aus  dem  lheinischen  Industriegebiet
  und  dem  Königreiche  Sachsen  aufs  Land
zu  bringen.  Wenn  sich  die  Verhaltnisse  auf  dem
Lande  gegen  das  Vorjahr  auch  verschlechtert  haben,
  so  sind  sie  doch  für  die  Kinder  aus  großen
Städten  noch  erheblich  besser,  als  in  ihren
Wohnorten,  da  zu  der  immer  noch  kräftigeren
Ernährung  auf  dem  Lande  die  Möglichleit
lonnnt,  sich  ausgiebig  in  gefunder,  frischer
Lust  zu  bewegen.  -

Das  Staatsministerium  des  Innern  hat  deshalb
  mit  Entschließung  vom  23.  Januar  1918
die  Kreieregierungen  beauftragt,  die  Einleitungen
  für  die  Aufnahme  von  Stadikindern  auf
dem  Lande  für  dieses  Jahr  alsbald  zu  treffen.
im  Vertrauen  auf  die  vaterländische  Gesinmung,
welche  die  Landbevölkerung  im  vorigen  Jahre  so
lerrorragend  bewiesen  hat  und  in  der  Hoff#-nung,
  daß  sich  die  Einrichtungen  der  privaten
Wotliatigtleii  und  alle  Freunde  der  Jugend
wiederum  in  den  Dienst  dieser  für  oie  Erbaltung
  unserer  Volkskraft  so  wichligen  Sache
stellen  und  daß  auch  die  beteiligten  Städte  das
Unternebmen  wie  im  Vorjahre  m  ihren  Mitteln
  unternüden  uerden.  Das  Werk  soll  auch
heuer  ein  folchso  der  sreiwiltigen  Liebeslärigleit
  sein.

·

Todeofall.  Landpostbote  Jotef  Koch  K.
heute  mittag  gestorben.  Mit  ihm  ist  eine  meit
und  breit  bekann:e  und  belieb:e  Persönlichkeir
aus  dem  Leben  geschieden.  30  Jahre  lang  brachte
er  unferer  Landbevöllerung  in  treuester  Ausubung
  seines  Berufes  Freud  und  Leid  has  Haus.
Seit  1914  pemioniert,  stellte  er  sich  während  de
Krieges  als  Depeschenbote  zur  Verfügung,  um
auf  solche  Art  auch  feinen  Teil  im  Diente  fur
das  Vaterland  beizutragen.  Koch  ist  Veteran  des
Krieges  1270  71.  Zwei  seiner  Söhne  stehen  im
Felde.  Eine  Tochter  fu  Schwester  in  sinem  Mloster
  in  Amerika.  Möge  dem  allzeit  Pflichtgetreuen
die  Erde  leicht  sein!“  «

Deuticher  Frauenderein  vom  Ro—
ten  Kreuz  für  die  Kolonien  (Abtreilung
  Rosenheim).  Am  30.  Januar  tagse
im  Hotel  „Deutscher  Kaiser"  die  Hauptverlammlung
  unter  dem  Vorfine  von  Freifrau  v.
Schadn.  Der  Tagesordnung  entsprechend  wurde
  zunächst  über  Vereinsangelegenheiten  in  Bezug
  auf  koloniale  Interessen  Bericht  erstattet.
  Erfreulicherweise  lonn:e  mie  gefeilt  werden.
daß  die  Mitgliederzahl  von  120  im  Vorjahre
nur  auf  114  zurückgegangen  ist.  Dadurch  int
dem  Verein  moglich,  seine  vielen  Aufgaben  zu
ersüllen,  wie  bisher.  Diese  sind:  Die  Unterhallung
  und  Fortfuhrung  des  baner.  Prinzessin-Rupprecht-Heims
  in  Südwestafrika  für  deutsche
Frauen  und  Kinder,  das  muttergültig,  trog
aller  Schwierigleiten,  von  der  Oberschwester  geleitet
  wird.  Außerdem  ersordern  oie  seinerzeit
gegründeten  Kranlenanstalten  in  den  Kolonien
erbebliche  Mitrel.  Durch  den  Krieg  veranlaktt,
ist  es  eine  belondere  Ausgabe  für  den  Vercin.
den  ausogsernden  Krantenschwestern,  die  ühreang
  im  Tropengebiet  ihrem  schweren  Beruf
nachgegangen  sind,  bei  ihrer  Heimkehr  einc  gesunde
  Unterkunft  zu  gewähren.  Weiterhin  liege
es  dem  Vereine  ob.  von  internierten  kolonialdeutschen
  Kindern,  die  über  neutrale  Länder
nach  Deutschland  geschicki  wurden,  zu  verpflegen
  und  zu  erziehen.  Ferner  sind  es  die  armen
deutschen  Frauen  und  Kinder,  oie  jenzt  aus
Afrika  ausgeliefert  werden,  und  zum  Teil  Ha#b
und  Gut  verloren  haben,  denen  geholfen  werden
  muß.  Diese  vielen  Anforderungen  an  unsern
  Verein  bestätigen  die  Notreendigkeit  einer
grofen  Mitgliederzahl.  Im  Anschluß  hieran
murde  sodann  von  der  Vorsitzenden  Bericht  erstatiet
  über  die  Kriegearbeil,  welche  der  Verein
  im  Auftrage  des  Ortssammelkomitees  vom

soten  Kreuz  auch  im  abgelaufenen  Kriegsjahr

  leistete.  Das  Sammelergebnis  ist  wieder
ein  sehr  günfliges  und  nur  möglich  durch  die
vielen  Mithelfer  und  freundlichen  Spender.  Zo
brachte  die  Opfertagrammlung  im  August  4000
Mark  ein.  Der  am  Opfertag  veranitaltete
Konzert-  und  Theaterabend  ergab  den  Reingewinn
  von  400  Marl,  welcher  der  Sammelitelle
zugemiesen  wurde.  Für  die  Weihnachtssammlung
  fürs  Feld  im  Duzemder  sind  im  nanzen
3000  Mark  gespendet  worden.  Des  weileren
wurden  in  der  Zeit  vom  1.  Januar  1917  bis
1.  Januar  1918  von  der  Ortssammelstelle  ins
Feld  und  in  Lazaratte  Waren  im  Gesamtwerte
von  2500  Mark  abgesendet.  Aus  diesem  Gesamtergebnis
  von  nahezu  10  000  Mark  ergibt
sich,  daß  auch  im  abgelaufenen  Jahre  die  Ortssammelstelle
  im  Rathaus  erfreuliche  Resultate
erzielt  hat,  wobei  noch  besonders  bemerkt  wird,
daß  diese  Arbeit  neben  der  eigentlichen  kolonialen
  Tätigiet  lediglich  für  den  Schwesternverein
  des  Roten  Kreuzes  im  Inland  auesge
sührt  wird.  L.  v.  .

Postlagernde  Sendungen.  Tie  mit

—