Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1900. (27)

MB9.  1183

Der  Auftrag  muß  auch,  falls  der  Auftraggeber  nicht  selbst  nachweislich  der  Eigen—
thümer  der  Waaren  ist,  den  letzteren  ersehen  lassen  und  den  Nachweis  enthalten,  daß  und
in  welcher  Weise  der  Eigenthümer  dem  Auftraggeber  das  Verfügungsrecht  über  die  Waaren
eingeräumt  hat.

Der  Auftrag  ist  als  Beilage  zum  Geschäftsregister  aufzubewahren  und  bei  Visitationen
vorzulegen.

2.  Die  Auktionatoren  dürfen  bei  ihren  Versteigerungen  weder  in  eigener  Person  noch
durch  Dritte  Waaren  ersteigern.

3.  Die  Versteigerung  von  Lebens  und  Genußmitteln,  sowie  von  neuen  (ungebrauchten)
Waaren  ist  nur  mit  schriftlicher  (Genehmigung  der  Ortspolizeibehörde  zulässig.  Die  Genehmigung,
  welche  in  München  für  Lebens  und  Genußmittel  dem  Magistrate,  für  sonstige
Waaren  der  k.  Polizeidirektion  zusteht,  darf  unter  sorgfältiger  Berücksichtigung  der  Bedürfnisse
des  Publikums  nur  für  solche  Lebens=  und  Genußmittel  ertheilt  werden,  welche  auf  den
Wochen=  (Viktualien-)  Märkten  verkauft  zu  werden  pflegen  (sog.  marktgängige  Waaren)  und
völlig  unverdorben  und  unverfälscht  sind.  Bei  sonstigen  Waaren  darf  die  Genehmigung  zur
Versteigerung  nur  daun  erfolgen,  wenn  ganz  besondere  dies  rechtfertigende  Verhältnisse  vorliegen
  und  nachgewiesen  sind,  so  bei  Versteigerung  von  Gegenständen  aus  einem  Konkurse,
einem  Nachlasse,  bei  den  ortsüblichen  Versteigerungen  von  Waaren  im  Großen  (Wein-,  Obst-Auktionen),
  dann  bei  der  herkömmlichen  Art  der  Versteigerung  von  Gegenständen  der  bildenden
Kunst,  von  Antiquitäten,  Münzen,  ganzen  Kunstsammlungen,  wobei  jedoch  jede  Umgehung
der  Bestimmungen  des  §  56c  Abs.  1  der  Gewerbeordnung  ausgeschlossen  bleiben  muß.

Die  auf  Grund  gesetzlicher  Bestimmungen  vorzunehmenden  öffentlichen  Versteigerungen,
bei  welchen  nur  öffentlich  angestellte  Versteigerer  in  Frage  kommen  (vergl.  §  383  Abs.  3
des  Bürgerlichen  Gesetzbuches),  fallen  selbstoerständlich  nicht  unter  vorstehende  Vorschriften.

4.  Im  Geschäftsregister  (Ziff.  3  der  Bekanntmachung  vom  18.  Dezember  1883)  ist
unter  lit.  A0—h  über  die  Art  und  Menge  der  Waaren,  sowie  deren  Herkunft  und  Werth
unter  genauer  Angabe  der  Firma,  bezw.  des  Namens,  Standes,  Wohnortes  und  der  Wohnung
des  Auftraggebers  und  eventuell  Eigenthümers  (vergl.  Ziff.  1)  Vortrag  zu  machen;  in  lit.
ist  zu  bemerken,  welcher  Erlös  einschließlich  eines  etwa  nach  den  Verkaufsbedingungen
erhobenen  Aufschlages  für  die  Waaren  erzielt,  dann  wann  und  in  welcher  Höhe  der  Erlös
an  den  Auftraggeber  ausgehändigt  wurde.

5.  Die  Fabrikbezeichnung  der  Waaren  (Firmenzeichen,  Schutzmarken  u.  s.  w.)  darf
nicht  entfernt  oder  unkenntlich  gemacht  werden.

6.  Von  jeder  Versteigerung  hat  der  Anktionator  mindestens  3  Tage  vorher  der  Ortspolizeibehörde,
  in  München  bei  Lebens=  und  Genußmitteln  dem  Magistrate,  bei  den  übrigen