34 I. Grundbegriffe des allgemeinen Staatsrechtes,
Aristokratie dagegen nur ein bestimmter Stand, welchem das ganze
übrige Volk als gehorchende Masse gegenübersteht.
Im Alterthume, wie im Mittelalter, hat die aristokratische
Staatsform vielfach gegolten. Wie das jonische Athen der prägnanteste
Ausdruck der Demokratie, so war Sparta der Grundtypus
dorisch-aristokratischer Staatsform. Der siegreiche Stamm der Spartiaten
war hier der allein herrschende, welchem die alten besiegten
Ureinwohner, Lacedämonier, Periöken als Unterthanen gehorchten.
Auch Kreta, Karthago, und vor allem die altrömische Patricierverfassung
bieten Beispiele aristokratischer Republiken. Im Mittelalter
erscheinen die deutschen Städte, bis zu den demokratischen Umgestaltungen
im 14. und 15. Jahrhundert, als Aristokratien der Geschlechter.
Die vollendetste Aristokratie ist Venedigs streng geordnete
Adelsherrschaft. Aber keine aristokratische Republik hat sich
bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts behaupten können, die Aristokratien
sind sämmtlich entweder der wachsenden Macht der Fürsten
oder dem demokratischen Volksgeiste der Neuzeit erlegen. Alle
gegenwärtigen Republiken, auch die drei kleinen deutschen Städterepubliken,
sind im staatsrechtlichen Sinne Demokratien.
§ 22.
3) Die Monarchie. (Einl. S. 190—195.)
Monarchie ist überall da vorhanden, wo eine einzelne physische
Person an der Spitze des Staates steht und aus eigenem selbständigem
Rechte Träger oder Organ der Staatsgewalt ist. Auf diese
Selbständigkeit des Rechtes kommt es vor allem an, nicht auf
den Umfang der Befugnisse. Ein republikanischer Magistrat, z. B.
ein Konsul, Präsident, kann sehr umfassende Befugnisse haben,
aber er übt sie im Auftrage, als Beamter, nicht aus eigenem Rechte.
Während in der Republik, am umfassendsten in der Demokratie, in
beschränkterem Maasse in der Aristokratie, die an der Herrschaft
theilnehmenden Personen in andrer Beziehung doch wieder als Regierte
erscheinen, ist der Monarch nur Herrscher, nie Unterthan,
nur Regent, nie Regierter. Jede staatsrechtliche Unterordnung des
Monarchen unter einen andern Staatskörper würde das Wesen der
Monarchie zerstören. Die monarchische Staatsform hat zu allen
Zeiten die allgemeinste Verbreitung gefunden. Darum bietet sie in
ihrer geschichtlichen Entwickelung auch die grösste Mannigfaltigkeit.
Je nach der Art und Weise, wie in einem Staate die Person des
Monarchen bestimmt wird, unterscheidet man die Erbmonarchie,