Grosbritannien. (August 16.) 329
durch Frankreich übermittelt wurde, und das Telegramm der russischen
Regierung, das über die russische Botschaft in London eintraf, sowie das
Begleitschreiben mit mehreren Aufklärungen hätten in dem ganzen Konflikt
die Hauptrolle gespielt und gäben jetzt Anlaß zu allerlei Vermutungen.
Das Verhalten des Premierministers im Fall Henderson erscheint in recht
zweideutigem Lichte durch die Erklärungen Kerenskis und Terestschenkos, die es
öffentlich in Abrede gestellt haben, derartige Berichte an dic engl. Regierung gesandt
zu haben. Man hat geradezu die Behauptung aufgestellt, daß das von
dem Premierminister erwähnte Telegramm Kerenskis bestellte Arbeit gewesen
sei und von dem engl. Botschafter in Petersburg Buchanan hergerührt habe.
„Daily News“ erklären, es handle sich bei dem ganzen Vorgchen Lloyd
Georges um eine unerhörte, bis jetzt noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärte
Intrige. Henderson als patriotischer Mann habe vor dem Unterhause
nicht alle Gründe darlegen wollen, die ihn zu seiner Haltung veranlaßt
hätten.
16. Aug. (Unterhaus.) Lloyd George über die allgem. Lage.
Auf Ersuchen des Abg. Kennedy Jones, einen Ueberblick über die
allgemeine Lage zu geben, legt Premierminister Lloyd George zunächst
eingehend die Lebensmittellage dar, wobei er zu dem Schluß kommt, daß
bei vernünftiger Sparsamkeit keine Möglichkeit zur Aushungerung der engl
Bevölkerung bestehe. Sodann geht er auf die durch den U. Bootkrieg
geschaffene Lage ein, wobei er ausführt: Die Deutschen waren sehr geschäftig,
für ihre eigenen Zwecke, für sehr durchsichtige Zwecke, Feststellungen
und Ziffern über die Vernichtungen durch U. Boote zu verbreiten. Sie haben
sie in ihrem eigenen Lande verbreitet, sie haben sie in Oesterreich verbreitet
und in neutralen Ländern, selbst in Ländern, die uns verbündet sind. Sie
tun das in ihrem Lande, um ihr eigenes Volk aufzumuntern. Es ist kein
Zweifel, daß sie sehr bestimmt versprochen haben, bis zum August würde
der U. Bootkrieg solche Verwüstungen unter unserer Handelsschiffahrt anrichten,
daß England, wie sie sich ausdrücken, aus dem Kriege ausgeschaltet
wäre. Ein bestimmtes Versprechen in diesem Sinne ist im Reichstag gegeben
worden. Jetzt entdecken sie, daß das nicht wahr ist, und es macht sich
dementsprechend ein Gefühl der Entmutigung bemerkbar in ihrem eigenen
Lande, und dieses hat sich über die anderen Länder ausgebreitet. Jetzt
sind die Deutschen dabei, Ziffern aufzustellen, die sie auf die Autorität
ihres Admiralstabes hin amtliche nennen. Sie verbreiten diese Ziffern
überall in Deutschland, überall in Oesterreich, Ziffern über Verluste, die
der britischen Schiffahrt zugefügt worden seien. Der Grund dafür in ihrem
eigenen Lande ist ganz klar, ebenso ihre Absicht in anderen Ländern.
Zweifellos ist der Druck des Krieges auf ihre Bevölkerung sehr stark, und
der Druck ist stark auf die mit Deutschland verbündeten Völker, und sie
wollen eine Art Ueberzeugung schaffen, daß in sehr kurzer Zeit der unserer
Handelsmarine zugefügte Schaden so groß werde, daß wir nicht viel länger
durchhalten können, und sobald Großbritannien aus dem Kriege ausgeschaltet
würde, so meinen sie, würde die ganze Allianz zusammenstürzen.
Ich möchte dem Hause ein Anzahl von Ziffern mitteilen. Der uneingeschränkte
U.Bootkrieg hat im Febr. begonnen. Es liegt ein ungeheurer
Vorteil für den Angreifer darin, daß er auf ein Schiff schießen
kann, ohne irgendwelche Fragen nach seiner Flagge oder Ladung gestellt
zu haben. Wenn sie auf alles, was auf der Oberfläche erscheint, einen
Torpedo abfeuern, dann ist ihre Aussicht, der Schiffstonnage Schaden zuzufügen,
jedensalls doppelt so groß, als wenn sie warten und erwägen
müssen, ob es sich um ein amerik. oder ein holländ. Schiff oder vielleicht