Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

 

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Nummer  59

Bauerischer  Landlug.
*  München,  6.  März.

Kultus-Haushalk.
Dr  Beratung  ging  weiter  bei  den

Zuhchushn
zu  den  gewerblichen  Fachschulen  5W  ’

den  Fortbridungsschulen.  Jin  Lause
Debatte  wurden  dabei  von  dem  Nedner  der  #entrums
  und  der  Sozialdem=  kraten  auch  prinipielle
Forderungen  vertreten.  So  belonte  der  Alg.  Dr.
Wohlmuth  (Z.)  daß  seine  Partei  auch  den  grö#-ten
  Wert  auf  die  religibs  siuttliche  Ertielmg  auch
der  den  Fortbildunge  schulen  lege.  Redner  ging
un  einzelnen  näher  auf  die  be  absichtigt.  u  Neforimen
  in  Bezug  auf  das

ein  und  verkrat  die  Aussaffung.  daß  die  Berufe#-sortbildungsschule
  in  der  Hauptsache  für  dir
größeren  Gemeinden,  di:  Valksfortliüldungsschule

  für  die  lleineren  in  Vetracht  lemme,  wobei
Ausnahmen  in  der  Verüidsichligung  gewerblicher

Interessen  denlbar  scien.  Weiter  betonte  er.  daß
seime  Partei  auch  heute  noch  Anhänger  der  aurs
lagsfortbüdungsschule  sei.  Abg.  Profft  (Soz.)
vertrat  verschiedene  Wünsche  bensichllich  des  #

ichen  Fachschulen,  befurworkete  die  Errichlung
  von  Handwerker  Mitrelschulen  und  verlangte,
  daß  bei  den  Forlbildungsschulen  das
Schwergewicht  auf  die  beruflicte  Seite  und  nicht
die  religisse  Erziebung  gelegt  werde.  Die  geistliche
  Schulaussicht  bei  den  Fortbildungeschulen
Will  er  ausgeschaltet  wissen.

Ku  linsminister  von  Knillk  angmei  ut.
daß  wegen  der  Handwerkertnirkelf  chulen  in  den
beteiligten  Kreisen  selbst  noch  keine  endgültige
Klärung  beehe.  zu  Poffen  sei.  daß  hald  verschiedene
  Schulhäuser  wieder  ihrer  eigenilihen
Besimmung  zurücgegeben  werden  lönnen.  Das
Fortbildungsse-  ulwelsen  Pat  nicht  nur  unter:  !“%-licher
  Wirksarnkeit  zu  dienen,  es  obliegen  inm  euch
erzi#eherische  Aufgaben,  die  er  nach  den  Grund.
seten  einer  religiös  sittlichen  Erziehung  zu  lösen
zat.  Für  Fortbitdungsschusen.  die  nichts  wesent.
lich  anderes  leisten,  als  die  Volkeschelen,  ist  unter
den  neuen  Beitunin  rungen  kein  Ranm.  Die  Verufsfortbildung
  schule  darẽ  nicht  gegründet  wer
den,  um  der  Vollsfortlildungsichule  aus  dem
Wege  zu  gehen.  Wenn  die  neuen  Benin  imungen
über  das  Fortbiltungeschulwesen  Leden  geir  innen
sollen,  wird  mil  gan  anderen  Tuicht  eissen  zu
rechnen  sein.  An  dein  Wernagsum  ecr  di  an  den
Fortbilrungsünten  #ni  aln.  Regel  feiigraanen
werden,  auf  die  örtlichen  und  landwi  5*  üchen
Verhältucsse  soll  Rillicht  genommen  werden.
Würde  man  es  nur  bei  der  Sonntage  schme  belasten
  wollen,  darn  küne  tatiechlich  bei  der  neuen

 

       
 

 

 
 
  

Volkefortbi#d  #ull  nur  eine  bessere  Tonntagsschule
  heraus.  Das  Kaepür!  würde  *
bewilligt.

Daraufhin  fo#lgle  das  Kabitel  Lehrer-KollFsulme-



ini  Kriege  ervor,
»  mavphtbshn
ketiemmesnssidicjemisn,1reI’-nut(-I«

die  Wichligkeit  der  sorgfön  igen  Heranbildung
emes  tüchtigen  Lehrerandes  und  trat  nachdrück
lich  dofür  ein,  daß  an  den  hewelten  Fundamentalsähzen
  einer  reiigiss  sl#tin#ien  und  vaterländibildungsunsslten

  ungd
seun.  Abg.
Leslungen
erbat  weit

Worueschcisen  (.  .  ber  die
der  Lehr  74
T

 
  

   

schen  Erzienung  der  Jugend  richt  gerütteit  werde.

Abg.  Walz  (r.  B  helan  V#½  jich  ale  ichalls
als  ein  Freund  der  Konfessinnenn
Einhriteschule  ab  und  sprach  die  ruarin-  ig  aus
daß  das  kammende  Lelrergesetz  die  vinlichte
Gleichstellung  der  Lauriehrer  mit  den  Stadtlehrern
  bringe.

  

½
Nachsessico#.n  des  Landtags.

Die  Staatsregierung  hat  cm  Donnerstug  im
Neltestenrat  der  Abgeordnetenkanimer  Mittei—
lungen  über  die  geschäftliche  Beadimg  der  dem.
Landtag  noch  oblieenden  Arbeiten  gemacht.  In

S’  le9  R.
Denn  jede  Rede  ersche'ut  eitcl  und  ulch'ig.
Sovald  die  Tat  ihr  nicht  vachdruck  gibl.
Wer  belen  bann,  ilt  lelig  dren,
Swel  Lebenalkützen  brechen  nie,
Mebel  und  Arbell  heiken  sie.

Noman
Jt  ½n

4½
Ss  dem  L##  br-  u  S#en:
Da  wurde  seine  Nufmerssam-=  eit  auf  eine  junge
Dame  gelenkt,  mit  hellem  Teint,  schlanken,  bielesmen
  und  doch  er  l#en  Formen  und  von  au-  .
esen#ster  El-ganz.  #ie  mußte  in  der  Welt  etwas
  vorstellen,  daß  ie  sie  begleklenden  Perdie
  zu  den  martante'ten  Persönlichkeien
  der  italienischen  Volonie  zählten,  vermocht
so  früh  auftzultehen,  um  sie  zur  Bahn  zu
ehrere  Personen  waren  an  sie  herongetreten
  und  hütten  sich  lieige:  ißend  vor  ihr
verbengt.  Ein  Iherer  Bean##er  ging  dienübeflislen
  auf  sie  zu  und  vertänd:  ———  der
Jug  in  wenigen  Minuten  sich  in  Bewe  aung
#  werde.  Sie  nahm  von  denen,  die  sie  umgan,
  in  lie  benswsirdigter  Weise  Abschied  und
befkieg  den  näch'lftelenden  Waggon.  Einen  Augenbisck
  späler  sah  sie  in  der  Fensterecke  Balmer
hegenüber.  Ein  Pfi'i  und  der  Zug  fuhr  ab.
s  waren  nur  wenige  Personen  verstreut  im
ben  Waggen  anwesend  und  Valmer  war  mit
e  schsnen  Unbekannten  allein.  E  beobachtete

Jortbildung  schulwesjen,

 

 

irl  ie  die

 

Aosenhelmer  Anzelgen

der  laufenden  Session  sollen  noch  die  Etats  erledigt
  werden,  dazu  Gesetze  über  die  Ausgleichsund
  Tilgungsfonds  bei  den  Staatseisenbahnen  u.
osten,  über  Beschränkung  der  Fideilommisiionsbeildung,

  über  den  prolestantischen  Pfründestiftungsverband

  in  der  Pfalz,  über  die  Verlängerung
  des  Landkages  und  der  Militäretat  für
1918,  serner  eine  Vorlage  über  Beteiligung  des
barerischen  Staa#s  am  Banernwerk  und  die
Erhanung  der  Lokalbahnen  bei  Lenggries.  Dazu

kommen  noch  wertere  Vorlagen,  namentlich  das

Dehrergesetz,  Kinderzulagenversicherung,  Aenderung
  der  Gehaltsordnung,  Aenderung  des  Gülerzertrünmerungegesetzec.
  Gesetz  über  Bauplazumlegung.
  Aenderung  der  Reichsralskammer,  der
Geinemdcordnung,  des  Distriltsrats  und  Ver—
waltungsgerichtsliofgesetzes;  endlich  wird  den

Landtag  die  Aenderung  der  Geschäftsordnung

und  das  buswandentsshärt.  zungsgesetzes  #  beschäfligen
  haben.  Zrr  Erle  digung  dieser  Vorlagen

  muh  im  nächsten  #e#er  eine  Rachsession

stattfinden.

Die  Sommerzeit
im  Kriegewirtschaft  ausschuß.
Jum  Antrag  Nauch  u.  Gen.,  die  Staateregie.
rung  zu  ersuchen,  im  BVunderrat  e  noch  einmal
mit  allem  Nachdrude  dahin  31  wirlken,  daß  bie
brabsichtigte  Cimührung  der  Sommerzeit  unterbleibe.
  tellte  der  V.  orsit  en  i:„  daß  nach
giner  in  dieser  Skunde  cingegang
die  Einkührung  der  Sommenzeit  im  Vund'’erat
I  cl-nbfch-)«m  worden  sei.  Für  die  g
steller  zeg  sodann  A#b#3.  Rauch  den  Antrag  zurü
inden  er  lurz  auf  die  #4  veren  Vedenten  der
1%  idwirtschast  gegen  Sommetzziit  verwies.
Der  Regierungvert  reler  be#tätsgte  die  eben  eingetro
  fene  Niie  teilnn  J.  und  betonte.  daß  die
haner.  Saater#gierung  *  allem  Nachdruck  die
schweren  Vedenien  gellend  gemacht  habe,  die  gegen
  die  Wiederhomng  der  Vorverlegung  der
Slunden  aus  den  Kreifsen  der  landwirtschaftlichen
  wie  auch  der  stästischen  Vevöllerung  erhoben
wurrden.  Indes  seien  im  Bundesrat  nahezu
cinhellig  di:  für  dier  Sammerntn  #  sprechenden
Gründe  für  überwiegend  erachtet  maiden,  wie
denn  auch  die  meisten  feindlihen  u  d  neutralen
Staaten  bereits  die  kiseriruhtn  6  angeordnet
  halen.  Erreich:  sei  Werigstens,  daß  die  Sommerzeil
  nicht.  0-0  lant  #3:  war,  vom  1.  April
ris  30.  September.  sonder  iiu  nur  vom  15.  April
bis  16.  Seriember  gelten  wird.

Sanerssche  naWelchten.

Kir  chenräuber.  Eins
n  Augs  tura  in  d  #

 

  
  

 

 

  
 

  

 

kirchenräuber  wurde
U  vHs  Tagl  löhners  K.
von  Juhenau  durch  die  hiige  Krimianolize
  sen:  umen.  Er  wurd:  im  Beriz
einer  wertvollen  Monstranz  und  eines  Kesches
etronfen.  Diese  Gorgenl  ände  wül  er  in  einer
Kirch  in  Jahhenau  c.  twendet  haben.

Erplosion.  Im  Würzkurger  Vahnhof
sand  ein  Vedienneter  ein  jingerlange?  Röhr#en
ezwp,  isch  einen  F#n  derk.  das  er  besichligte.

us  erpio  eerte  das  Röhrchen  und  riß  dem
Rer##  eten  brei  Hingtr  der  rechten  Hund  sowie
einen  der  linten  weg.  Ci:  un  daneben  ehenden
Mame  verbrannte  der  Imalt  da:  Gesicht.

Zu  Tode  geschlon  deri  Beim  Oelen  der
Maschinen  wurde  der  ledige  Senn  Franz  Vildstein
  in  der  Sennerei  Gebr.  Jumier  in  Groolzieute
  (Allgäu)  von  der  Tranemission  ersabt
  und  an  die  Wand  geschlendert.  Als  man
nach  dem  Stülleten  des  Motors  nachsah,  war
der  Verunglickle  ein  eiche.

Tödlich  getrof'’en.  Beim  HolRchleifen
wurde  der  19  fährn  Baugehil'e  J''enh  Peier
in  Hoheneme  (###.##)  von  einem  Holʒitũck  so
schwer  getrosffen.  daß  er  den  dabei  erlittenen
Veriehnngen  erlag.

 
    

 

27½:

sie  aufmerksam  mit  all  der  Jurückhaltung,  welche
unter  diesen  Umnänden  geboten  war  und  zergliederte
  ihre  Schönheit.  Er  bewunderte  nach
und  nach  das  volle  schwarz:  Haar,  mit  dem
blänlichen  Schimmer,  die  große  en  schwarzen  Augen,
  den  weitzen  VBlick,  hie  Feinheit  des  blafsen,
  rosig  angehauchten  Teints,  die  Grazie  des
kleinen,  edelgesormien  Fuße:,  welcher  zeitwei-.
lig  den  Rand  des  dunkelblauen  Seidenlleides  bemegte.
  Ihm  war  es,  als  ob  die  Unbekannte
iln  ebenfalls  cine  bewußte,  und  wohlwalle  nge
Aumerksamleit  schenkte.  Mehrere  Male  hat
len  sich  ihre  Augen  begennet  und  waren  aneinander

  haften  geblieben,  rhne  an  ein  Ausweichen,
zu  deulen.

Bald  halle  scch  ein  Gespräch  entspomen.
Man  plauderte  guerk  vom  Weteer,  von  der  Sonne
  und  vom  Winter.  aber  laum  maren  diese
Vorpoctklengesechte  erichogft.  hatte  die  Unterhallung
  einen  so'  raschen  Verlauf  genommen,  daß,
nach  einer  halben  Stunde  Valmer  schon  manches
Wissenswerte  über  sein  reizendes  Gegenüber
wußte  oder  zu  erraten  geglaubt  hatle.  Er  hatie
ersahren,  daß  die  junge  Dame  Livia  Montecolli“
hieß,  die  Tochter  eines  italienischen  Evelmannes
  wäre,  dessen  Schloß  umveit  von  Salurn  lag,
daß  sie  von  dem  „L#rühmten“  Professor  und  Ersinder
  Harald  Valmer  und  seinen  geheimnisvollen
  Lakoratorien,  von  denen  die  ganze  Gegend
  mit  einer  gewissen  Scheu  spreche,  gehört
hale,  und  daß  sie  schon  mehrmals  Gelegenheit
hebabt  habe,  seine  Wirtin,  die  b'onde  Mia
von  Hohenfels,  zu  se  he  n,  welchet  jle  nichts  voriu.
wersen  habe,  als  eine  puritanische  Lebenssiß-—



Blutoe  gil-  Hlung.  Die  Landwirtseheleute
Johann  und  gurete  Muller  in  Peittatt  in

Oberfranken  aelahen  sich  gleichzeilly  beim
H#taolten  anscheinend  9:  —  an  der
Hind.  Vor  einigen  Tagen'  trat  jedoch  Blutver-#lua

  ein,  der  die  Frau  bercits  ertegen  it.  Dea
kann  hoft  man  relten  zu  könncn.

Vom  Zuge  überfahren.  Auf  der
Strecke  zwisch:  u  Nehlingo  und  Schlachters  (Lindau)
  wurde  die  schwerhörige  Agatha  Böhler,
Taglöbnerin  von  Reutin,  vom  Zuze  *mi
ren  und  sorort  getètet.  Se.  tbrtverschulden  liegt

vor.

Bagerisches  NMetlaud.
Beufels,  9.  3.  Die#tahl.  Ein  dem  Fabritarbeiler
  Jeseph  Witti  hier  gehöriger  Kichenschrank

  w.urde  erbrechen;  in  demselben  ausbewahrte
  Eßwaren,  ein  Spartassenb:  ich,  lautend
auf  mehrere  100  Mark,  und  ein  Geldbetrag  in
Papier  eignete  sich  der  Diek  an.
mnühldorf,  8.  3.  Getreide  in  der  Jauchegrube.
  Bei  Flor'sing  enldeckte  die  Gendarmerie
  bei  einer  Wt  mehr  als  zehn  Jentner
Cctreide  in  einer  Odelgrube

 

 

vachendorf,  8.  3.  Bur  ermeisterwahl.
  Vei  der  gestern  nachm.  Gieckanrns
Vürgermeisterwahl  wurde  der  Bauer  Joseph

Schroll  von  Hienstorf  gewählt.

Cotsisachrichten.
Rosenheim,  9.  Mäzz.
Ein  scharfer  Angriff  und  selne  Abwehr.

Zu  der  neuen  angeblichen  Rosenheimer  Skandaköngeleg
  zenheit,  über  die  die  „Münchener
Poll“  vorgestern  berichtete,  erhalten  wir  nachstehende
  Zuichtift:

Unter  der  sensationellen  Spitzmarke  „Ein

euer  Skandal“  bringt  die  „Münchener
Vone  eine  Zuschrift  aus  Rosenheim,  die  sich
mit  slädtischen  Angelegenheiten  befaßt.  Der  Verfasser
  des  Artikels  will  bei  Prüfung  der  Rechnung
  der  Volkeküche  „schamlosen  Wucher  u.
unverschämie  Schteberet  i.!  Gewürz#n“  entdeckt
haten.  Jur  Vegründung  dieser  Behauptungen
wird  angesülrrt,  daß  ich  alo  Verwalter  un
Rechnungssieiler  im  Segtn  ember  1916  einen  Ztr.
Kümmel,  25  Pfund  Pfesser  und  25  Pfund
Zimmt  für  die  Voll:  1%  einlaufte,  daß  ich
diese  Vorräte  zu  Wuerpreisen  jehzt  veräußert
habe,  daß  infor  heben  die  Volkslüche  mit
Ersatgewürpmittel  sich  behelren  müsse  und  dab
ich  am  Kümmel  1316  Prrzent,  am  Pfeffer  458
Prozent  und  am  Jimmt  363  Prozent  verdient
habe.  Der  Artikelschreiber  macht  mit  einer  das
gewohnte  Mah  übersteigenden  Pefidie  den  ganz
gewölmiichen  Versuch,  in  der  Oe  feuelichreit  drn
Eindruck  hervorzurufen,  daß  ich  mich  auf  Kosten
der  Allgemeinheit  bercichern  will  und  daß  ich
zu  diesem  Zuecke  unter  die  Wucherer  gegen.  gen
bin.  Indem  ich  das  Urteil  über  diesen  Ueberfall
  aus  dem  Hinterhatt,  zu  dem  übrigens  nicht
viel  Mut  gehört,  allen  gerecht  und  billig  Denlenden
  überkasse,  bemerke  ich  zur  Klärung  des
Sachverhalzes  folgendes:

Im  Herbste  1916,  als  die  allgemeine  Wirl-Gestelege,
  die  An  nahme  rechtferiigte,  daß  die
Schwierigkeilen  der  Lebenemitelver'orgung  und
damit  der  Besuch  der  Voiksküche  sich  steigern
würde,  habe  ich  in  vorsorgender  Weise  zur  Aufrech:
  terhallung  unseres  Stadtiüchenbetriebes  genügende
  Poiten  Gewürznengen  eingekaujt.  Da
nun  aber  der  Verbrauch  (insolge  Nichteintreffens
  des  im  Vorjahr  angenommenen  gröberen
Besuch  der  2  bollsüche)  nur  ein  geringer  und
die  Ware  auf  die  Dauer  nicht  haltbar  war
der  gemahlene  Meffer  begann  sich  bereits
knollen  so  mußte  cin  Teil  wegen  Gefal  n
des  Verderbens  verkauft  werden,  was  denn  auch

rung,  die  als  übertriebene  Prüderie  aufgesaßt
werden  müsse.  Dieser  Vorwurf  klang  im  Munde
  der  Ilalienerin  ganz  natürlich,  denn  lie  selbst
schien  sehr  heiteren  und  geselligen  Sinnes  zu
sein.  Balmer  war  sogar  ein  wenig  erstaunt,
wic  milteilsam  sie  einem  Unbekannten  Vegenüber
wrar.  Nach  einer  Konverlation  von  kaum  vierzig
Minuten  behandelte  sie  ihn  schon  wie  eine  alte

Bekanntschaft,  und  obgleich  weeder  in  ihren  Ma-1!
  nieren,  noch  in  ihrer  Sprache  etwas  zu  sinden

gewesen  wäre,  was  irgendwie  über  die  Grenzen
des  landläusigen  Anstandes  hinausgegangen  wä-I
  re,  so  mußte  sich  Balmer  doch  eingestehen,  daß  er
noch  nie  einer  Dame  von  Welt  begegnet  war,  die
so  schnell  und  so  gerne  bereit  schien,  seinen  eventuellen
  Annäherungsversuchen  alle  Hindernisse
aus  dem  Wege  zu  räumen.  Wemn  sie  ihn  in  dieser
  ersten  Stunde  ihrer  Begegnung  nicht  in  die
·  DetatlsIhrerCtnlcitzetnwc.l)tc,IokonntOck
dcchausqtossscnAndentungenIchltcltcmdafs
sie  weder  in  ihrem  einsamen  Leben  noch  in  den
Gesellschaftskreisen  ihres  Vaters  das  Glück  ge- 



sunden  hatte,  von  welchem  ein  Weib  wie  sie,  be

rechtigt  sei,  zu  träumen,  u.  daß  sie  sich  nach  die-%
  Glücke  mit  allen  Fibern  ihres  Herzens
sehr
Lioia  Montecolli  Wien
der  begehrenswertesten  Eroberungen  werden  zu
burg  londen  eine  Eroberung,  die  ein  Mann
arald  Balmer  mit  guten  w  l
Ereal  Aeiw  unlermhmen  konnte.  Seine  G#
dung:k  aft  begann  sich  Kechs  en.  Lidka  l
tecolli  sah  ihn  mitunker  einem  gemssen
Halblächeln  an,  in  weschem  er  glaubte,  so  etrdas

omit  nicht  nur  eine

 

sich!

Sonntag,  10.  4  1918

nach  RKück'prache  mit  der  Oeschaftsstelle  des
Kommnnalverbandes  g#schuh.  Day  d#  Volk#
##che.  mu  ohne  Gewülrz  sei  und  ssch  ch,  #  der
rtiresschreiber  behauptet,  mie  W  eln  behelfen
  müsse,  diese  Behauptung  ist  glatt  erfunen.
  Pfefferersat,  wie  überhaut  Ersanmiltel
  sind  nicht  vorhanden  und  ulemals  verwendet
  worden.  Der  Arti  delschreike  er  Meint  damit
  jedensalls  das  „Speisegewürz“"  welches  schon
in  Friedenezeiten  im  Hi#ndel  war,  in  Küchen
Verwendung  sand  und  auch  in  der  Voll#üche
nelben  anderen  Zulaten  benützt  wird.  Die  nech
vorhandenen  Vorräte  an  Pfesfer.  Zummt  un?
Kümmel  werden  den  vorauesichelichen  Bedarf
hinreichend  deden.  Ten  im  Cinernehmen  mit
der  Kommunalverbandgeschältoslele  sengesetzten
Verlaufspreisen  wurden  die  zmetzt  bekanntgemordenen
  Gewützvreise  de:  Bayeri-=schen
  Lebensmittelnelle  in  München
zugrunde  gelegt.  Unter  Iugrundelegung  der
von  der  gentralstelle  für  die  bayerischn  Kommiunalverdände
  seflgesetzten  Preise  habe  ich  für
die  Volksküche  den  Kümmel  um  17,  den  Pfesser
um  22,  den  Zimmt  um  12  Mar#“  pro  Pfund
in  Nosenbeim  verlaust.  Ich  hab:  damit  die
Ware  voc,  billiger  abgegeben,  als  sie  anderwei,
tig  erhältlich  war.  Daß  ich  persönlich  an
dem  Verkauf  des  Gewürzesselbstverst
  ändlick  nicht  einen  Heller  profitierte,
  dieses  braucheich  denlenden
Leuten  geyenüber  wohl  nicht  eigens
zu  betonen.  Der  ganze  Verkaufspreio,  also
dach  der  Gewinn  ist  restlos  in  die  von  mir
nicht  einmal  geführte  Voli-Küchenkasse  gefioll#en
und  kommt  somit  auoschließlich  der
ärmeren  Bevölkerung  in  Form  von
Gutsche  inen  wieder  zugute.  Ist  es  da
nicht  mehr  als  Jronie,  wenn  der  übeigens  recht
hübsch  warm  sitzende  Arlikelfabrikant  lich  unter
die  armen  Leute  mischt  und  Über  den  dielen  al.
lein  zulommenden  Gewinn  ensthaft  sich  entrüsten
  möchte?  Dem  Aukelschreiber  wäre  es
wohl  lieker  hewesen,  hälte  den  „Kriegegewinn“
nicht  die  Voiksküchenkasse,  sondern  ein  anderer
eingesteckt.  Hälte  ich  die  Ware  zum  alten  Ein-Iaufspreis
  veräußert,  so  würde  er  totsicher  geschrieben
  haben,  daß  ich  sie  um  einen  Spottpreis
  hergegeben  und  die  Stadtalse  schmählich
leirogen  habe.  Den  „neuen  Skandal“  auf  Kosten
  der  „armen  Leute“  hätte  ich  hören  mögen
Einen  weiteren  Vorwurf  macht  mir  der  Artikelschreiber
  daraus,  daß  ich  melne  Tochter  au:z
hulfsweise  an  Stelle  der  erkrankten  Kassierin  in
der  Vokksküche  beschäftige.  Als  um  Weihnachten
herum  die  Rasfsierin  erkrankte,  war  kein  geeigneter
  Ersatz  sogkeich  aup#ttreiben,  sodaß  meine
Tochter  auehilfswei  se  diese  Achb.i.en  übernahm.
  Zur  Veruhigung  möge  der  Skan
dalmann  wissen,  daß  der  Kassierinposten  in  ei.
nen  Kalsierin=  und  einen  Buchhalterinpcsten  geteilt
  wird,  wovon  ersterer  programmäßi!  am  15.
Februar  besetzt  wurde,  letzterer  am  15.  März  besetzt
  wird  und  daß  meine  Tochter  nie  daran
dachte,  den  „dankbaren'“  Posten  dauernd  zu  beeiden.
  nn  sie  für  ihre  Arbeit  den  gleichen
Lohn  —  und  keinen  Pfennig  mehr  —  wie  die  erkranlte
  Kassierin  erhielt,  so  kann  mir  darans
kein  billig  denkender  Mensch  einen  Vorwurf
machen;  es  genügt  wohl,  wenn  ich  meine  Neir
und  Gesundheit  den  ganzen  Tag  und  einen  Teil
der  Nacht  der  Allgemeinheit  unert  eeltlich  opfere,
um  mich  dafür  von  anonymen  Skandalmachern
binterher  mit  Dreck  bewersen  zu  lassen.  Wernoch
  büliger  machen  will,  der  isi  ale  Mitarbeiter
und  Leiter  der  Ballslüche  jederzeit  willkornmen.
Es  biebe  diesem  Skandalmachrr  zu  viel  Ehre
amnlun,  wollte  ich  auf  all  die  anderen  Anwürfe
kinzen  eingehen.  Wer  Pech  angreilt,  besudeli
Und  ich  weiß,  Golt  sei  Dank,  meimne  Hände

  rein!  Mein  Schüd  ilt  blank;  Drecsprit.  t  sõn- 



nen  es  nicht  besudeln.  Ich  habe  in  diesen  drei.
eindalb  Kriegejahren  nach  besten  Kräften  dem

wle  eine  stumme  Aufforderung  lesen  zu  lennen,
  mit  dem  die  Frauen  den  Mämem  zu  v
stehen  geben:  „Wag's  nur!“  Nichts  wäre  ihm
lieber  gewesen,  als  zu  wagem  aber  die  Zeit
schien  ihm  zu  kurz.  Wohl  hatte  sie  ihm  gesagt,
dah  sie  ebenfalls  nach  München  reise,  um  dort

nach  der  tödlichen  Langeweile  des  Landaufenthaltes

  auf  dem  vätlerlichen  Gute  Jerstreuung  zu
suchen,  doch  hatte  sie  hinzugefügt,  L  sie  bald

ihre  Reise  unlerbrechen  werde,  um  einer  besreun.

deten  Famikie  einen  Besuch  abzustatten.  Er
hatte  kaum  mehr  als  zwanzig  Minnten  vor  sich,
um  die  jGegemmart  dieses  Weibes  zu  geniehen,
für  die  En  Interesse  mit  jedem  Augenkblick

iwlyude  plötzlich  nachdenllich  und

„Ich  glaube,  dah  wir  zu  plaudern  aufgehört
haben,“  sagte  Livia  mil  *  halb  zutraulichen,
halb  spöttischen  Miene.

„Ich  plaudere  mit  mir  selbst,  meine  Gnädigste.
  Ich  sage  mi#,  daß  in  einer  Viertelstunde
  der  Matz,  auf  dei  Sie  sitzen,  leer  sein
wird,  und  daß  es  mir  schwerlich  gelingen  wird,
mich  darüber  zu  trösten.“

„Ich  habe  Slie  für  geistreicher  geh  nicn,“  sagte
ie  mit  einer  Nuance  von  Unmut:  was  Sie  Kr
agen,  ist  ein  nicht  sonderlich  omülsantes  Könpliment,
  quf  T  och  micht  gefa'#  war  und  das
mich  ausrchto  br

Und  wem  i#  nun  gein  Kompliment  seln

eI  “  erwierle  er,  und  setzle  hingu,  alle
Ees  I  Tire  u#  *  eine  2.  P