Volltext : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1902. (29)

„W  35.  347

Genehmigung  zur  sofortigen  Schlachtung  ertheilen  (S§  11  Abs.  3).  Er  darf  die  Fleischbeschau
  nur  dann  übernehmen,  wenn  leichte  Formen  von  Rothlauf  vorliegen  (8  30  Nr.  189).
In  derartigen  Fällen  sind  als  untauglich  zum  Genusse  für  Menschen  nur  die  veränderten
Theile  anzusehen;  der  übrige  Thierkörper  ist  bedingt  tauglich  (§  37  unter  III  Nr.  2);
Blut  und  Abfälle  sind  stets  zu  vernichten  (§  35  Nr.  11).

11.  Das  Nesselfieber.

Das  Nesselfieber  (Backsteinblattern)  ist  eine  besondere  leichte  Form  des  Rothlaufs  der
Schweine.  Die  Krankheit  beschränkt  sich  meist  nur  auf  eine  eigenthümliche  Bildung  von
Flecken  von  rundlicher  bis  viereckiger,  scharfbegrenzter  Gestalt  und  rother  bis  blaurother
Farbe,  welche  stets  etwas  über  die  Hautoberfläche  hervorragen  und  besonders  deutlich  bei
geschlachteten  gebrühten  Schweinen  zu  erkennen  sind.

Als  untauglich  zum  Genusse  für  Menschen  sind  nur  die  veränderten  Theile  anzusehen
(§  35  Nr.  10);  die  übrigen  Fleischtheile  sind  als  genußtauglich  zu  erklären  (vergl.  §  40),
sofern  nicht  ein  anderer  Beanstandungsgrund  vorliegt.

12.  Die  Schweineseuche.

Diese  Seuche  kommt  häufig  bei  den  Thieren  mit  der  Schweinepest  (vergl.  Nr.  13)
vergesellschaftet  vor.

An  Schweineseuche  leidende  lebende  Thiere  zeigen  Athembeschwerden  und  Husten.
Daneben  können  Schwäche,  verringerte  Freßlust,  wenig  hervortretende  Hautröthe  sowie  Verstopfung
vorhanden  sein.  Die  Krankheit  verläuft  indeß  häufig  ohne  auffällige  äußere  Erscheinungen.

Mit  Schweineseuche  behaftete  geschlachtete  Thiere  lassen  fast  regelmäßig  eine  Lungenund
  Brustfellentzündung  erkennen.  Der  kranke  Theil  der  Lungen  sieht  Anfangs  dunkelroth,
später  mehr  grauroth  aus,  fühlt  sich  derb  an,  und  in  dem  verdichteten  Gewebe  findet  man
scharf  umschriebene  gelbe  oder  auch  grauweiße  Herde.  Das  Lungen=  und  das  Brustfell  ist
meist  mit  entzündet,  trübe  und  mit  faserigen  bis  schwartigen  Auflagerungen  bedeckt;  die
Lungen  sind  mit  der  Brustwand  oft  verklebt.  Die  Lymphdrüsen  an  der  Lungenwurzel  sind
sehr  saftreich,  geschwollen  und  geröthet.  Am  Herzbeutel  sind  oft  Auflagerungen  oder  Bindegewebswucherungen
  vorhanden,  in  Folge  deren  es  zu  Verklebungen  und  Verwachsungen  des
Herzbeutels  mit  dem  Herzen  kommen  kann.

Wie  beim  Rothlaufe  (vergl.  Nr.  10)  darf  die  Schlachtung  nur  bedingungsweise  gestattet
werden  (§§  15,  11  Abs.  1,  Abs.  3).  Der  Polizeibehörde  ist  Anzeige  zu  erstatten  (§§  14,  32).
Die  Beurtheilung  des  Fleisches  bleibt  dem  Thierarzte  vorbehalten  (8  31).

13.  Die  Schweinepest.
Der  Erreger  der  Schweinepest  verursacht  schwere  Entzündungen  des  Verdauungsrohrs

und  Entzündungen  der  Haut.
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