Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1842. (19)

Nummer  120

Das  banerische  Königspaar  in
Larenburg.

Wien,  31.  Mui.  Heule  fruh  traf  das
baserison  Königspaar  zum  Besuch  bei  aiser
Karl  und  Kaiserin  Jita  auf,  Schloß  Laren
puis  ein  und  wurde  auf  dem  geschmückten  Bahn

LDof  von  den  kaiserlichen  Herrschaften  empfangen.
  Mitlags  sand  im  Schlosse  Frühflückstasel

slalt.
5.  —
HMchener  Neulskeilen.

ünchen.  1.  Juni-“
1  Unregelmäßigleiten  in  der  Mili
jYärschlüchterei.  BVBei  der  im  flädlischen
Schlachthose  beji  lolichen  Militärschlächierei  sind
der  Aorstand  und  der  technische  Leiter  eiust
weilen  ihrer  Dicuer  enthoben  worden,  da
entgegen  einem  Besell!  der  vorgesetzten  Stelle
1  ein  Bertrag  mil  einem  Händler  uber  Aleicch
lieserungen  ans  der  Standortichlächterei  abge
schlossen  uurde.  Untersuchung  il  eingeleitet.

3ah#erische  Nachrichter.

In  Rilla  Wahnsried  in  ayreutl  fand
am  20.  Mai  die  Tause  der  Tochter  des  Sieg
sried  Wagnerschen  Ellengares  flat!.  Das  Kind
erhiel!  den  Namen  Friedelinde.  Den  Tausalst.
vollzon  der  Praseit  des  hiesigen  Lehrersemi
nars.  Der  Feier  wohmic  u.  u.  umh  Frau  Co
sima  Wagner  an.
(Grüßlich  verunglückt.
Homburg  wurde  die  Vergmanmefran  Trautmann
durch  scheuende  Kune  unter  den  Wagen  ge
rissen,  wolei  sie  mit  dem  Nock  am  Rad  hängen
blieb  und  fortgeichleifl  muroe.  Der  Ungine
lichen  wurden  die  Haare  um  die  Achse  des  Wa
gens  gewiclell.  Die  jnnge  Frau  konnte  nur
noch  als  Lehe  vom  Nad  ualgemacht  werden.

Banerisches  Obersang.

Kicfersfelden,  1.  Juni.  Todessall.  In
Schössau  il  der  Kriegeleilnehmer  Martin
Kurz  gestorren.  Sr  war  ##n  Jalere  In1  zu
Beginn  des  Krieges  mit  dem  1.  Jäger  Vat.
ine  Feld  gezogen  und  wurde  schon  nach  14
Tagen  durch  einen  Sl##uß  in  die  rechte  Schulter
schwer  verwundel.  Nack  jeiner  Wiederlerflellung
ersolgle  seine  Aulustung  in  dise  eimai,  woa
er  nunmell  gesiorden  in,  betrauert  von  einer
Mutler  und  meoltteren  Geschwislern.

Cokalnachrichken.

Rosenheim,  1.
Die  Ludendorff-Spende.

l  Marschieret  all  in  Reih  und  Glied,

«  CinmmikrtuftIInchciL
Armuth-m  Zinn  nihhi  Feindermacht,
Hcut  gil:  der  Kumsf  dem  Leid.

Wenn  euch  der  Krieg  den  Säcel  füllt,

7  Kommt  vor  ins  erie  Glied

'  Und  gebt  von  curem  Ue  breflaß

1  lUnd  dem  (Geuissen  rie

Wenn  ilrr  die  Not  der  Krsezes  spürt,

Deult  an  den  ärmern  Mann,

"  Deim  Feinder'tall!  den  Leib  zerriß:

·  Das  Heimalbeer  tritt  an.

 

 

In  Höchen  bei

 

 

Juni.

Und  ob  guch  manchen  großen  Sieg

"  Leld  Ludendorif  Aromn,
"  Dder  schönme  in  der  Lieir  Sieg,
6  Erlämbeit  in  Monn  fur  Mann
lerleutnam  Dr.  Ednard  Herold.
%
Unter  dem  Numen  „Ludendorfflpenöc“

  wird  seil  einiger
sond:  gesammell.

Zeit  ein  National
der  den  H’nlerblichenen  unserer

  Kriieger  und  den  Kriegsbeschadigten  zu
gule  lommen  soll.  Cin  toniglicher  Erlaß.  den
wic  an  der  Spite  unseres  heuligen  Vlattes  veraligemeiner

  Unterüt
Mitlei
Königs.

ösffentlichen,  sordert  iu
zung  der  Spende  auf  und  gielt  daron
lung,  dasz  sich  das  ba  verische
paar  mit  ciner  Spende  don  50  00½0  Ml.
im  die  erste  Reihe  gestellt  hat.  Bayerns  ge
hebtes  Konigengur  hal  damit  wieder  einmal
lemem  Voll  cin  Beispiel  gegeben.  das  ohne
Zwet'el  vielfache  Nachalumung  fsinden  wird.
Es  gilt  die  heldeumutigen  Opfser  des  Krieges
zu  unterilutgen.  jenen  zu  belfen,  die  im  Kampse
um  die  Erhallung  des  Valerlande  Gesundheit
und  Arbeile  Krakt  verlor’'nladpen.  Nur  für  dus
Waterland  ?  Sind  i#  nicht  auch  vesallen  und
haben  sie  nichr  auch  neblutet  um  den  Fortbesland
  unseres  eigenen  vehben=  und  Besitzes?
Wie  stände  co  um  unsere  Häuser.  Felder  und
Wälder.  wenn  jen:  der  seindlichen  Eroberungsgier
  nicht  ihre  bluhenden  ir-###geschwellten  Leiher
  entgegengestemmt  hätten?  Muß  es  im
mer  wieder  gesagt  werden,  was  unfe#.  Feinde
mit  deutschem  Lande,  mit  dentschem  Hab  u.  Gut
beabsichtiglen?  Dabß#  Engiänder.  Frarzosen,
Russen.  Amerilane  r.  Italiener  und  das  übrige
Gesindel  aus  allen  Weltteilen  ihre  Naubpläne
nscht  ausfuhren  lonnten  und  daß  die  uns  zugedachten
  Schreen  in  Feindeslande  getragen
werden  konnten,  das  danken  wir  unseren  Feldgrauen,
  ror  allem  jenen,  die  ihre  Treue  zum
Vaterlande  und  zu  uns  mit  ihrem  Leben  und
Blut  besiegelt  haben.  Persönliche  Dankesschuld
  g#lt  es  also  vor  allem  zu  erstatten!

 

Rosenhelmer  Anzelger

Was  das  Reich  an  Renten  für  Hinterbliebene
  und  Kriegsbeschädigte  leistet,  reicht  nicht
aus,  um  die  sietig  steigenden  Lebensbedürsnisse
zu  bestreiten.  Da  muß  die  private  Mildtätigkeit
ennpringen.  Bayern  soll  zur  Ludenderff  pende
20  Millionen  Marl  aufbringen.  Eine  erllecliche
  Summe  wird  auch  von  Roseuheim  erwartet.
  Es  mird  also  demnächsl  wieder  an  das
vaterländische  Verständnis  und  die  Gabefrendigleit
  unserer  städtischen  Bevöllerung  Hrangetreten
  werden.  Am  kommenden  Montag  wird  im
lmisigen  Rathaus  unter  dem  Norfitz  von  Hrn.
Hofrat  Wust  über  die  Mittel  und  Wege  beraten,
  die  ein  möglichit  hohes  Ergebnis  der  Ludendorffipende
  in  Rosenheim  bringen  sollen.

Die  Hände  auf.  wenn  der  Nuf  erschallt!
Ludend:  orsf.  unser  Rationalheros,  rst  und  un—
ser  Königs  paat  hat  mil  seiner  fren  Spende
den  schönnen  Begieitton  gegelen!  .  M.

Au:-  Fzeichunng  en  im  Felde.  Dem  gemrüften
  EII  1#gl.  Gerichlsassinenten
  Franz  Joec  Herrman  beim  Amtsgerichte
  Noseule-  rün,  derzeit  verwendel  al?  Kreislassenrevisor
  im  Verccühe  des  Gdeneralgonvernement
  Warschau,  wurde  das  bayer.  Militlärvereien#treng
  2.  Klasse  mit  Schwerkern  am
VBamde  für  Kriegsverdieuft  verliehen.  Kanonier
  Haus  Holzbauer  wurde  mit  dem  Eisernen
Kreuz  2.  Klasse  ausgereihnet.  Bei  den  schwereu
  Kämpien  am  Kemmelbe  ers  wurde  er  vermundet.
  Unterofsiier  Gearg  Lin  in  einem
baver.  Lost.  Im.-Rgl.,  langsätriger  Buchhaller
  der  biesigen  Miaschineufabril  Beilhad,  murde
für  ei  ie  BVerdienite  mil  dem  WMilitärverdienit
treu  u.  Klasse  mit  Krone  ung  Schwerltern  aus—
gegzeichnet.

Beförderung.  Der  Gefreite  Johann
Gabler  wurde  zum  Unteroffisier  besördert.  Voriges
  Zahr  wurde  er  mil  dem  Visernen  Kreuz
2.  Klasse  auege  seichuet.  Ghabler  i#n  ein  Sohn
der  Maurer:  mitue  Josesa  Gahler  in  Kuglimoos
und  ein  langjahriger  Arbeiler  der  Firma  Vernriedrr.
  Her  Maschinenprallilant  Franz  Kon
rad,  Sohn  des  Maichinensahrilamen  Franz
Kontad  in  Rosenheim,  welcher  seit  11,  Jahren
bei  einem  Matrosenregiment  dient  und  bereits
mit  dem  Eiiernen  Kre  T—  2.  Klasie  ausgereichnet
worden  inl,  murde  l##  Ofsi#iers  Aipirant  zum
WW--  befordert.

4  Der  Fleischverlauf  vollzog  sich  Beute
zum  eriten  Male  nach  dem  Syitem  der  Kun
denlilte.  An  der  Aunelerei  scheint  sich  jedoch
nicht  viel  geändert  zu  haben,  wenn  es  auch
schien,  daß  vor  dem  einen  oder  anderen  Metz
gerladen  der  Andrang  weniger  stlark  wie  bisher
  war.  Vielleicht  liegt  das  auch  an  der  „Macht
der  Gemohnl#it.  Betrachte#  ngen  über  den  Wert
oder  Unwert  des  neuen  Snstems  an  useslenn
i#l  nicht  angängig;:  dazu  mußlen  erst  Erfah

rungen  aus  der  Praris  gesammelt  werden.

Ge  mälde  Ausstellung.  Bei  der  Firma
Giell  hat  in  diesen  Tagen  Friedrich  Hermann
Lechner,  ein  Künftler  aus  den  Rosenkeimer  Ver-Zen,
  eine  lreine  Auswahl  von  Oel  und  Aqua--rellbildern
  uurgesielltl.  Der  Maler  und  Radierer,
  woelcher  schon  mit  gutem  Erfolge  in  verschiedenen
  bayrischen  Städten  jeine  Arbeiten
sehen  ließ,  zeigt  diesmal  vore#ugoweise  Früuh#-lingebilder
  uns  umierer  engsten  Leimat.  Da
slehl  an  der  Mauer  eines  Hauses  ein  We  eichsel.
banm,  schneeweiß,  in  volliter  Blüte;

  

 

 

 

im  Hinlergrund
  eine  sonnenbeschienene  Fruklingslandschafl,
  in  der  Ferne.  das  Kirchlein  von  Greinbach
  schimmernd.  Ein  anderes  Bild  zeigt  ein
ganz  sunges  n—t  Apfelbäumchen  unter
einem  dunlleu,  li:  ueletten  Gewitlerhimmel:  ein
drittes  das  :.  und  seine  Berge  von  der
Hijier  ans  en.  Unter  dem  Titel  „Gewitler
im  Mail  selnn  wir  die  Höhen  des  Samerbergs
in  Aluten-  ucht  his  hinaus  zum  Chiemee;  ein
voruberiehender  Gewitter  umslort  gerade  das
salte  Grün.  einmei  der  Oelbilder  führen  und
ino  Franlenland  und  r*’  den  Main  mi  it  seinen
sanften  Hugeln  bei  Ms  ile  Ge.
mälde  caelia  nus  sofort  dui  ihre  prsievolle,
cigenartige  Auffassung  und  ihre  leuchtenden  Farhen,
  die  urch  den  Gegeniatz  noch  besonders  wirlungsvoll
  hervortreten.  Wer  sich  ein  solches
Bild  in  seine  Stube  hängt,  der  zaubert  eine
Frühlingellimmung  hinein,  die  ihn  mit  ihrer
frohen  Kraft  für  den  Lebenslamf  zu  iärkenvermag.
  Bedanerlich  ist,  daß  der  Künftler  nicht
auch  cinige  seiner  CTaraltervollen  Arbeilen  auf
dem  Gelliet  der  Porträtmalerei  und  des  Fi—
gurlichen  zur  Aersügung  geistellt  hat.  Möge
Hermann  Lechner,  der  nun  im  Feindesland  die
grauenvollen  Bilder  des  Krieges  schaut,  bald
beim  Klang  der  Friedensgloken  heimkehren  zu
Weilt#0  Kind  in  sein  Iklischeo  Heim  am
(Samerberg.  und  und  dann  in  „seinen“  Tönen
das  Lied  Sieges  singen.

Eine  n  Handgranatensparhüchsen,
  die  bei  den  Ooserta  gen  für  die
banerischen  Soldalenheime  in  unserer  Geschäftsslelle
  bestelll  wurden,  lirgen  dort  zur  Abholung
hereil.

Abgabe  von  getragenen  Anzügen.
Auf  die  in  heutiger  Nummer  des  „Rosenheimer
Anzeiger“  veröffentlichte  Bekanntmachung  von
der  Geschäftostelle  des  Kommunal-Verbandes
Rosenheim--Land  machen  wir  die  Leser  aufmerksam.


Sicherung  der  Beerenernte.  Auf
Grund  des  §  15  der  Ministerialb  lanntmochung
über  Gemüse  und  Obst  vom  15.  Mai  1917  wird
bestimmt,  daß  das  Abmähen,  Herausreißen

 

 

 

 

oder  sonstige  Beleitigen  rion  Beerensträuchern,
owie  das  gewerbsmäßige  Pflücken  von  Beerenblättern
  mit  Auenahme  der  Brombeerblätter
vor  Beendigung  der  Beerenernte  verboten  ist.
Zuwiderhandlungen  werden  mit  Gefängnis  bis
##u  6  Monaten  oder  mit  Geldstrase  bis  zu  1500
Aart  bestraft.  Die  Anordnung  trilt  sofort  in
Kraft.

Berschiedene  Nachrichtes.

Der  Kriegsanleihe-Kuß.  Unsere
österreichischen  Bundeegenossen  sind  uns  in  der
Werbung  für  die  Kriegsanleihen  entschieden
über.  Für  Tonnerctag.  den  23.  Mai,  mittags,
war  an  die  Wiener  eine  Einladung  zu  einer  Versammlung
  auf  der  Terasse  des  Kursalons  im
Startpari  zu  einer  Preisverleilung  ergangen.
Das  Komite:  batte  den  Neugierigen  vorher
  rechtzeitig  rurch  große  Inserate  in  den
Blättern  belannigegeben,  daß  rt  belannleste
  Operetlenkenor  Wiens,  Herr  Hubert
Marischla  vom  Theater  an  der  Wien,  jener  Dame.
  Veiche  das  größte  Opser  für  die  8.  Kriegsanleihe
  bringe,  seierlichst  einen  Kuß  verabreichen
werde.  Das  wird  eine  nette  Hetz  für  die  Wiener
  Kriegsgewinnler  bzw.  ihre  Damen  gewesen
sein.

 

«  8  Millionen  Spanier  erkrankt.
Nach  einer  Havasnneldung.  sind  bisher  etwa  8
Millionen  Menschen  in  Spanien  an  der  Cpi-Der
  König  ist  noch  bettlägerig.

Lege  Ancrichtes.

NReue  Fortscheitte  an  der  ganzen  Angeiffssront
  —  Neuerdings  mehrere  Tausend
  Gefangene.

WTB.  Großes  Hauptquartier,  den
6.  Amtlich.  (Drahtb.)
Westlicher  Kriegsschauplatz.
Kronprinz  Ruxprecht

Vielfacht  as:  siebender  Artilleriekampf.
liche  Angrisse  des  Feindes
terten.

demie  erkrankt.

 

Oert
südlich  Dpern  schei

Deutscher  Kronprinz.

Südlich  der  Oise,  südlich  von  Chaunn  warsen
  die  Truppen  der  Generale  Hoffmann  und
v.  Francois  den  Feind  aus  starken  Stellungen
bei  Cutse  und  südlich  von  Blerancourt.

Auf  dem  Norduser  der  Ais#  stießen  wir  in
bestigen  Teillämpfen  lei  Nouvron  Fentenoy
vor.  Verzweifelte  Gegenangriffe  führte  der
Franzose  mit  frise  den  auf  Bahn  und  Kraftwagen
herangebrachten  Divisionen  gegen  unsere  über
die  Straße  Soissons-Harlennes  verdringenden
Truppen.  Am  Abend  waren  die  erbitterten
Kämpfe

zu  unseren  Gunsten  entschieden.

Dem  weichenden  Feind  stichen  wir  bis  auf  die
Höhen  östlich  von  Chaudun-Vierzy-Blanzoy
  nach.  Beiderseite  des  Ourcq-Flusses
haben  wir  die  Straße  Soissons-Chateau-Thierrpyüberschritten
  und  erreichten,  im.
mer  wieder  aufs  neue  feindlichen  Widerstand
brechend,  die  Höhen  von  Neuilly  nördlich
  von  Chateau-Thierrn.  Zwischen  Chateau-Thierry
  und  önlich  von  Dormans  stehen  wir  an
der  Marnec.

Von  der  Marne  bis  westlich  von  Reims  gewannen
  wir  im  Angriff  die  Linie  Vernenil-Olizy-Sarcy-Champigny.


Die  gestrigen  Kämpfe  brachten  von  Neuem
mehrere  Taufend  Gesangene  und  reiche
Beute  ein.

1  In  den  beiden  letzten  Tagen  schossen  wir  36,

seindliche  Flugzeuge  ab.

Leutnant  Menckhoff  errang  seinen  28.,  Leulnant
  Puetter  seinen  25.  und  Leutnant  Kroll
seinen  24.  Luftsieg.

Der  erste  Generalquartiermelster:
dendorfk.

Der  deutsche  Vormarsch  an  die

arne

Verlin,  1.  6.  Am  vierten  Tage  der  neuen
großen  Schlacht  dehnte  sich  die  breite  Kampsfront
  bereits  auf  über  80  Kilometer  aus.  An
der  tiefsten  Stelle  ziht.  der  Durchbruch  5•2
Kilometer.  eber  3000  Quadratklilometer
zum  Teil  des  fruchtbarsten  Bodens  wurden  dem
Feinde  abgenommen,  strategisch  wichtige  Punkte
seindlichen  Benutzung  enizogen.  Die  neuen  Ereiglüsse
  im  Westen  haoben  die  deutsche  Führung
besetzt  u.  wertvolte  Eisenbahnverbindungen  der
ihrem  Jiele  der  Jertrümmerung  der  feindlichen
Kampfmittel  und  Kampfkraft  ginen  gewalt'igen
Schritt  näher  gebracht.  Neben  45.000  Gesangenen
  erlitten  die  Franzosen  un  Engländer,
por  allem  die  Franzosen  eine  schwere  Einbuße
an  Tolen  und  Verwundeten.  Besonders  die
hastig  eingesetzte  Kavallerie  und  die  eiligst  heranbesörderten
  und  zum  Teil  ohne  Artillerieunterstützung
  in  den  Kampf  geworfenen  Neserven
  mußten  bei  den  nutlosen  Gegenangriffen
die  schwersten  Blutopfer  bringen.  Nicht  annähernd

  angugeben  sind  die  Werte,  die  der  Feind

 

Sonntag,  2.  Juni  1018

an  Kriegsmaterial  und  Gerät  aller  Art  auf
der  weitgestreclten  Front  verlor.  Die  Beute
ist  ständig  im  Wachsen.  Ihr  Umfang  be#eist
lt  den  großen  Zahlen  an  verlorenen  Geschit
zen,  Maschinengewehren,  Munilionswagen,  La
gern  und  Depots  mehr  wie  jedes  Wort,  daß
von  einem  geordueten,  methodischen  und  cch.  ittweisen
  Zurückgehen  *m  die  Rede  war.
(  Aniterdam,  1.  Juni.  (Drahtbericht.)
Eine  militärische  Autoriläl  äußerte  sich,  wie
aus  London  gemeldet  wird,  dahin,  daß,  obwohl
der  Feind  im  Aisne-  Abschnitt  neue  Fortschritte
Kemacht  habe,  sein  Tempo  sich  doch  zu  verlangsamen
  scheine.  Dies  sei  anscheinend  auf  die  Art
und  Weise  des  deutschen  Vormarsches  zurück
zuführen.  Im  Zentrum  sei  nämlich  ein  tiefer
und  schmaler  Keil  gebildet  worden,  in  dem  die
deutsche  Front  keine  hinreichende  Unterstütgung
durch  die  Artillerie  mehr  erhalten  korne  Aus
diesem  Grunde  und  auch  angesichts  des  hestigen
Widerstandes  der  Entenketruppen  namentlich  auf
den  Flanken  wird  sich  für  den  Feind  die  Notwendigleit
  herausstellen,  den  Vormarsch  zu  verlangsamen.

*“  Lugano,  1.  Juni.  Barzini  r#el##.
phiert  an  den  Corriere  della  Sera  der
englischen  Front:  Die  Lage  sei  füretber.  Die
deutschen  Heere  seien  vorbereilet  wie  noch  nie.
Sie  verfügten  über  geradezu  phantastische
Kampsmittel  und  besäßen  eine  neue  Manövriermasse
  von  unzähligen  Divisionen.  Man  ltue
ling  daran,  eine  sehr  hohe  Ziffer  anzunehmen.
Denn  seitens  der  Deutschen  müsse  man  sich  stels
auf  die  größte.  zund  bilterste  Ueberraschung  ge
falzt  machen.  Barzini  häalt  es  nicht  für  aus
geschlossen,  daß  auch  anderswo  eine  woch  ge
waltigere  Offensive  los  Ebreche,  denn  bei  den
Deutschen  könne  man  nie  vor  Ueberraschun  gen
sicher  sein.
1  §  Geuf,  1.  Juni.  Die  Erregung  in
Parioe  hat#  ihren  Höhepunkt  erreicht.  Die  Blät
ter  suchen  leruhigend  zu  wirken.  Das  Ver
trauen,  das  in  Foch  und  Clemenceau  gesent
wurde,  ist  stark  im  Schwinden;  auch  auf  da?d
Parlament  hat  die  Ulmzufriedenheit  überge
grifsen.

#  Amterdam,  1.  Juni.  (Drahtbericht.)
Nach  einem  Hinweis  auf  den  außerordentlichen
Ernst  der  Lage,  in  der  sich  die  Alliierten  an
der  Westfront  besinden,  schreibt  das  Handels
blad:  Alles  hüngt  nun  davon  ab,  ob  General
Foch  über  ausreichende  Neserven  verfügt,  um
den  weiteren  Vormarsch  des  Feindes  zum  Ste
hen  zu  bringen,  ohne  die  übrigen  Teile  der  be
drohten  Front  von  Truppen  zu  entblößen.  Er
hat  ohnedies  noch  den  Nackkeil,  daß  die  Initiative
  jetzt  vollständig  in  der  Hand  des  Fein-.
des  liagt.  So  besindet  er  sich  in  einer  Unsicherheit,
  die  lähmend  wirken  muß.  Alle  Trostreden
  der  Kriegslorrespondenten  von  dem  an.
geblichen  Uebergewicht  der  Alliierten  an
Kriegsmaterial  und  Leben  seien  dagegen  null
und  nichtig.  Worauf  es  jetzt  ankommt,  ist  das
Uebergewicht  an  Reserven,  und  dieses  Uebergewicht
  müßte  auf  der  Seite  der  Allierten
schon  recht  groß  sein,  wenn  es  die  Nachteile
Kutmachen  sollte,  die  sie  jetzt  haben.  Die  kommenden
  Tage  werden  darauf  die  Antwort  geben.
Mit  Spannung  warten  wir  auf  die  neuen  Be
richte  über  den  Fortgang  des  großen  Ringens.

Clemenceaumit  lnapper  Notder

Gefangennahme  entronnen.

„  Amslerdam,  1.  Juni.  (Draktbericht.)
Aus  Paris  wird  der  Times  gemeldet:  Vei  der
VBesichtigung  der  Front  inl  der  Ministerpräfi
dent  gerade  noch  der  Gefangennalme  durch
die  Deutschen  entgangen.  Er  hatte  gerade  einen
bestimmten  Punkt  der  Kampffront  verlafssein
als  auch  schon  die  Deutschen  heranstürmten.  Ein
General,  der  jene  Stellungen  kontrollierte.  Vurd
getötet  und  einige  Mitglieder  seines  Gesa  ges
gefangen  genommen.  (Schade,  Herr  Clemenreau,
  schade  aber  vielleicht  ein  andermal!
Die  Red.).

„  Ein  neuer  Fiegerangrii  auf
n  1  a  1.

*  Vasel,  31.  Mai.  Havas  meldet  amtlich:
Gestern  abend  eena  einige  feindliche  Flugzeuge
  die  fran:  ösischen  Linien  und  wandten  sich
gegen  Paris.  Sie  wurden  von  Wachposten  und
den  franzölischen  Abwehrbatterien  sogleich  beschossen.
  Um  10  Uhr  59  Min.  wurde  Flieger
alarm  geblasen,  um  Mitternacht  ging  er  zu

Ende.  Einige  Bomben  wurden  in  der  Gegend
von  Paris  abgeworfen.  Man  meldet  keine
Opfer.

Griechisch-  fronzofische  Offensive
iu  Mazedoniclin.
*  Sofia,  31.  Mai.  untichei  Bericht  über
die  Kampshandlungen  am  30.  Mai:  Mazedonische
  Front:  In  der  Maoglenagegend
und  östlich  davon  bis  zum  Dhpiransee  war  die
Kampttätigkeit  besonders  lebhaft.  Am  Dobr#-polje
  versuchten  nach  Arlilleriertorbereitung
feindliche  Infanterieabteilungen  in  unsere  Arilungen
  einzudringen.  Sie  wurden  jedoch  dürch
Gegenangriff  und  Kampf  Mann  gegen  Mann
zum  Teil  ausgerieben,  um  Teil  zersprengl.
Südlich  der  Stadt  Huma  bis  an  den  Wardar
Arissen  nach  snktematischer  Actillerievorberei--tung
  von  zehn  Tagen,  die  an  den  letzten  Tagen
  eine  besondere  Hefti  gleit  erreichte,  mehrenvenizelistische
  Dioilionen,  verstärkt.