44 Eisleitung.
Akademie der Wissenschaften in Mannheim lohnende Aufgabe. Die
Ausführung derselben übertrug die Akademie dem kurfürstlichen Bibliothekar
Andreas Lamey aus Münster im Gregorienthal, welcher Sekretär
der Akademie war!) und sich durch seine Abhandlungen in
den Akten der Akademie als der geeignete Mann erwiesen hatte?).
Lamey bemerkte sofort, dass der ihm zur Veröffentlichung übergebenen
Kopie das Chronicon fehlte, auch nahm er verschiedene Fehler
derselben wahr und liess nun die Lücken und Mängel mit Hilfe von
Mainz ergänzen und verbessern, ohne den Codex selbst benützen zu
können®). Wahrscheinlich wurde der Codex jetzt von Göttweih zurückgefordert*).
Freilich war die in Mainz vorgenommene Verbesserung
eine ungenügende, wie sich bald zeigen sollte, aber in Mannheim
beruhigte man sich dabei, und so erschien das ganze Urkundenwerk
als Publikation der Pfälzer Akademie 1768—70 in drei handlichen
Quartbänden mit Orts-, Personen- und Sachregister und fleissig gearbeiteten
Einleitungen Lameys?°).
Diese Veröffentlichung war ein schwerer Schlag für die Göttweiher
Gelehrten, welche unter ihrem Abt Klein fleissig an der Vordereitung
einer quien Gesamtausgabe gearbeitet hatten. Aber Klein
liess sich nicht entmutigen, war er sich doch bewusst, dass die Göttweiher
Ausgabe ihre eigenartigen Vorzüge habe. Ungesäumt liess er
den ersten Band, der das Chronicon enthielt, in Tegernsee drucken
und datierte ihn auf 1766 zurück®). Bald folgte ein zweiter Band
mit den Traditionen bis n. 640, der aber nicht mit der Sorgfalt des
ersten bearbeitet und flüchtig gedruckt war'). Gerade dieser voreilig
gedruckte Band half dazu, dass die Pfälzer Ausgabe den Markt für
sich wegnahm und die Göttweiher zum Schaden der Wissenschaft den
Wettbewerb aufgaben.
1) Acta Academiae Theodoro-Palatinae 1, 8 — *) Schon der erste
Band 1766 enthielt drei Abhandlungen von Lamey über die Römersteine am
Neckar, über den Lobden- und Wormsgau; im zweiten Band gab er neben
kleineren Abhandlungen eine Beschreibung des Rheingaus (1770), im dritten
(1773) die des Speiergaus. — °®) L. 1, 6°. — *) Jedenfalls befand er sich 1777
im Reichsarchivo in Mains, wo ihn Gercken sah, Gerchen, Reisen (Worms
1768) 3, 61. Falk, I. c. 170. — °) Vol. oben S. 1. — *) Codex diplomaticus
et variarum Traditionum antiquissimi Monastersi Laurisheimensis Ord. s. Benedicti
in Pago Ehenensi saec. VIII fundati. Cum Notis & Animadversionibus
historicis, chronicis et chorographicis, Pars I. Prodit ex MSS. Bibliothecae . .
Monasterii Gottwicensis Typis Monasterüi Tegernseeensis Anno 1766. — ?) Das
Manuskript für das übrige Werk befindet sich noch in drei Foliobänden
(n. 901-903) in der Göttweiher Klosterbibliothek. Falk, I. c. 168.