Full text : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Reuß Älterer Linie. 1855. (4)

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ebensowenig  durch  diesen  Unfall  abgeschreckt,  als  die  Grenadiere  Schwerins
durch  die  entsetzlichen  Wirkungen  des  feindlichen  Geschützes.  Rasch  ordneten  sie
sich,  und  durch  einige  frische  Schwadronen  verstärkt,  stürzten  sie  von  Neuem
auf  ihre  Gegner  los,  und  dieses  Mal  mit  dem  glänzendsten  Erfolge.  Nicht
nur  wurde  die  feindliche  Reiterei  ganz  zersprengt,  sondern  auch  in  so  wilder
Hast  auf  das  eigne  Fußvolk  geworfen,  daß  es  in  vollkommene  Unordnung  gerieth.
  Diese  günstige  Wendung  benutzte  Zieten  mit  Umsicht  und  Schnelligkeit.
Im  gestreckten  Laufe  warfen  sich  seine  Husaren  auf  die  schon  ungeordneten  Reihen,
trieben  sie  völlig  auseinander,  und  richteten  ein  großes  Blutbad  unter  ihnen  an.

So  hatte  der  Kampf  gegen  den  rechten  Flügel  des  Feindes  eine  günstige
Wendung  für  Friedrich  genommen,  aber  das  Mitteltreffen  und  der  linke  Flügel,
deren  Stellung  Anfangs  ganz  unangreifbar  erschienen  war,  standen  noch  fest,
und  alles  Blut  wäre  vergebens  vergossen  gewesen,  sobald  man  den  Feind  nicht
auch  hier  zurücktreiben  konnte.  Endlich  erspähte  der  König  eine  Lücke,  durch
welche  es  möglich  erschien,  ohne  allzugroßen  Verlust  in  die  Schlachtreihe  des
Feindes  einzudringen.  Allein  ein  Unterfeldherr  Friedrichs,  Herzog  Ferdinand
von  Braunschweig,  erwarb  sich  in  diesem  Theil  des  Kampfes  das  größte  Verdienst.
  Er  bat  den  König,  da  der  Augenblick  dazu  günstig  erschien,  um  Erlaubniß,
mit  seinem  Truppentheil  den  Feind  auf  der  äußersten  Flanke  anzugreifen.  Der
Herzog  solle  thun,  was  ihm  gut  schiene,  lautete  der  Befehl,  welchen  der  Prinz
mit  dem  glänzendsten  Erfolge  ausführte.  Sieben  Schanzen  lagen  hier  hintereinander,
  stark  mit  Geschützen  versehen  und  durch  den  Kern  der  östreichischen
Grenadiere  gedeckt.  Schnell  war  die  erste  erstiegen,  die  Besatzung  theils  niedergestoßen,
  theils  in  die  Flucht  getrieben.  Ohne  einen  Augenblick  sich  Rast  zu
gönnen,  stürzten  sich  die  Sieger  auf  die  zweite,  mit  demselben  Muthe,  demselben
Glück.  Bald  waren  alle  sieben  in  ihren  Händen,  und  hierdurch  die  Hauptmacht
  des  Feindes,  von  jeder  Seitendeckung  entblößt,  entweder  zur  schnellsten
Flucht  gezwungen  oder  dem  sichern  Berderben  Preis  gegeben.  Da  in  demselben
Augenblick  auch  Friedrich  durch  die  von  ihm  erspähte  Lücke  bis  ins  Herz  des
östreichischen  Heeres  gedrungen  war,  ward  die  Flucht  allgemein.  Wild  drängten
sich  die  zersprengten  Schaaren  in  die  Thore  der  Stadt,  in  welcher  fie  Schutz
vor  den  fiegreichen  Verfolgern  suchten.  Vielen  brachte  das  wüste  Gedränge  den
Tod.  Ein  anderer  Theil  des  geschlagenen  Heeres  eilte  in  das  Innere  des  Landes;
ihn  verfolgte  weithin  die  preußische  leichte  Reiterei.

Groß  war  der  Verlust  der  Oestreicher  in  dieser  furchtbaren  Schlacht;  er
belief  sich  auf  24,000  Mann;  doch  theuer  war  er  auch  von  preußischer  Seite
erkauft.  18,000  tapfere  Preußen  deckten  theils  todt,  theils  schwer  verwundet
das  blutgetränkte  Schlachtfeld,  und  unter  ihnen  der  Feldmarschall  Schwerin,
von  dem  Friedrich  erklärte,  sein  Tod  allein  gelte  dem  Verluste  von  10,000  der
tapfersten  Krieger  gleich.  Freilich  erschienen  auch  die  Vortheile  des  Sieges  unermeßlich.
  Der  erfahrenste  Feldherr  der  Feinde,  Brown,  lag  zum  Tode  verwundet
  in  Prag;  das  große  Heer,  auf  welches  Maria  Therefia  ihr  ganzes