Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aummer  28

sel  fest,  daß  die  Heranziehung  neuer  Wasser-  j

gänge  zur  Kanalspeisung  —  die  Denlschrift  führt
hier  verschiedene  Möglichkeiten  an  —  nach  den
neuen  wassergesetzlichen  Bestimmungen  Schwierigkeiten
  bieten  würde.

Die  Kosten,  die  der  Ausbau  des  Luduig=Donau-Main-Kanals
  zu  einer  Wasserstraße  für
200.Tonnenschiffe  erfordern  würde,  veranschlagt
die  Deulschrift  wie  folgt:  a)  für  die  Erweiterung
  des  ganzen  eanmne  von  Kelhelm  bis
Bamberg  36  Millionen  ark,  b)  für  die  Erweiterung
  der  Teisstrecke  Jomber)Minber9
allein  15  200  000  Mark.

Bei  der  Kostenberechnung  ist  von  der  Annahme
  ausgegangen,  daß  der  Längenschnitt  des
Kanals  und  damit  die  Schleusenzahl  unverändert
  bleibt.  Für  eine  wirksame  Erleichterung.
der  Schiffahrt  würde  es  jedoch  nicht  genügen,
die  Wasserstraße  lediglich  zu  verbreitern  und  zu
vertiefen.  Es  müßte  vielmehr  zugleich  auf  eine
tunlichte  Verkürzung  der  Fahrzeit  in  Bedacht  genommen
  werden,  die  sich  nur  durch  eine  Bessergestaltung
  des  Kanal.  Zlängenschnitts,  d.  #  durch
eine  Vermehrung  der  Schleusenzahl,  rreichen
ließe.

Nach  überschlägiger  Schähung  würde  sich  der
Aufwand  für  den  Ausbau  des  Kanals  zu  einer
200-Tonnen-Wasserstraße  bei  gleichzemiger  Verbesserung
  des  Kanallinieschnittes  verdoppeln,  d.
h.  für  die  Umgestaltung  des  ganzen  Kana#e  von
Kelheim  bis  Bamberg  wären  70  Millianen
Mart,  für  die  Teilürecke  Nürnberg-Bamterg
allcin  etwa  30  Millionen  Mark  erforderlich.
Ein  so  beträchtlicher  Geldaufwand  stünoe  mit
dem  bescheidenen  wirtschaftlichen  Nutzen,  der  sich
aus  der  Zulassung  von  200-Tonnen-Schiffen
herleitet,  nicht  im  richtigen  Verhältms.  Cin
Wettbewerb  der  Kanalsch  isfahrt  E
bahn  kann  für  größere  Güter  nur  mit  Schiffen
ron  600  Tonnen  Ladesähigkeit  erfolareich  auf
gere  ommen  werden.

i  durste  sich  kaum  empfehlen,  bei  den  Schiff.
fodrrekansulen.  die  als  Bindeglied  zwischen  Donau
  und  Main  dienen,  unter  600  Tonnen  Tragfähigleit
  herabzugehen.  Der  Verkehr  von  jolchen
  Schissen  erfordert  aber  die  vollständige
Kanglisiertung  des  Mains  und  Erbauung  eines
neucn  Kanals,  allenfalls  unter  Wahl  oiner  onderen
  Linienführung.

 

z  Rachrichie#

Leipzig,  Febr.  In  der  vergangenen
Nacht  lurz  uins  12  hht  ereignete  sich  im  Ge—
bäude  des  deutschen  Buchhändlerhauses  eine
schmere[(Ga#eplo  io  #.  Als  einide  Küchen#angesicl##
des  Gutenberglellers  sich  zur  Ruhe  beneben  wollten,
  bemerlten  sie  einen  starken  Gasg-uch,  dem
sie  Nachgingen.  Als  jie  das  Souterramn  mit  einer
brenenden  Lampe  betraten,  erfollnte  eine  Erplosion,
  eine  mächtige  Slichslamme  brachte  den
Eindringenden  schmere  Brandwunden  bei,  sie
schlug  bis  zu  den  Parterreräumen  empor.  Es
wurden  insgesamt  vier  Personen  schwer  und
eint  leicht  verlezt.  Der  Materialschaden  inmt  bedeutend.
  Die  Kellerräume  bieten  ein  Bild  enksetzlicher
  Ver  wütung,  jast  sämtliche  Ferstetscheiben
  des  Restaurants  Gutenbergteller  und  der
naheliegenden  Grundstücke  wurden  zertrü  mmert,
beonders  die  großen  Schausenster  einiger  La.
den.  Die  Feuerwehr  war  alebald  zur  Siee
unterdrückte  den  ausgebrochenen  Brand.
Die  Verlenten  wurden  nach  Antlegung  eines
Verbandes  ins  Krankenhaus  überrülrt.  Die
Erschütterung  war  so  stark,  daß  die  im  oberen

und

 

m  Angelgen

Ebing  jen,  2.  JFebrn  Hier  —  nachmittags
4  Uhr  .  Min.  ein  starler  Erdfloß  vurspee
ebenso  in  Bakingen  und  Hechingen.  Nach  den
vorliegenden  Meldungen  ist  niegende  ein  Schaden
  entstanden.  erkur“  meldet:
  Die  Erohebenwarie  Lozenhem  et
nete  nachmittags  ein  Nahbeden,  dessen  Herd
in  Württemberg  liegt.  Die  Auoschläge  dauerten
  26  Sekunden

Straßbur  6  2  uFebr.  Beim  Schlitschuhlaufen
  auf  dem  Ü#eitungelanal  vor  dem  Spitaltor
  brachen  zwei  Mädchen  im  Alter  von  11
und  14  Jahren  ein  und  ertranlen,  obwohl  #
zahlreiche  Personen  unter  eigener  Lebensgefahr
um  ihre  Rettung  bemühten.  Schiffer  der  eingefrorenen
  Kanalschisse  sprangen  den  bedrohtlen
  Rettern  bei.

Saarbrücken,  2.  Febr.  Aus  Oberstein
wird  gemeldet:  Der  in  dem  Zuge  Vingerbrück-Saarbrücken
  beraubte  Herr  machte,  als  er  einen
Angenblick  zum.  Vewußtsein  lam,  solgende  Angaben:
  Er  heiße  Albert  Schlichtel  und  wolhne
in  Bemin-Schönebeng,  Goltzstraße.  Er  bestieg
in  Kreuznach  ein  Abteil  2.  Klasse.  Hinter  der
Station  Fischbach  wurde  in  voller  Fahr!  dle
Waggontür  aufgerissen.  Ein  Mann  sprang  in
das  Abteil  und  stürzte  sich  auf  ihn  mit  den
Worten:  „Die  Taschen  auf!“  In  dem  gleiche:
Angenblick  sielen  zwei  Schüsse.  Wödurch  er  schwer
verietzt  wurde.  Er  sank  zu  Boden,  hatte  aber
noch  die  Kraft,  die  Notbremse  zu  ziehen.  Der
Täter  war  ein  bartloser  junger  Mann,  der  eine
Eisenbahnermütze  trug.  Eine  Schuhwoffe  wurde
nicht  gesunden.  Bei  dem  Verletzten  wurde  nur
wenig  Kleingeld  vorgefunden.  Die  Briestasche,
die  nach  seiner  Angabe  *  Mark  enthielt,  wurde
  nicht  vorgesunden.  Der  Verletzte  liegt  in
dem  Obersteiner  Kra:  nenhaus.  Sein  Zustaud
läßt  das  Schlimmste  befürchten.

Hannover,  2.  Febr.  Die  Seltion  derLeiche
der  ermordeten  öfehrigen  Hildegard  Wildhagen
ergab  als  wicht  iasies.  Moment,  daß  die  Leber
des  Kindes  fehlt.  Sie  ist  lunstgerecht  losgelöst.
  Es  besteht  daher  die  Annahme,  daß  der
Mord  entweder  die  Tat  eines  Jerfinnigen  ist,
oder  aber,  daß  er  aus  Aberglaube  vollführt
wurde,  damit  die  Leber  zu  Heilzwecken  verwendet
  werden  lönnte.

Budapest,  2.  Febr.  Die  Direktion  der
Laschau-  Oderberger  Bahn  tellt  mit:  Am  31.
Jannar  drangen  in  einen  Persanenzug  n  der
Nähe  der  Station  Ceacza  zwei  Bahnangesiellle
in  ein  Wagenabteil  ein,  in  dem  die  Postkasse
verwahrt  war  und  seuerten  auf  den  Oberschaffner
vier  Revolverschüsse  ab,  die  ihn  schwer  verletzten.
Der  Oberschaffner  zog  die  Notbremse,  worauf
die  Räuber  sluchteten.  Als  sie  sich  verfolgt!  sahen,
  beging  der  eine  Selbstmord,  der  andere
Murde  von  den  Versols  ern  schwerverietzt  nach
Teschen  gebracht.  Den  verwundeten  Oberschafsner
  hofft  man  am  Leben  zu  erhallen.

Pario!  2.  Febr.  In  dem  Militärlager  zu
Corcienr  (Dep.  Vosges)  find  überaus  zahlreiche
Fälie  von  Mumms,  Masern  und  Scharlach  a#  ausgelteten.
  Das  Militarlrankenhaus  in  St.  Die
ijt  voliständig  überhüllt.

Paris,  2.  Febr.  Der  Dwektor  der  Fraudösüch-i#alienischen
  Bam  in  Paris,  Mennier,  il
auf  verschiedene  Anzeigen  hin,  die  von  seilen
seiner  Kunoschaft  einliefen.  verhastet  worden.
Unter  den  Geschädigten  bejindet  sich  auch  die
Gräsin  von  Lasteyrie.  Die  Gräfin  erllärte,  von
dem  betrugerischen  Banlier  um  #  Millianen
Mi.  geschadigt  worden  eu  sein.  Hr.  Menunier  unterschob
  der  Grä#in  u.  a.  Altien  einer  Uniergrundbahngesellschaft
  in  Barceiona,  die  sich  bei  spateden

  „„
Hals  durch.  Eine  Schauspielerin  namens  Havebrenunbare

  Stoffe  enthalten.

Paris,  2.  Febr.  Eis  Stückchen  aus  „Wild-West“
  har  sich  gestern  ereignet.  Ein  Güterzug
der  Strecke  von  Mons  nach  Louviers  ist  bei  der
Station  Thieux  durch  einen  verbrecherischen  Anschlag
  *  Die  Verbrecher  haben  schoere

Steine  auf  die  Schienen  gewälzt.  s  die
Zugebeamten  die  Ursache  der  Störung  feststellen

woslten,  machte  sich  eine  Anzahl  von  Näubern

Plünderung  der  Wagen.  Dle  Beam-—⁊

  urden  mit  vorgehaltenen  Revolpern  vezwungen,

  jeden  Widerstand  aufzugeben.

Newyork,  2.  Febr.  Die  Zeitungen  veröffentlichen
  erschütternde  Einzelheiten,  die  die
Passogiere  des  gesunkenen  Dampsers  „Monroe“
erzählen.  In  einem  Rettungsboot  spielten  sich
surchtbare  Szenen  ab.  Ein  Neger  war  vor
Entsetzen  wahnsinnig  geworden  und  klammerte
sich  an  ein  junges  Mädchen  sest  und  versuchle
schließlich,  mit  diesem  ins  Wasser  zu  springen.
Mit  einem  Hammer  wurde  auf  den  Wahnfsinnigen
  so  lange  eingeschlagen,  bis  er  besinnungelos
zu  Boden  siel  und  sein  Opfer  losließ.  Ein  anderer
  Reger  schnitt  sich  auf  deim  Deck  des  sinlenonroe“
  mit  einem  Taschenmesser  den

land  wurde  wahnsinnig  und  mußte  ins  Hospital
gebracht  werden.  Im  allgemeinen  werden  die
machhabenden  Offiziere  des  „Nantucket“  für  die
Katastrophe  verantwortlich  gemacht.
Newyork,  2.  Febr.  Eine  Katastrophe,
die  durch  eine  ganz  ungewöhnliche  Ursache  hervorgerusen
  wurde,  hat  sich  gestern  in  der  Stadt
Sisierville  im  Staate  Airginia  ereignet.  In
der  Stadt  befinden  sich  die  Werkstätten  der
Boung-Torpedo-Company,  deren  Magazine  viel
Gestern  siel  ein
Meteotstein  auf  einen  Schuppen  herab,  u  dem
sich  500  Liter  flüssiges  Nitroglyzerin  befanden.
Eine  jurcht  bare  Erplosion  erfolgte.  Der  Boden
wurde  in  einer  Tiese  von  100  Metern  ausgetissen,
  das  entslandene  Loch  war  30  Meter  breit.

Sämtliche  Gebäude  der  Fabrik  wurden  zerslört.

Die  Fensterscheiben  wurden  in  einem  Umkreis
von  50  Kilometern  durch  den  ungeheuren  Lustdruck
  zerbrochen.  Ein  Mann,  der  sich  einen
Kilometer  weit  von  der  Unglücksstelle  befand,
wurde  von  einem  geschleuderten  Stein  Letrosien
  und  sofort  getötet.  Glücklicherweiĩe  sind
weitere  Menschenopfer  nicht  zu  bellagen.  Der
Materialschaden  dagegen  ijt  enorm.

Die  Grubenhatastrophe  bei  Vortmund.
Dortmuns,  2.  Februar.

Heute  Nachmittag  fand  in  Brambauer  oie  Beerdigung
  von  22  Ovfern  der  Grubenlatastrophe
der  Zeche  Achenbach  statl.  Kurz  nach  3  Uhr
sehte  sich  der  gewaltige  Trauerkondult  in  Bewegung.
  Elwa  100  Fahnen  und  20  Muillorps
  besanden  sich  in  dem  ersten  Teil  des  Zuges,
  der  aus  den  Vereinen  bes  ganzen  Indusiriebezirls
  bestand.  Die  Sörge  der  20  Vergleute
murden  zu  je  fünf  auf  schwarz  behangenen  Rollwagen
  gefahren,  die  beiden  Steiger  auf  besonderen
  Leichenwagen.  In  dem  Trauergesolge
besanden  sich  der  Oberpräsident  Westfaleno
Prinz  Ratibor  Corvey,  der  Arnsberger  Negierungspräsident,
  Generalleutnant  von  Harbon,
Votschafter  ron  Stumm  usw.  JZwölf  katholische
und  9  cvang.  „Ceiütliche  gaben  den  Toten  das
letzte  Geleit.  Die  Beisetzung  erfolgte  in  einem
Massengrab  unniittelbar  neben  den  Opsern  der
letzten  Katastrophe  der  gleichen  Jech:  im  Jahre
1012.  Am  Grabe  sprachen  der  latholische  und
der  cvangelische  Ortegeistliche.  Unter  den  ka- 



MRrittwoch,  4.  Februar  7917
Ein  geriebener  Zochstapkur.
Leipzig,  2.  Febr,
Einer  der  gefährlichsten  internationalen  Hoch
lapler  und  Heiratsschwindler  ist  jetzt  von  der
Leipziger  Kriminalpolizei  verhaflet  worden.  Die
Kriminalbehörden  des  ganzen  Reiches  uno  zahl,
reiche  Behörden  des  Auslandes  beschsftigen  sich
mit  seiner  Persönlichleit.  Es  handelt  sich  um
einen  Mann,  der  sich  jetzt  für  einen  Kaufmam
Gottfried  Wtchelm  Just  ausgibt.  Sowekt  bljeht
  ermittelt  werden  konnte,  ist  der  Verhaslcte
der  Sohn  eines  Fabrikarbeiters.  Er  sprict
fliekend  mehrere  sremde  Sprachen  und  ist  ein
gewandter  und  eleganter  Gesellschafter.  Schm
im  Jahre  1895  trat  er  in  Zürich  als  Fabril.
besitzer  Dr.  Mern  und  preußlscher  Reserveofflz#er
auf  und  lebte  in  den  vornehmsten  Hotels  auf
Kredit,  bis  er  enklarot  und  zu  zwei  Monaten
Gefängnis  verurtellt  wurde.  Im  nächsten  Jahr
tauchte  er  in  esech  im  Elsaß  als  Graf  Potelri
  auf.  ahlreiche  Geschäftsleute  ließen  sich
durch  den  iint  ingenden  Namen  und  das  gewandte
  Auftreten  des  Hochstaplers  täuschen  und
gewährten  hm  bohen  Kredit  und  bares  Gelo.
Aber  auch  hier  wurde  er  schließlich  entlarot  und
Zu  drei  Jahren  Gefängnie  verurteilt.  In  seinn
Zelle  spielte  er  den  „wilden  Mann“  und  erreich
  te  damit,  was  er  wollte.  Er  kam  zur  Be,
obachtung  seines  Geisteszustandes  in  eine  Heilanstalt
  und  entfloh  bald  darauf.  Nun  machte  er
sich  einen  Zufall  zunutze,  um  sich  einen  neuen
Namen  zu  geben.  In  einer  Zeilung  sand  er
die  Mitteilung,  daß  ein  Kurt  v.  Eichmannsoorf
für  verschollen  erllärt  wurde.  Er  schrieb  an
sdie  Krenzkirche  in  Dresden,  die  damals  dis
Annonce  ausgegeben  hatte,  daß  er,  Kurt  v.  Eic
mannsdorf,  noch  lebe,  und  bat,  ihm  eine  Cehurls-
  und  Tanfurkunde  zu  übersenden,  damit
ihm  die  Beröffentlichung  keine  Unannehdf#ichteilen
  bereite.  Die  verlangten  Urkunden  wurden
ihm  gesandt,  und  jetzt  hatte  der  Schwindler
einen  vollgültigen,  echten  Ausweis  in  Hunder-Er
  trat  von  jetzt  ab  überall  als  Kurt  oon
Eichmannsdorf  dus.  Unter  diesem  Namen  und
unter  Vorlegung  seiner  Urkunden  gelang  es  ihn,
im  November  1898  in  Klepzig  bei  Köthen  in
einer  Fabrik  eine  Vertrauensslellung  u  erhalten.
  Er  erwies  sich  aͤls  hrauchbar,  schien  nach
allen  Richtungen  die  Interessen  der  Fabtit
wahrzunehmen,  wartete  aber  in  Wirllichkeit  nur
auf  eine  Gelegenheit.  einen  größeren  Gel,
betrag  in  die  Hände  zu  bekommen.  Nach  ein
Jahre  pelang  ihm  dies,  und  er  stüchteten  mit12  P0
Mark  nach  Frankreich,  wo  er  sich  zumeist  in  Paris
  und  Nitza  aufhielt.  Er  nannte  sich  dort
Baron  von  Eichendorf,  v.  Eichmannsdorf,  Graf
Uerküll-Hyllenband  oder  Graf  Hohenthal  und
verübte  große  Hciratsschwindeleien.  Ende  Jali
1901  kam  man  dem  Hochstapler  auf  die  Spur.
Er  wurde  in  Paris  festgenommen  und  nackh
Deutschland  ausgeliefert,  konnte  aber  wegen  der,
im  Ausland  begangenen  Straftaten  nicht  verirleilt
  werden.  Schon  im  nächsten  Jahre  jet  /och
erellte  ihn  sein  Geschick  in  Dessau.  Dort  erhielt
  er  seche  Jahre  Gefängule,  die  er  auch  vetbützne.
  Nach  seiner  Entlasung  verschwand  er
elne  Zeitlang,  bis  er  im  Februar  1911  wieder
auftanchte.  Seildem  ist  er  nach  den  bishetigen
  Ermitteln  gen  auf  freiem  Fuß  geblieben.
Jetzt  hatte  er  si  einen  neuen  Namen  ausgesucht.
Unter  Vorlegung  einer  gesälschten  Geburkr.  und
Taufurlunde  nannte  er  sich  Graf  Egon  von
Nehnschild  und  nach  Ausoweis  seiner  Papiere
jollte  er  am  1.  Juli  1866  zu  Hannover,  in
Pennipylvanien  in  Nordamerika  als  Sohn  ines

 

Saale  ta  nenden  Paare  zu  Boden  stürsten.  Dassrem  Vertauf  als  vöilig  wertlos  erwiesen.  Auch  kholischen  Ceistlichen  besand  sich  als  Vertreter  Ussarztes  geboren  sein.  So  meldete  er  sic

Ungluck  soll  dadurch  entmanden  sein,  daß  der,der  Banlier  Lecomte  ist  verhaftet  worden.  EsF  des  Bischofs  der  Chrendomberr  Gonscrtreler  auch  jetzt  überall,  wo  er  sich  aushielt  und  überal

Wasdruckregler,  der  sich  im  Souterrain  besindel,  beißt,  daß  Lecomte  für  über  80  Millionen  Mark  Die  Zeche  Achenbach,  die  Nachbärzechen  sowi:e  bielt  man  seine  Popiere  für  echt.  Zul  eht  lebte

undicht  geworden  war  und  eine  große  Merige  wertlose  Aktien  bei  seiner  Kundschaft  in  Amleuf  die  Stadt  Dortmund  sandten  prächtige  Kränze.  er  in  Leipzig.  Hier  wußte  er  eine  reicke  Dam:

Gas  ausströmen  ließ.  setzte.  2  so  zu  fesseln,  daß  sie  ihm  nicht  nur  alles,  was
E  Mannes  zeigte  jetzt  mehr  Dankbarleit  als  wahr-  Sem  Belannter,  der  Toypns  des  alten

Illien  den  Slein  #nde  nde
en  daß  ich  ihn  1#  5
en  und  daun  reinen  -  8

    
   

 

b  '

ch  denn  wißen,  daß  Durand  das
verd  F&t  5  sllen  laffen""  brachte  der
nn  mit  «  umeln  heraus.  „Ich

 

--r  haln  es  e  ersel  zen.  Achalten  S  Siees
für  sich  oder  geben  Sie  den  Stein  Turund,  wie
Sic  wollen.“

Es  war  also  doch  Durand,  der  den  Opal
verloren  hatte!  Sebr  gut,  sieh  Tich  vor,  Durand!

„Schen  Sic,“  sagte  Anson,  „das  kann  Sie
ganz  ’or  cht  Ihre  Lizenz  losten  und  Sie  lönnten
auch  noch  andere  Unannchmlich=  citen  haben;  aber
Sie  sagen,  Sie  hälen  den  Slein  gesfunden  und
ich  glaube  Ihnen.  Sie  verdienen  etwas  für  Ihr
Glück  und  auch  etwas  dafür,  daß  Sie  mich  über
Durands  Absickéen  so  gut  informiert  haben.  Ich
will  nicht  hart  sein.  Ich  werde  Ihnen  geben,
was  der  Stein  L  mich  wert  ist.  Ich  brauche
ihn  nämlich  für  einen  gant  besonderen  Zweck.  Sagen
wir  aljo  zwanzig  1ind?“

Der  Mann  8  te  drein.  „Ach  du  mein
Wott!-  sagle  er  endlich,  halien  Sie  einen  armen
MWenschen  doch  nicht  so  zum  Narren!  Zwanzig

Plfund  für  so  ein  Stückchen  Stein!“

Anson  hatee,  obgleich  er  von  dem  Werte
dieser  Steine  nur  sehr  wenig  verstand,  kalkuliert,
daß  der  Stein  geschnitten  enigsens  hundert
Wiund  wer:  sein  mußtec.  edoch  sein
Eizeun  m  und  Anson  wollte  ihn  Ht  nicht  zu
teuer  beiahlen;  er  konnte  sich  dessen  ungeachtet
den  en.r  ischen  Ebler  Großmuütigleit  geben.  „Das  hat
nich:z  zu  sagen,“  kneia  er  leichthin,  „ich  brauche

 

 

den  Stein  netwen
Tie  nicht  ens  einnchmende  Bisage  des

cheinlich  je  in  seinem  Leben,  und  in  überströmenden
Lorten  danlie  er  Anson,  noch  immer  eiwas
nervös,  als  Anson  das  Gchd  für  den  Stein  und
die  lleine  Nec:  chunng  -

„So  war  es  also  ein  Juwelenraub?=  fragte
er  nach  einer  kleinen  Wole  während  er  die
Empfanz=  Aoestättgung  für  den  Betrag  ausstellte.

„Sicht  ganz  danach  aus,  erwiderte  Anson
brorisih-  nç  Gespräche  abgeneigt,  steckte  den
Opal  ein,  nahm  die  Reisctasche  auf  und  ging  zum
Bahnhof.

In  zwanzig  Minuten  war  er  in  Christchurch.
Tort  kauste  er  rasch  ein  Sattelzeug,  ging  zu  einem
Perldeverteiher  und,  mietete  ein  Pserd,  mit  dem
er,  wenn  er  den  Vorsprung  den  er  beute.  in
Berechnung  60  K  sicher  war,  dem  uge  nach  S

der  Endsianon  der  GEi  nbahn.  zünent
kommen.  Tort  wußte  er  einen  olten  Farmer,  der
sich  seines  Viehslandes  rühmte.  Wenn  er  von
dem  eines  seiner  Pserde  erhalten  konnte,  war  er
cucht  isen,  quer  durch  das  Land  bis  zur  Küste,
ne  Strecke  von  insgesamt  hundertzehn  englischen
Meen.  durchzureilen  und  so  Durand  einen  Tag
abzugewinne  n.

Ter  Mietgaul,  obgleich  am  Ende  der  Reise
schon  ein  wenig  wund,  durchkrenzte  die  Ebenen  in
munterem  Temvo,  und  Anson  kam  in  Sprinasield,
einem  kleinen  Städtehen  am  Rande  der  Gebirge,
zwei  Stunden  vor  dem  Eisenlahnzuge  an.  Es
möge  hier  die  Vemerkung  Plah  jünden,  daß  dieses
len#ere  Prodnlt  der  Khullur  und  Ziuilisation  die
glorreiche  Durchscl-n#illegeschwindigleit  von  zwolf
englischen  Meilen  in  der  Siunde  erreichl;  und  ein
echles  Neusecländer  Dreiviertel-Vollblutpjerd  hat
leine  sehr  ohe  Meinung  von  sich  selbst,  wenn  es
nicht  ein  ein  wenig  rascheres  Tempo  vier  bis  fünf
Stunden  bintereinander  aushalten  kann.

 

schotuschen  Schaßzüchters  in  den  Kolonien,  der
auch  cinmal  auf  der  Lateinsehule  und  der  Universilät
  gewesen,  doch  jeht  ein  ebenso  verbissener
alter  Vichhändler  wie  nur  einer  im  ganzen  Lande
war,  dem  nur  sehr  wenig  mehr  von  der  Politur
der  zivilisierten  Welt  anhaftete,  hieß  Anson  herzlich
  willlommen  und  ging  brriitweiiist  auf  sein
Verlangen  nach  einem  Pierde  ei

„Nehmen  Sie  gleilh  zwel.“  saßte  er  sreundlich,
als  Anson  den  Grund  seiner  Cue  an##inandergesetzt
  hatle.  „Da  slun  gleich  zwei  Vichjahrige  von
dem  Hengst  „Artillerie  und  zwei  Traberltulen
in  den  (hehegen  draußen.  Tie  tragen  Sie  bald
zur  Küste  hinüber,  weun  Sie  schon  nicht  auf  die
Kulsche  warten  lönnen.“

Anson  verlor  lenee  Hjeit.  Eine  Kolelelte  —
die  unvermeidliche  Kotelelte  von  Neufeeland  —
und  cine  Tasse  Tee  —  der  ebenso  unvermeidliche
Nesteländer  Teer  —  maten  bald  verzehet  und  er

achte  sich  wieder  auf  die  NReise.  Ta  ch  in
Engioeno  iiiid  Europa  iiiiii  Oewi  war,  war  es
in  diesem  ganz  verlehrlen  Lande  Frühling  und  er
hatte  noch  einige  Stunden  Tageslicht  vor  sich  mit
der  Aussicht,  daß  eine  Monpscheinnacht  folgen
würde.

Weg,  der  vor  ihm  lag,  kannte  er  sehr
ut.  jeder  anderen  Zeil  hätle  er  diesem  Ritle
als  ein  Vergnügen  zesshe.  und  selbst  Fett.
so  begierig  er  auch  war,  diese  Sirecke  bald  hinter
ch  zu  haben,  konute  er  nicht  umhin,  ihre  Schönheiten
  z  bewundern.

ag  war  herrlich  gewesen.  Wenun  auch
die  Strahlen  der  Sonne  in  Neuseeland  nie  die
Stärle  der  Tropen  oder  auch  nur  dle  des
ilal  enischen  Sonners  errelchen,  siud  sle  doch  erheblich
  heller  und  wirkungsvoller  als  die  des
enallschen  Himmels.  Am  Anfange  deß  Rutes  war

 

gezwungen  war,  vicileicht  noch  e
doch  als  der  Abend  herannabte  u
sich  um  die  Hasenhügel,  die  sich  in  der  Ferue
bläulich  vom  Himmel  abhoben,  zu  sammeln  be,
gaunen,  dachte  er,  daß  er  für  sein  Unternehmen
leine  bessere  zeit  hällc  wählen  lönnen.

Während  der  ersten  viertig  Meilen  führte
der  Weg  nur  durch  Wrideland  für  Schafe,  wo
hie  und  da  eine  einsame  eiad  s  stand  und
zo.  sich  streckenweise  längs  der  Ufer  der  nicht  sehr
schönen  Binnenseen  dieser  Gegend  hin.  Die  Einlönigleit
  der  Szenerie  wurde  hier  jedoch  durch  das
immer  wechselnde  Pauorama  der  Berge  unterbrochen,
  die  den  Harizont  von  allen  Seilen  einschlossen
  und  ihre  schneebededten  Häupter,  deren
weiste  Spiten  nur  trübe  durch  die  Dämmerung
herüberblickten,  zum  Himmel  empor  streckten.

Beim  Bcealey  Hotel,  dem  Platze.  wo  die
Wagen  für  die  Nacht  Oalt  machen,  nahm  Anson
das  zweile  Pserd  und  die  wirlliche  Schönreit  des
wilden  Riltes  begann  unn.  Mit  der  ESlrecke,  die
dle  Ausflügler  die  „Westiküstenpartie“  nennen  und
dle  eine  Sehenswürdigkeit  bildet,  welche  bel  Tage
anzustaunen  heue  sechzehn  Meilen  weit  herkommen,
war  er  sehr  vertraut;  dieselben  Szenen  aber  bei
Mondegschebt  Alenn  mit  der  Natur  —  einer  Natur
ser  Aberguellen  wild  —  das  überbot  auch  dit

chlbarste  Phantasle.

Nach  der  Ueberquerung  eines  Flusibettes  von
unendlicher  Breile,  das  aber  nur  9  wenig
Wasse  r11  Hürt  e,  ging  die  Strasie  an  donnernden

ersällen  und  bahenbedeckuen  Abgründen  vorbei

rauf,  immer  höher  hinauf,  bis  der  Kamm  des
asscs  erwnnen  war.  Dann  slreckle  sich  4

echten,  glänze  in  den  Strahlen  der
schwindenden  ndi  ver  dee  Miursto  Mi
.4

ʒrin.

der  Tag  für  das  Tempo,  ,  das  An#  E*
u
ud  die  Rebel