182 Wirkung der Zirkularnote in Wien.
bemerktel, zu einer Proklamation an das deutsche Volk und zu einer Provokation
gegen Hsterreich gestempelt. Camphausen wurde natürlich sofort
von dem Geschehenen benachrichtigt.: Er fand sich, nachdem das Ministerium
die Absendung der Note durchgesetzt hatte, moralisch verpflichtet, im
Amte zu bleiben, und zog sein Entlassungsgesuch zurück.]
Gleichzeitig mit der Note sandte Graf Bülow eine ganze Reihe von Erlassen
an den Grafen Bernstorff nach Wien"; er keilte ihm mit, daß die
Regierung nach wie vor an dem Gedanken des engeren und weiteren Bundes
und an der Vereinbarung der Verfassung zwischen den Regierungen und der
Nationalversammlung fesihalte; Schwarzenbergs Pläne für die sofortige
Einrichtung des Königskollegiums, die Schaffung der sechs Reichskreise und
die Bereitstellung militärischer Machtmittel lehne Preußen ab, hoffe aber trotzdem
mit Ssterreich in gutem Einvernehmen zu bleiben. Die Firkularnote
könne insofern nichts Verletzendes für die österreichische Regierung haben,
als sie nur die Anschauungen enthalte, die bereits durch das Memorandum
vom 13. Dezember in Wien bekannt gegeben worden seien. Man habe ja
gerne mit der kaiserlichen Regierung gemeinsam handeln wollen; nachdem
sich aber herausgestellt habe, daß diese zur Erreichung des gemeinsamen
Zweckes so ganz andere Mittel für richtig halte wie Preußen, habe man sich
entschließen müssen, allein vorzugehen, zumal durch die jetzigen Vorschläge
der schließlichen Lösung der schwebenden Fragen in keiner Weise vorgegriffen,
sondern nur die Anbahnung einer Verständigung darüber versucht werde.
Man erwarte nun bald Österreichs eigene Meinung über seine künftige
Stellung im Bunde zu erfahren.
Fürst Schwarzenberg war, wie man leicht begreift, ebenso enttäuscht wie
erbost, als er diese Nachrichten erhielt. Er hatte zwar, wie wir wissen, sein
Spiel noch nicht ganz für gewonnen gehalten, aber doch geglaubt, mit Hilfe
des Königs selbst schon ein erhebliches Stück weiter gekommen zu sein, als
es wirklich der Fall war.5 In einem geheimen Erlaß an seinen Berliner
! Graf Trautmannsdorf an Schwarzenberg, 29. Jan. u. 1. Febr. Friedjung #, 182f1.
* Bülow an Camphausen Jan. 21. u. 23. Bell. 45 u. 48.
* An Graf Bülow Jan. a7 Beil. 40.
* Drel am ar. Jannar s. Bell. 46, 47. Ein weiterer Erlaß v. 23. Jannar teilte mit, daß
die österrelchische Denkschrift jetzt auch amtlich durch den öfterreichischen Gesandten übergeben
sei und daher amtllch besprochen werden könne. Die dagegen geltend zu machenden Gründe
kenne Bernstorff bereits aus den früheren Anweisungen. Da man in Berlin nicht zweifse,
daß F. Schwarzenberg sich über die künfeige Stellung Osterreichs innerhalb des deutschen
Bundes bereits eine klare Ansicht geblldet habe, so sehe man vertrauensvoll einer Außerung
darüber und entsprechender Instrulerung des österreichischen Bevollmächtigten in Frankfurt
entgegen.
* Am 2o. Jan. sprach er Schmerling dle Hoffnung aus, seine Vorschläge vom 77. würden
in Berlin angenommen werden (Frledsung 1, 179).