Contents : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1908. (35)

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so  bedarf  es  einer  weiteren  Prüfung  nicht.  Im  anderen  Falle  wird  der  Rest  des
Destillats  mit  Ammoniakflüssigkeit  im  Uberschusse  versetzt  und  in  der  Weise,
unter  zeitweiligem  Zusatze  geringer  Mengen  Ammoniakflüssigkeit,  zur  Trockne
verdampft,  dass  die  Flüssigkeit  immer  eine  alkalische  Reaktion  behält.  Bei
Gegenwart  von  nicht  zu  geringen  Mengen  von  Formaldehyd  hinterbleiben  charakteristische
  Kristalle  von  Hexamethylentetramin.  Der  Rückstand  wird  in  etwa
4  Tropfen  Wasser  gelöst,  von  der  Lösung  je  ein  Tropfen  auf  einen  Objektträger
gebracht  und  mit  den  beiden  folgenden  Reagentien  geprüft:

1.  mit  1  Tropken  einer  gesättigten  Quecksilberchloridlösung.  Es  entsteht
hierbei  sofort  oder  nach  kurzer  Zeit  ein  regulärer  kristallinischer  Nieder--schlag;
  bald  sieht  man  drei-  und  mehrstrahlige  Sterne,  später  Oktaeder;

2.  mit  1  Tropfen  einer  Kaliumquecksilberjodidlösung  und  einer  sehr  geringen
Menge  verdünnter  Salzsäure.  Es  bilden  sich  hexagonale  sechsseitige,
hellgelb  gefärbte  Sterne.

Die  Kaliumquecksilberjodidlösung  wird  in  folgender  Weise  hergestellt:
  Zu  einer  10  prozentigen  Kaliumjodidlösung  wird  unter  Erwärmen
und  Umrühren  solange  Quecksilberjodid  zugesetzt,  bis  ein  Teil  desselben
ungelöst  bleibt;  die  Lösung  wird  nach  dem  Erkalten  abflltriert.

In  nicht  geräucherten  Fleischwaren  darf  die  Gegenwart  von  Formaldchyd
  als  erwiesen  betrachtet  werden,  wenn  der  erhaltene  Rückstand  die  Reaktion
mit  Quccksilberchlorid  gibt.  In  geräucherten  Fleischwaren  ist  die  Gegenwart
  des  Formaldehyd  erst  dann  nachgewiesen,  wenn  beide  Reaktionen  eintreten.

Fleisch,  in  welchem  Formaldehyd  nach  diesen  Vorschriften  nachgewiesen  ist,
ist  im  Sinne  der  Ausführungsbestimmungen  I)  S§  5  Nr.  3  als  mit  Formaldechyd
oder  solchen  Stoffen,  die  Formaldehyd  abgeben,  behandelt  zu  betrachten.

3.  Nachweis  von  schwefliger  Säure  und  deren  Salzen  und
von  unterschwefligsauren  Salzen.

30  g  tein  zerkleinerte  Fleischmasse  und  5  cecm  25  prozenige  Phosphorsäure
werden  möglichst  auf  dem  Boden  eines  Erlenmeyerkölbchens  von  100  cem  Inhalt
(lurch  schnelleskusammenkneten  gemischt.  Hierauf  wird  das  Kölbehen  sofort  mit
Cinem  Korke  verschlossen.  Das  Ende  des  Korkes,  welches  in  den  Kolben  hineinragt,
  ist  mit  einem  Spalt  verschen,  in  dem  ein  Streifen  Kaliumjodatstärkepapier
0  befestigt  ist,  dass  dessen  unteres  ctwa  1  cm  lang  mit  Wasser  befeuchtetcs
Ende  ungefähr  1  em  über  der  MNitte  der  Fleischmasse  sich  befindet.  Die  Lösung