Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1908. (35)

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rühren,  ½  Stunde  in  einem  siedenden  Wasserbad  erhitzt.  Alsdann  wird  der  noch
Warme  Inhalt  des  Becherglases  auf  ein  Gazetuch  gebracht,  der  Fleischrückstand
abgepresst  und  die  erhaltene  Flüssigkeit  durch  ein  angefeuchtetes  Filter  gegossen.
Das  Filtrat  wird  nach  Zusatz  von  Phenolphtalein  mit  /10  Normal-Natronlauge
schwach  alkalisch  gemacht  und  bis  auf  25  cem  eingedampft.  5  cem  von  dieser
Flüssigkeit  werden  mit  0.,  cem  Salzsäure  vom  Spezifischen  Gewicht  1##  angesäuert,
tiltriert  und  auf  Borsäure  mit  Kurkuminpapier  1)  geprüft.  Dies  geschicht  in  der
Weise,  dass  ein  etwa  8  cm  langer  und  1  cm  breiter  Streifen  geglättetes  Kurkuminpapier
  bis  zur  halben  Länge  mit  der  angesäuerten  Flüssigkeit  durchfeuchtet  und
auf  einem  Uhrglase  von  etwa  10  cm  Durchmesser  bei  60  bis  70%  getrocknet
wird.  Zeigt  das  mit  der  sauren  Flüssigkeit  befeuchtete  Kurkuminpapier  nach
dem  Trocknen  keine  sichtbare  Veränderung  der  ursprünglichen  gelben  Farbe,
dann  enthält  das  Fleisch  keine  Borsäure.  Ist  dagegen  eine  rötliche  oder  orangerote
  Färbung  entstanden,  dann  betupft  man  das  in  der  Farbe  veränderte  Papier
mit  einer  2prozentigen  Lösung  von  wasserfreiem  Tatriumkarbonat.
Entsteht  hierdurch  ein  rotbrauner  Fleck,  der  sich  in  seiner  Farbe  nicht  von  dem
rotbraunen  Fleck  unterscheidet,  der  durch  die  Natriumkarbonatlösung  auf  reinem
Kurkuminpapier  erzeugt  wird,  oder  eine  rot  violette  Färbung,  so  enthält  das
Fleisch  ebenfalls  keine  Borsäure.  Entsteht  dagegen  durch  die  Natriumkarbonatlösung
  ein  blauer  Fleck,  dann  ist  die  Gegenwart  der  Borsäure  nachgewiesen.
hDiei  blauvioletten  Fürbungen  und  in  Zweifelsfällen  ist  der  Ausfall  der  Flammenreaktion
  ausschlaggebend.

Die  Flammenreaktion  ist  in  folgender  Weisc  auszuführen:  5  cem  der  rückstündigen
  alkalischen  Flüssigkeit  werden  in  einer  Platinschale  zur  Trockne  verdampft
  und  verascht.ur  Herstellung  der  Asche  wird  die  verkohlte  Substanz
mit  etwa  20  cem  heissem  Wasser  ausgelaugt.  Nachdem  die  Kohle  bei  kleiner
Flamme  vollständig  verascht  worden  ist,  fügt  man  die  ausgelaugte  Flüssigkeit

1)  Das  Kurkummpapier  Wird  (lurch  einmaliges  Trünken  von  weissem  Filtrierpapier  mit  einer
Lüsung  von  0.1  g  Kurkumin  in  100  cem  90  prozentigem  Alkohol  hergestellt.  Das  getrocknete  Kurkuminpapier
  ist  in  gut  verschlosenen  Gefässen,  vor  Licht  geschützt,  aufzubewahren.

Das  Kurkumin  wird  in  folgender  Wieise  hergestellt:

30  g  feines  bei  10005  getrockuetes  Kurkumawurzelpulver  (Curcuma  longa)  werden  im
Soxkhletschen  Extraktionsupbarat  zunüchst  1  Stunden  lang  mit  Petrolenmäther  ausgezogen.
Das  so  cut  lettete  und  getrocknete  Pulrer  wird  alsdann  in  demselben  Apparuat  mit  heissem
zenzol  S8  Dis  10  Stumien  lung,  unter  Anwendung  von  100  cem  Benzol,  erschöpft.  Zum
Erhitzen  (les  Benzols  kann  ein  (ilyzerinhaud  von  115  bis  120°  verwendet  werden.  Beim
Erkalten  der  Benzollbsung  Sscheidet  sich  innerhalh  12  Stunden  das  für  die  Herstellung
des  Kurkuminpapiers  zu  verwendende  Kurkumin  ub.