Metadata : Der Kanzler.

Die  Konfliktszeit.

Vurck  See  und  Sonne  gestärkt,  trat  Bismarck  sein

Amt  als  preußischer  Ministerpräsident  an.  „Er
siehtt  mager,  gesund  und  sonnenbraun  aus,  wie
:  ein  Mann,  der  einen  Ritt  durch  die  Hüste  auf
dem  Dromedar  gemacht  hat.“  Ein  Jahr  darauf
8Gklagte  Bismarck  einem  Freunde,  daß  er  sich
um  fünfzehn  Jahre  älter  fühle.  Im  Dark  zu  Babelsberg  schloß
der  König  seinen  Bund  mit  Bismarck.  Der  neue  Minister
entfremdete  sich  bald  jedes  preußische  und  deutsche  Patriotenherz
  und  lernte  dem  Werte  der  Dolkstümlichkeit  bis  auf  den
Grund  sehen.  Bismarck  handelte  der  preußischen  Dolksvertretung
  gegenüber  nicht  wie  jener  Diplomat  älterer  Schule,  der
gesagt  hatte:  „Ich  bin  hierher  geschickt,  um  für  das  fentliche
Wohl  zu  lügen.“  Aber  er  mußte  seine  Wege  und  selbst  seine
Siele  verhüllen.  Das  erste  Wort  von  echt  bismarckischer  Drägung,
  das  Wort  von  „Eisen  und  Blut"“,  erhellte  zwar  auf  einen
Kugenblick  seine  ganze  Bahn.  Hber  es  blendete  und  reizte  nur
die  öffentliche  Meinung,  machte  seine  Freunde  bedenklich,  der
treue  Roon  selbst  sprach  von  „geistreichen  Exkursen“,  und  es
erschreckte  den  Mönig.  Diesen  zwar  richtete  Bismarcks  Entschlossenheit
  auf;  er  griff  ihm  an  das  Dortepee  des  preußischen
  Offiziers.  Und  König  Wilhelm  hielt  bei  ihm  aus.  „Es
gehörte  die  ganze  ehrliche  und  vornehme  Treue  des  Uönigs
für  seinen  ersten  Diener  dazu,  daß  er  in  seinem  Dertrauen  zu
mir  nicht  wankend  wurde.“  „Mit  unfrer  Schüchternheit  noch
in  den  sechziger  Jahren  zu  rechnen,  war  ein  Irrtum,  bei  welchem
  der  Thronwechsel  außer  acht  geblieben  war.“  Bismarck
behandelte  die  Dolksvertretung  zunächst  verbindlich  und  hoffte
in  den  Derfassungsfragen  auf  ein  Kompromiß.  Sber  die
Opposition  war  sich  bald  einig,  daß  „dieser  Mensch“,  den  ein
dem  kronprinzlichen  Lager  nahestehender  Dichter  einen  wahnsinnigen
  Schurken  nannte,  daß  Otto  von  Bismarck  ein  unfähiger,
  frivoler,  gewalttätiger  Kbsolutist,  ein  ehr=  und  rechtloser
  Holitiker  sei  oder  im  bessern  Falle,  was  Mapoleon  III.  zu
Drosper  Mérimse  von  ihm  sagte:  ein  Narr.  Am  25.  September,
dem  Tage  von  Bismarcks  Ernennung,  lehnte  das  Kbgeordnetenhaus
  die  gesamten  Zusgaben  der  heereserneuerung  für
1862  ab.  Km  13.  Oktober  wurde  der  Landtag  ge  Gollen
Am  24.  Uovember  machte  Bismarck  zugunsten  der  hessischen
Stände  deren  Streit  mit  dem  Kurfürsten  ein  Ende  durch  ein
Ultimatum,  das  er  durch  einen  Feldjäger  an  den  Kurfürsten
schickte.  In  der  preußischen  Kammer  mußte  er  dafür  höh-148