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Die Gesinnung des Kaisers von Russland und seiner Minister
ist die friedlichste, wie sich der Präsident der Republik
und der Ministerpräsident unmittelbar haben überzeugen
können; aber das Ultimatum, das die österreichisch-ungarische
Regierung soeben der Belgrader Regierung überreicht hat, bringt
ein neues und beunruhigendes Element in die Lage hinein.
Die öffentliche Meinung ın Russland würde nicht dulden,
dass Oesterreich Serbien Gewalt antäte. Die Kürze der für die
Beantwortung des Ultimaiuns festgesetzten Frist erschwert noch
die mässigende Einwirkung, die die Mächte des Dreiverbandes
in Wien ausüben könnten.
Anderseits vermutet Herr Sasonow, dass Deutschland seinen
Verbündeten wird unterstützen wollen, und ich befürchte, dass
dieser Eindruck richtig sei. Einzig das feste Zusammenstehn
des Dreiverbandes kann die germanischen Mächte daran hindern,
ihre herausfordernde Haltung noch bestimmter hervortreten
zu lassen.
Puleologue.
Nr. 32.
Herr Paul Cambon, französischer Botschafter in London,
an Herrn Bienvenu-Martin, stellvertretenden Minister des
Aeussern.
London, den 24. Juli 1914.
Da mir Sir Ed. Grey von seinem Wunsche gesprochen hatte,
nichts zu unterlassen, um die Krisis abzuwenden, waren wir
einig in dem Gedanken, die englische Regierung könnte die
deutsche Regierung bitten, den Anstoss zu einem Schritte zu
geben, um in Wien die Vermittlung der vier nicht direkt beteiligten
Mächte zwischen Oesterreich und Serbien anzubieten.
“Wenn sich Deutschland dazu versteht, wird man Zeit gewinnen,
und das ist das Wichtigsie.
Sir Ed. Grey sagte mir, er werde dem Fürsten Lichnowsky
den Plan, den ich soeben auseinandergesetzt habe, unterbreiten.
Ich machte meinem russischen Kollegen davon Mitteilung, der
von Deutschland eine Ueberraschung befürchtet und vermutet,
Oesterreich würde ohne vorausgegangene Verständigung mit
Berlin sein Ultimatum nicht abgeschickt haben.