Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Polisijche  Aundschan.

Firhnsa  e  Wahlreform.

*  Berlin,  7.  5.  Tas  Abgeordnetenhaus  beendete
  Kuli  die  zweite  Lesung  des  Gesetzentwurfe
betr.  die  Verfassungsänderung  und  hat  ihn  nach
den  Kommissionsbeschlüssen  angenommen.  Damit
ist  die  zweite  Lesung  der  Wahlreform  beendet.
Die  dritte  Lesung  beginnt  am  13.  Mai.

Benchener  Neusgtellen.

München.  7.  Mai.
Zur.  l.  des  Kl.  inwohnungsbaues.
  Im  Münch#rer  Rathaus  wurde
  heute  die  notarielle  Gründung  der  „Gemeinnützigen
  Wohnstätten-  -Geellschaft  Murcer  m.
b.  H.“  vollzogen.  Von  dem  auf  848  000  Mt.
fesigelgten  Gesehschaftskapital.  l#ernimmt  die
Stadtgemeinde  München  500  000  Mark;  der
Rest  wird  von  gemesnnützigen  Baugesellschaften,
  Vertretern  von  Industrie  und  Handel
  sowie  u.  a.  von  der  Landesversicherunge  Sanstalt
  für  Oberbauern  übernommen.  Die  Gesellschaft
  will  den  Vau  gesunder  und  preiswerter
Kleinwohnungen  für  die  minderbemittelte  Bevölkerung
  und  für  die  Angchrigen  des  Mittelstandes
  unter  vorzugeweiser  Berücksichtigung  der

Bedürfnisse  kinttrreicher  Familien  fördern.

bmerische  Nachrichten.

Beide  Füße  abgefahren  wurden  in
Buchloe  einem  französischen  Kriegsgesangenen,
der  versuchte,  auf  einen  fahrenden  Güterzug  aufzuspringen.
  Der  Franzose,  der  nach  der  Schweiz
flüchten  wollte,  glaubte  mit  dem  Güterzug
rascher  dorthinkommen  zu  lönnen.  Trotz  seiner
schweren  Verlehungen  hatie  er  noch  die  Geistesgegenwart,
  die  Wunden  zu  unterbinden,  und
so  ein  Verbluten  zu  verbindert.

Bawerisches  Oberalcno.

Kiefersfelden,  7.  5.  Besithwechsel.  Die
hübschgelegene  Villa  mit  Cafe  und  Konditorei
des  Herrn  Jos.  Schu-z  in  Kiefersfelden,  ging
heute  durch  Nauf  in  den  Besig  des  Herrn  Sder,
Konditoreil  Inhaber,  dortselbst,  über.

Ebersberg,  6.  5.  Im  Streit  sein
Schwesterchenerschlagen  hat  in  Pfassing
der  etwa  4  Jahre  alte  Knabe  der  Eheleute
Probst.  Beim  Spielen  geriel  er  mit  seinem  zwei
Jahre  altlen  Schmi  Keterchen  in  Streit  und  versetzte
  dem  Mädchen  mit  einer  Garlenhacke  einen
Schlag  auf  den  Kopf,  der  den  als  baldigen  Tod
des  Kindes  zur  Folge  hatte.

Sggenfelden,  7.  5.  Selbstmord.  Am
Donnerstag  abends  nach  60  Uhr  wurde  bei  Huldsessen
  der  ledige,  im  den  30  er  Jahren  srehende
Gastwirtssohn,  Malthäus  Heuwieser  von  Tauflirchen
  vom  Juge  überfahren  und  getötet.  Der
Unglückliche  wurde  von  2  Frauen  beobachtet,
als  er  sich  ganz  in  der  Nähe  des  Bah  nlörpers
herumtrieb  und  im  letzten  Moment  beim  Herannahen
  des  Zuges  sich  auf  dad  Bahngleis  warf.
Der  Zug  konnte  niät  mehr  rech’  Fiit  ig  halten  und
zerschmetterte  den  Kopf  des  Ungluckiichen  derart,
daß  sein  Erlennen  beinahe  unmöglich  war.  Es
scheint,  daß  JHeuwieser  in  momenlanuer  geistiger
Störung  diese  schreckliche  Tat  ausfünrte.

HBHörbering,  7.  5.  Ans  Aerger  an  die
Front.  Der  Wagnermeiter  Mesner  von  Hörbering,
  seit  Krieg  gen  zim  Felde  nehend,  lam
vor  einigen  Wochen  in  Urland  he#m,  wollte  eine
größere  Reise  tun,  nam  sein  Rad  mit  und  slicg
in  Schwaben  aus.  Die  Heimreise  sollte  per  Rad
vor  sich  gehen.  Aneelle  seines  schönen,  neuen
Rades  stand  in  dem  betr.  Waggon  ein  altes,  schäbiges
  Radl,  das  ein  abgeseimter  Gauner,  man
vermutet!  schon  in  Ampfing,  absichtlich  ausgetauscht.
  Der  Mann  hat  einen  Schaden  von  mindestens
  500  Mk.  Vor  lauter  Aerger  reiste  ergleich
wieder  an  die  Front.

Miesbach,  7.  5.  Tödlicher  Unfarsl.
Heute  Mittag  geriet  der  18.jährige  Dienstknecht
Emmeran  Steifl,  infolge  Scheuens  der  Pferde
zwischen  zwei  Fuhrwerke  und  wurde  erdrückt.

Schaftlach,  7.  5.  Einbruch.  In  der  Nacht
vom  Sonntag  auf  Montag  wurde  beim  Gambsbauer
  dahier  in  der  Speise  eingebrocken  und  Butter
  und  Eier  entwendet.  Da  die  Eisenstangen
nicht  gebogen  murden,  ist  anzunehmen,  daß  ein
Kind  zum  Einschlüpfen  verwendet  wurde.  Es
wurden  auch  Kinderfußspuren  wahrgenommen.

Schaftlach,  7.  5.  Unfall.  Durch  Scheuwerden
  des  Pierde-  vorungluctte  die  Hansenbäuerin
Frau  Feicht  von  Krottenthal  schwer.  Ihr
Schwager,  Ignaz  Feicht,  sprang  noch  früh  genug
ab,  so  daß  er  von  dem  Unfall  verschont  blieb.

OEberwarngau,  7.  5.  U  anfall.  Infolge
mangelhaften  Echliehens  einer  Türe  eines  4.
Klassewagens  fiel  das  5-jährige  Töchterchen  des
Werkmeisters  Würz  von  Marienstein  aus  dem  in
Fahrt  befindlichen  Zug  außerhalb  der  Station
Oberwarngau.  Ein  beherzter  Mann  bielt  die  zum
Tode  erschrockene  Mutter,  die  nacheilen  wollte,
fest  und  eilte  nach  Ankunft  des  Zuges  in  Dberwarngau
  an  die  Unfallstelle  zurück,  wo  ihm  jedoch
schon  wieder  das  Kind  entgegen  kam.  Das  Kind
hat  verschiedene  Verletzungen  erlitten.

(aufen,  7.  5.  Ein  Schwindler.  Hier
und  in  Tittmoning  und  Umgebung  hielt  si
anfangs  Februar  ein  angeblicher  Kriegsinvalide
in  Umiform  auf,  der  durch  seinen  jämmerlichen
Zustand  überall  größtes  Mitleid  erweckte.  E#

 

 

 

 

mauer,

 

trug  angeblich  ein  künstliches  Bein,  halle  emen
Rippenbruch  und  einen  Kopfschuß  erlitten  und
zitterte  so  an  Kopf  und  Händen,  daß  ihm  fremde
Leute  das  Elsen  eingeben  mußten.  Er  erzählte.
daß  er  in  Frankreich  östers  verwundet  wurde,
in  englische  Gefangenschaft  geraten,  nach  Südwestafrika
  verbracht  worden  und  zuletzt  als  Auslauschgefangener
  nach  Deutschland  gekommen  sei.
Im  Knopfloch  trug  er  das  Vand  des  Eisernen
Kreuzes  2.  Klasse  und  das  des  Verdienstlreuzes,
erzählte  aber,  daß  er  auch  das  Eiserne  Kreuz
1.  Klasse  und  die  Tapferkeitsmedaille  besitze.
Nun  stellte  sich  heraus,  daß  der  Mann  ein  pathologischer
  Schwindler  ist,  der  nie  im  Krieg  war
und  sich  nur  verstellt  hatte.

olalacchrichten.
Rosenheim,  8.  Mai.
Eine  Blumenausstellung!

Soeben  ze  ih  von  der  Blumenausstellung  nach
Hause  und  die  Eindrücke  sibrieren  noch  in  meinem  Innern.
  Es  isl  mir,  als  möchte  ich  Teilnahme  etheischen,
oder  noch  beiser,  Dich  verehrter  Leser,  darauf  Binweisen,
  damit  auch  Du  genießen  magit,  was  mich  so  lebhaft
  entzuckic.

„Blumenausslellung?",  so  hör  ich  Dich  fragen,  „und
hier  in  Nosenheim?  Weiß  gar  nicht;  davon!“  Joa,
daz  glaub  ich  schon!  Du  sinden  keine  schreiende  Neame
  auf  den  Plakatläulen,  Du  liest  leine  Anzeige  in
den  Resenheimer  Tagesblättern.  Das  große  Tor  zum
Ausstellungplatz  ist  taglich  geöffnet  von  früh  biz
abends;  ed  steht  lein  Porlier  und  leine  Kontrolle  am
Eingang  keine  Kuüise  Eintrilt  frei!  Es  rauscht
Dir  auch  leine  schwellende  Konzerlmu'ik  cn#egen.  Statt
deisen  zuilickern  die  gefiederten  Sanger  in  den  Lypresjen
  Bäumen;  auch  mirft  Du  nicht  promenierenden
Damen,  die  in  ihrer  Thilezle  we##isern,  begegne  1;  satt
dessen  wisd  eine  in  schwarzen  Schleier  Zehullte  Gestalt
an  dir  vorüberhuischen.  lein  Losverkaufer  belöfligt
Dich  —  Du  geb#t  sinnend  Deinen  Weg.  Statt  Venus,
Diana  und  abnlicher  Göltinnen,  die  in  den  Ausstellungen
  aus  gunem  Vuschwerl  hervorragen,  steigt  aus
dunklen  Cedern  ernst  und  mi.d  der  Criedensengel.  Du
Ve#irst  inzmischen  schon  eiraten  haben,  welchen  Weg  ih
Dich  führe  und  wo  die  Ausstellung  sich  lefindel.  Der
Vorplag  bielrt  hudsche  Anlagen,  Sträucher  n#t  gelben
und  miißen  Blumendeiden.  Der  Noldorn  nmird  gar
dald  srine  lirblichen  Nödleint  entjselnen,  deren  auf  einem
Sticl  viele  deisammen  sigzen,
im  Neste  die  junge  Vrut.  Dorl  die  Trauct  buche
wartet  nur  noch  auf  vrurmen  Regenschauer,  daß  von
den  Trieben  sich  die  Halsen  lösen  und  die  Blätler  entwickein
  lönnen:  wie  herrli.h  ist  si:e  dann  in  ihrem  glänjgend
  grünen  Blätterschmuck  und  ihr  #huchs  dünkt  mir
Eleich  der  G.  talt  einer  trauernden  Wime;  sanft  neigt
sie  ihr  Haup  und  ihre  Zweige  wellen  herab  wie
Tranersior.  Am  Ende  der  jungen  Alzienallee  sind
wir  am  Ziecte  angekoammen.  Wir  Lreten  ein  Nube
und  Stille  ringrum  wir  sind  am  Friedhof!  Jedes
Grab  ist  ein  Blumengärtlein,  dort  Narzissen,  hier  Primeln,
  dort  Tulpen,  hier  ein  Hägel  Vergißmeinnicht  —
so  weil  wir  die  Slere  des  Todes  uberichnun,  ein  Bluund
  friedlich  ergieht  socch  Maiensonne  und
Maienglanz  darüber,  wie  jedes  Jahr.  Welienlärm  u.
Kriegs,  und  Kamptgelöse  prallten  ab  an  der  Friedhofs.
hier  innen  ist  leiliger  Friede,  heilige  Stille.
Ganz  besonders  aber  bleiden  wir  stehen  bhei  den  Tagund
  Nachtschalten,  bie  hier  zu  einem  Hügel  gesormt,
dort  von  geschickler  G.irtnerhand  zum  Kranze  gepflanzt,
in  bumen  Farben  vor  uns  durs  1  breilet  liegen.  Hier
sinden  wir  immer  neue  Nüancen,  Ablönungen  in  Kupser
  und  Bronze,  von  Lila  bis  zum  dunkelsten  Violett,
vom  sanften  Vlau  bis  ins  tiesste  Schwarz,  geib  und
weiß,  und  alle  schanen  einem  so  treuh:rzig  an  und  mir
dünkt  als  hätlen  tie  Gruße  hin  und  Ter  gu  tauschen,
zwischen  Lebe:den  und  Tiiten.  Nun  lirber  Leser,  magst
Du  slbit  urtei.  hie  Dir  die  Blamenausstellung  gesdilt
  und  rihle:  Du  Deine  Schritie  Oflers  dorthin,  so
wirit  Du  bald  auch  die  zierlichen  Buschröslein  in  Holl.
ster  Blute  ##den  und  zwanglos  wuchert  #ie  wilde  Rose
um  ein  ho  2czn  Krenz  und  dort  Uettern  blaue  K.imoatis
in  reicher  Fulle  empor.  esondere  Blumenarlen,  wie
tropische  Glut  und  sudlicher  Himmel  sie  bervor  zaubert,
hat  man  Dir  dort  nicht  #n  bie““  fühn  ist  das
bescheiden:  Altem  im  Heimatfrieohossgarten.

Rings  lachendes,  blühendes  Leben
Morgenstille  —  Sonntagsruh.

Und  ich  geh“  auf  meinen  Wegen

Einsam  still  dem  Friedhof  zu.

Rings  lochendes,  blühendes  Leben  "1
Frühlingeschmuck  cuf  sedem  Grab,
Totenstille  —  sanstes  Weben  —
Leid  und  Kummer  Preif  ich  ab.

 

 

 

Waldblum.

Auszeichnungen  im  Felde.  Josef
Höllmüller,  Sohn  des  Jimmermanns  Raimund
Höllmüller  von  Nosenheim,  wurde  mit  dem  Eis.
Kreuz  2.  Kl.  ausgczeichnet.  Ir  befindet  sich  z.[J4.
in  der  Heimat.  Sein  Bruder  Raimund  Hüöllmüller,
  wurde  bereits  mit  dem  Eil.  Kr.  2.  Kl.
u.  mit  dem  Militärverdienstkreuz  ausgezeichnet.

Heldentod.  Nach  dreijähriger  treuer  Pflichtersüllung
  im  Felde  starb  insolge  Granalvolltrefser  den
Heldentod  fürs  Vaterland  Frz.  X.  Adlmeir,  Metger
von  hier.  Der  Held,  der  ein  Aller  von  29  Jahren  erreichte,
  war  Inhaber  des  Eis.  Kr.  2.  Kl.  und  des  Militärverdienstkreuzes.
  Er  Interiaht  eine  —ihexé
Gattin  mit  3  lleinen  Kindern.  N.  J.

Beförderung  und  —
Der  Gefr.  Balth.  Neiderhell,  Melderadfahrer
bei  einem  bayr.  Kolonnen-Stab,  welcher  seit  Anfang
  des  Krieges  im  Felde  steht,  wurde  für  tapferes
  Verhalten  in  den  letzten  Kämpfen  zum  Unäse
  befördert  und  mit  dem  Militärver--dienstkreuz
  3.  Kl.  mit  Krone  und  Schwertern

traut  und  sorglos,  wie

 

ausgezeichnet;  er  ist  der  Sohn  der  Landwirtswitwe
  Elise  Neiderhell  in  Kleinholzhausen.  Zwei
weitere  Söhne  derselben  stehen  noch  im  Felde.
BZBugsentgleisung.  Dienstag  abends
gegen  6  Uhr  entgleisten  bei  der  Bahnunterführung
  an  der  äußeren  Kussteinerstraße  zwei
Wagen  eines  Güterzuges.  Der  eine  der  beiden
Wagen  wurde  von  den  nachfolgenden  aus  dem
Geleise  geworfen.  Nach  mühseiiger  Arbeit  konnte
die  Linie  wieder  frei  gemackt  werden.  Es  scheinen
an  dieser  Stelle  die  Weichen  nicht  richtig  zu
funktionieren,  denn  innerhalb  kurzer  Zeit  ist
dies  schon  der  zweite  Fall  von  Entgleisung.

Kirchenraub.  In  der  Kirche  zu  Fürstätt
wurde  am  7.  ds.  früh  zwischen  5  und  7  Abhr  1
goldener  Kelch  mit  viereckigen  Verzierungen,  1
goldene  Patene  und  eine  solche  aus  Messing  gesiohlen.


Diebstahl  in  der  Sanierungsanstalt.
In  der  Sanierungsanstalt  Rosenheim  wurden
am  7.  Mai  180  Paar  Socken,  teils  grau  und
schwarz,  und  ca.  80  neue  Hemden,  teils  weiß.,
leils  bläulich,  entwendel.

Beim  Kartoffelstehlen  ertappt
wurde  heute  nacht  2  Uhr  eine  Frau,  die  beim
Marienbad  aus  einem  Keller  des  Kommunalverbandes
  durch  Einschlagen  des  Fensters  sich
bereits  einen  Kübel  voll  Kartoffel  angeeignet
hatte.  Ein  Wäcter  der  Mock  und  Schliehgesellschaft
  faßte  die  Diebin  ab

Gefunden  CEine  Geldbönse  mit  größerem
Geldbetrag  und  ein  Brotwecken  gefunden;  alzuholen
  im  magistratischen  Geschäftszimmer  Nr.  2.

Schüler-  Frühlings  seier  des  Oymnasiums.
  Das  nemnen  wir  eine  erfreuliche
Verquicung:  Frühling  feiern  und  zugleich  bei  der
sindierenden  Ingend  das  Verständnis  für  unseren
  gröüten  deutsche  n  Musilromantiler  weden
und  pflegen!  Frühling  und  Schubert  das
sind  ja  jedem  gebüdeten  Denisch'n  zwei  Begriffe,
so  unzertremmick;  wie  etwa  Mai  und  Vlütenduft.
Die  zahlreichen  Gäste  und  Schüler,  die  sich  heute
morgen  zu  dem  Frühlingesel  des  Kgl.  Gymnasiums
  in  der  Turnhalle  der  Anstalt  zusammengesunden
  hatten,  gaben  sich  willig  den  Stimmungen
  und  Reizen  der  schönen  Veranftaltung
hin.  Eingeleitet  und  beschlossen  wurde  diese  durch
slett  gespielle  Vorträge  der  Orchesierllasse  unter

Leilung  des  Hru.  Kapellmeifter  Mayr.  Der  vierstimmige
  gemischt:  Chor  sang  „Frühlingsglaube“.
  „Ds  Haideröslein“  u.  Die  Nacht“.  Die
wackere  Schar  brachte  uimer  Direktion  res  Hrn.
Reltors  Dr.  Kronseder  viel  vom  Duft  und
Klangreiz  dieser  unvergänglick  en  Schöpfungen
zum  Weben  und  Klingen.  Schön  und  eindrucksvoll
  sprach  Ernst  Gummer  (I.  Nl.)  Franz  Schobers
  Nelrolog  „An  Franz  Schuberts  Sarge“.
Ein  Schüler  der  7.  Klasse,  Heinrich  Glasser,  of
senbarte  durch  den  Vortrag  des  „Scherzo  und
Menuett“  für  Klavier  ansehnliche  Technik  und
guten  musilalischen  Geschmack.  Erfraunlich  sicheren
  Bogenstrich  und  edlen,  sangbaren  Ton  ließ
der  Schüler  Josef  Appel  (3.  Kl.)  im  „Rondo“
für  Violine  vernehmen.  Als  weitere  Einzelvorträge
  verzeichnen  wir  zwei  Lieder  für  Sopran  und
ein  weiteres  für  Baß  (Hans  Scheck,  7.  Kl.)  Die
Klavierbegleitung  hiezu  besorgte  Herr  Hauptleh--rer
  Knobl  ganz  vorzüglich.  Den  Höhepunkt  des
Frühlingsfesies  bildete  die  schlackenlose  Wiedergabe
  des  „Andante  con  moto“  (2.  Satz)  ausdem
4.  Streichquartett  (Der  Tod  und  das  Mädchen“)
  durch  vier  hiesige  Herren.  So  war  ein
empfangfähiger  Boden  bereitet  für  die  Rede
des  Gemnasiasten  Hugo  Lechleuthner  (7.  Kl.)
über  Franz  Schuberts  Leben  und  Wirken,  die  einen
  würdigen  Abschtuß  der  eindrucksvollen  Veranstaltung
  bildete.

Verein  Maria-Stella.  Man  schreibt
uns:  Der  Verein  Maria  -tella  leilete  die  gestern
  stattgesundene  Monalsversammlung  mit
einem  frohen  Maienlied  ein.  Reserent  des
Abends,  H.  H.  Stadtlaplan  Bels,  fesselte  uns
mit  einem  Heessamnte  Vortrag  über  die  Schriftstellerin
  Emmy  Giehrl.  Es  ist  ein  besonderer
Reiz,  hinter  die  Haustüre  eines  Künstlers  zu
blicken.  Mit  großer  Bewunderung  sahen  wir
da  aus  schlichtem,  frommem  Kreis,  aus  vielen
Tagen  der  Not  und  aus  52  Ihr.  schwerer  Krankheit
  ein  Dichterleben  enseben,  reich,  groß,  unendlich
  schön.  Nach  Erledigung  verschiedener
Vereinsangelegenheiten  erging  durch  H.  H.  Plases
  Aufforderung  zur  Beteiligung  an  der  Fronleichnamsprozession.
  Ein  schönes  Duett,  das  Gedicht
  „des  Sonntagskindes“  und  das  herrliche
Lied  „Ave  Maria“,  von  einem  lieben  Gast,  Frl.
Anna  Probst,  vorgetragen,  füllte  den  Rest  des
r  Nächste  Versammlung  4.  Juni.

Spezereiwarenabgabe  im
Stechlfayen  sindet  am  Freitag  und  Samstag
  von  8  12  und  2—6  Uhr  statt.  Für  jede
Karte  erhäit  man  31  Pfd.  Graupen  und  Gries
zum  Preise  von  25  #fg.  Ersucht  wird,  das  Gesd
abgezählt  bereit  zu  halten.  In  der  kommenden
Woche  sind  alsdamn  die  zwei  letzten  Verkaufstage
und  zwar  der  Mittwoch  und  Donnerstag.

Wohnungsnot  und  kinderreiche
Jamilien.

Unter  den  Neformbewegungen  der  Gegenwart
  nehmen  diejenigen  eine  erste  Stelle  ein,  die
auf  eine  sparsame  Waschenölonomie  abzielen.
Der  männermordende  Krieg,  dazu  der  ständig
abnehmende  Geburtenüberschuß  machen  es  auch

 

 

dem  Staate  zur  gebielerischen  Notwendigleit,
das  Einzelindividunm  hoch  zu  bewerten,  seine  Lebenszeit
  voll  auszunützen  und  es  vor  dem  frühen
Hinscheiden  zu  bewahren.  Es  lam  daher  dem
Staate  nicht  gleichgültig  sein,  wenn  die  gam
Masse  unter  ungesunden  ohnungoverhällnissen
  leiden  mus.  Richt  nur  die  kleinen  Familien
haben  unter  der  Wohnungsnot  zu  leiden,  haurtsächlich
  sind  es  die  kindexreichen  Familien.
denen  diese  Kriegsfolge  schwere  Sorgen  aufbürdet.
  Wie  muß  es  einer  Muiter  zu  Mute
sein,  wenn  ihr  auf  der  Wohnungssuche  von  jedem
  Hausbesitzer  nahegelegt  wird:  „Wir  nehmen
  keine  Kinder  an“.  Hat  ein  solcher  „Hrr“
es  sich  schon  näher  überlegt,  wie  schwer  es  eine
Familie  trifft,  konnte  er  schon  Einsicht  tun  in
das  Herzeleid  einer  solch  Abgewiesenen?  Wir
glauben  kaum,  sonst  würde  er  sich  sicher  eines
Besseren  belehren  lassen.  Wie  würde  es  in  diesem
  Kriege  um  Deutschlands?  Wohl  geitanden  haben,
  wenn  wie  in  rankreich  auch  bei  uns
das  Zweilkindersystem  „Mode“  wäre?  Nie  und
nimmer  hätte  es  die  herrlichen  Siege  an  seine
Fahne  hesten  können.  Deutschlands  Macht  wäre
gebrochen,  des  Feindes  Horden  hätten  unser
Land  nur  als  Wüste  verlassen.  Mit  welchem
Stolz  erfüllt  es  die  Eltern,  die  in  diesem  Kriet
5,  6  und  noch  mehr  Sohne-  dem  Valerlande  zum
Schutze  geben  lonnten?  Da  sollie  man  diesen
linderreichen  Familien  den  nötigen  Schug  gewähren
  und  sie  nicht  der  Willlür  kinderfeindlitmer
  Hausbesitzer  preisgeben.  Eine  Auzahl
von  Verordnungen,  namentlich  solche  vom  Gene

ralkommando,  schützt  zvar  die  Mieter  auger

blillich  etwas,  aber  nach  dem  Kriege  wird  sch
das  Vild  auch  hier  wieder  ändern.  Da  wire
es  von  großem  Nutzen,  wenn  die  vielerorte  ins
Leben  gerufenen  Mieteinigungsämter  auch  nach
dem  Kriege,  bis  zur  Beseitigung  der  Wohnungsnot,
  bestelen  bleiben  würden.  Nur  dann
wäre  an  eine  Erstarlung  des  beutschen  Volies
zu  denken,  wenn  in  Zeilen  der  biiteren  Wolrnungenot
  den  Schwerbetroffenen  cinigermaßen
Schutz  gewährt  mird.  Eine  dankenswmerte  Verordnung
  erließ  letzthin  ein  Magistrat  an  die

Hausbesitzer,  dahingebend,  daß  sämtlichen
Haucherren,  die  langjährigen  Mietern  ohne
triftigen  Grund  klündigten,  abnorme  Steigerungen

  auserlegten  oder  Familien  mit  Kindern  abwiesen,
  sofort  die  Hypotheken  gelundigt  wurden.
So  sollte  es  überall  eingesührt  werden.  Anzeigen
  mit  linderfeindlichen  Vemerkungen  sollien
verboten  werden.  Nur  so  würde  dem  Wolmungselend
  einigermaßen  gesienert.  Die  Lungen-  und
andere  anileckende  Krankheiten,  die  ihren  Herd
hauptsächlich  in  Arbeilogegenden  mit  ihren  ungesunden
  Miets  lasernen  finden,  würden  verschwinden.
  ein  gesunder  Nachwuchs  wäre  die
Folge  dieser  Wohnungsreform,  zum  Auben  eines
  slarken  Deutschen  Reiches.

ehte  —

WTB.  Großes  Hauptquartier,  den
8.  5  Amnich.  (Drahtb.)
Westlicher  Kriegsschauplatz.

Südöstlich  vom  Nieuport  ·  Kanal  nahmen  wir
bei  erfolgreicher  Erkundung  Belgier  gesangen.

Auf  dem  Schlachtfelde  in  Flandern  und  an  der
Lus  lebte  der  Aritilleriekampf  am  Kemmel  b.  i
und  westlich  von  Bailleul  auf.

In  Vorfeldkämpfen  auf  dem  Schlachtfeld  an
der  Somme  wurden  Engländer  und  Franzosen
gesangen.

Beikerseite  der  Straße  Cordie-Bray  griff
der  Feind  nach  starker  Minenvorbereitung  ergebni
  sios  an.  Bereitsitellungen  wurden  durch  unser
  Feuer  u'#rlungsvoll  gefaßt.  Bei  einem  in
der  Nacht  südlich  von  der  Strabe  wiederholten
Angriff  warsen  wir  den  Feind  im  Gegensioß
öurü

Starke  Feuertätigleil  hielt  am  Luce-Bach  und
auf  dem  westlichen  User  der  Aore  ar
Von  den  übrigen  Fronten  nichts  von  Bedeug

tung.
Ludendorff.
Neue  U-  Boot-Beute.
§  Verlin,  8.  5.  (Amtlich.)  Eines  unserer
Unterseebrote  unter  der  bewährten  Führung  des
Kapitänleutnants  Vieberg  hat  im  Aermelkanal
fünf  bewaffnete  tiefbeladene  Damper  mit  zusammen
  16  000  Bruttoregisterionnen  versenkl.
Der  Chek  des  Admiralstabs  der  Marine.
Von  der  Westfront.

5  Gens,  B.  5.  (Trahtb.)  Als  Unterkunft  für
die  Ententetruppen  kommt  der  vollständig  zerschossene.
  Ort  Loker  nicht  mehr  in  Betracht..
Nach  einer  Havasnote  dauert  das  gegen  den
Abschnitt  Loker  gerichtele  schwere  denische  Geschützfeuer
  zenberändert  fort.  Ferner  meldet  Havas
  die  ie  ung  von  Paris  durch
deutsches  scorres  Geschütz.

Die  Räumung  von  Ypern.

s  Zürich,  8.  Mai.  Der  „Tagesanzeiger“
berichtet:  re  Engländer  setzen  die  Räumung  der
ungeheuren  Vorratslager  bei  Dpern  und  Poperinghe
  fort,  damit  sie  nicht  in  deutsche  Hände
fallen.  .  Nach  einer  Meldung  der  „Zuͤricher  /
Morgenzeitung“  bätte  der  Kriegsrat  in  Abbeville
  die  Räumung  von  Yrern  beschlossen.

Auch  das  italienische  Heer
o  untetftcl  L
Amsterdam,  8.  5.  Aus  Paris  wird  beriget,
  der  ital.  z  Orlando  habe