1383 Wildbach — Wildbahn.
auf ihn losgehend 5, 1; gegen Ordnung und Juchtunkeusch,
wilde 2. Tim. 3, 3; (ein Weib) wild und
unbendig, das jre füsze in jrem hause nicht bleiben
können Spr. Sal. 7,11; der wilde knabe Goethe
Haidenröslein; ein wildes kind, aufgeregt, unbändig;
wildes leben, treiben, wilde zerstreuungen, ergötzungen
(Schiller Kab. 2, 1), wildes feuer in der brust, auf
den wangen (Fiesko 4, 14) u. a.; sie hätten die zweitausend
pistolen an einem wilden abend verloren Lessing
Minna 4,6; aus der wilden welt in das kloster
gekommen Freytag Bild. 1, 365; in wilder zeit 71:
er soll sehr wild leben Journ. 1, 1; pöbel in wilder
aufregung Ranke Päpste 2, 96; wilde schlacht, wilder
kampf (Häusser d. Gesch. 3, 40), wilde musik (22),
u. f. w.; die wilde jagd, vgl. jagd: in der Spr. des
gewöhnlichen Lebens auch wild sein auf etwas, aufgeregt,
begierig; andere, welche ins wilde gefordert batten
Wildbret — Wille. 1384
die Spur des Wildes darauf zu erkennen; Hegebezirk
für Wild. — Wildbret, n ans mhd. wiltbrät, wiltbræte,
zum Braten bestimmtes Wild, Wild überhaupt;
Schreibung wildpret in älterer Spr. (Garg. 74), aber
auch noch in neuerer: wildpret, heiszen allc wilde
thiere, so zu essen taugen öcon. Lex. 2682; das wildpret
war ausgegangen Wieland Sylv. 4, 4. —
Wilddieb, m. der das Wild unbesugt und heimlich
schießt; dazu wilddieben, Wilddieberei treiben: die gewilddicbten
hasen Droysen Vork 2, 90. — wildreich,
reich an Wild: wildreich sind unsre forste Grillarzer
1,78. — Wildschütz, m. Wilddieb. — Wild-Pau,
m. Standort eines Wildes; Bestand an gehegtem
Wilde. «
Wildc,i’.,mhd.wi1cle,3nftanddesWildseinszwilde
Gegend: aus dieses erdenlebens rauher wilde Uhland
130. — Wilderer, m. Wilddieb; mhd. wilaerere Jäger.
Möser Phant. 1, 31; — ungepflegt im Außern: ein — wildern, 1) mhd. vwildern neben wilden (vgl. auch
Wildes aussehen haben, wilder bart, wild von haaren; erwildern, in wilden Zustand kommen: wenn die weinsah
einen wilden mann auf mich zukommen Schiller stöcke nicht gestabelt werden, so fangen sie an zu
4, 74; in besonderen Anwendungen: ein wilder heißt wildern Adelung; in wildem Zustand sein, übertragen:
der, der sich einer Genossenschaft nicht anschließt, bei
Folitischen Körperschaften der keiner Fraction angehört;
in der Verbrechersprache den wilden mann spielen, in
der Untersuchung oder im Zuchthaufe sich wahnsinnig
stellen; — von Gegenständen: ein wilder garten, ungepflegter,
wilde regellosigkeit in den parks der Engländer
Schiller 10, 203; etwas wächst wild, ohne
Anbau und Pflege; in technischer Spr.: wilder boden,
der Boden unter der gepflegten Ackerkrume; wildes
wasser, das nicht in künstliche Rinnfale geleitet ist;
wilde fischerei, Fischerei in nicht gehegten Gewässern;
wildes bad, das ungefaßt der Erde entspringt; wildes
gestein, bei den Bergleuten taubes oder zu hartes;
wildes feuer, vgl. feuer 4; wildes fleisch, in Wunden,
s. fleisch 2; wilde wehen, bie nicht unmittelbar der
Geburt vorausgehen; — wilde che, Konkubinat; wilder
wein, Name der Jungsernrebe, hedera quinquefolia.
— Zusammensetzungen: Wildbach, m. Gebirgsbach ohne
regelnde Leitung. — Wildbad, n. wildes Bad, l. oben.
— Wildente, k. wilde Ente. — Wildsang, m. wild gefangenes
und gezähmtes Tier, namentlich Pferd, Falke,
Habicht; übertragen auf unbändige Menschen, besonders
kosend zu Kindern: du wildfang! Freytag Wald. 2,2;
bei Gärtnern wilder Stamm in einen Garten verpflanzt,
um zahme Bänme darauf zu pfropsen; — in alterer
Spr., mhd. wiltvanc, fremder Ansiedler ohne Erlaubnis:
keme ein wildvanc her, es wer frowe oder man Weist.
2, 415; sasz der colonist nicht als wildfang, der sich
eigenmächtig auf ungebautem grund ansiedelte Freytag
Auss. 2, 439. — wildfremd, völlig fremd: wildfremder
mensch; als Subst. Plur. wildftremde Möser
Phant. 3, 241. — Wildgans, f. wilde Gans. — Wildgraf,
m., mhd. wiltgräre, Graf über einen erst urbar
zu machenden Landstrich. — Wildobst, n wildes Obst.
— Wildschur, k. Wolsspelz mit answärts gekehrten
Haaren, Umdeutung aus dem poln. wilezura Wolfspelz.
— Wildschwein, n, mhd. wiltswin, wildes Schwein.
— Vildwüchsig, wild aufwachsend: das wildwuchsige
mückchen C F Meyer Nov. 1, 313.
Wild, u. jagdbares Tier; fubstantive Bildung neben,
nicht von dem Adj. wild, ahd. wild, mhd. wilt, altengl.
in der Form wilder, wildor, die als wildeör,
wild-decr umgedentet erscheint; zuerst das einzelne Tier
bezeichnend, doch ist der abd. Plur. wildir (was her thõ
mit wildirun Tat. 15, 6) später verschwunden; ein
junges wild Hiob 11, 11; ein wildt erjagen Alberus
Ef. 15, 34; übertragen auf Menschen: ich laure auf
ein eckles wild Schiller Tell 4,3; auf die Gesamtheit
solcher Tiere bezogen: die uber das wild auf erden
herrschen Bar. 3, 16. — Zusammensetzungen: Wildbahn,
faufgegrabener Weg in einem Jagdbezirte, um
noch wildert rings der barbarei verjährter wust BVoß
5, 259; sich wild betragen: kinder wildern auf den
gassen. 2) dem Wild nachstellen, als Wilddieb: der
forstmeister hal ihn lang auf dem korn, denn er wil-(dert
geführlich kerum Heyse §. 282; wie Wild riechen,
namentlich vom Fleisch, müsfen. — Wildheit, t., gegen
mhd. wildecheit, Wildsein, nach den verschiedenen Bed.
des Adj.; auch = Außerung der Wildheit: bei den
banalen wildheiten der rennjsgd Goethe 45, 355. —
Wildling, m. bei Gärtnern junger nicht veredelter Stamm
von Fruchtbäumen oder Rosen; — junges, wildes Kind:
jagt nun drauszen dem wildling pach Heyfe 17, 75.
— Wildnis, kf., früher auch n., mhd. wiltnissc, wilde
Gegend: die einöden und wildnis Hiob 38, 27; zu
pladen . . durch wildnisse Lessing Laok., Vorrede;
Getier in solcher: alles wildnis in den wuldern schmeckt
die susze liebeskost Opitz 2, 200; wild durcheinander
Wucherndes: mit moos und wildnisz dustre sie (die
graue Zeit) die räume Goethe Epim. Erwachen 1, 12.
Wille, m. Vermögen zu wollen und sein Ausdruck;
gemeingermanisches Substantiv zu wollen (s. d.), gotb.
Vilja, altnord. vili, altengl. willa, altsächs. willio, ahd.
willio, willo, mhd. willc; in hänfiger Anwendung,
vielfach in sesten Formeln: das ist mein fester, freier
willc; es ist gottes wille, scin wille geschehe; guler,
böser (Richt. 9, 23) wille; gulen willen haben, etwas
sus böscm willen thun; die hochachtung kömmt nicht
auf meinen willen, sondern auf Ihre verdienste an
Gellert zärtl. Schwest. 1, 5; seinen willen haben,
auch in bedeutendem Sinne: noch bab ich meinen
willen auch Schiller Karl. 3, 5; willen haben eiwas
zu thun (1. Sam. 2, 25); dafür: ich habe nicht willens,
mich mit Ibren sachen zu vermengen Rabener 3, 183;
sonst des willens scin; mein herr und ich ritten cinsmals
vor einer stadt in willens, daselbst etwas nothwendiges
zu verrichten Simpl. 2, 302; seincs willens
leben; nach dem willen, nach wunsch und willen, ohne
den willen jemandes; mit, wider wissen und willen
(Treitschke 5, 241); mit willen, auch — absichtlich,
mit Vorsatz: er ist mit willen zu spät gekommen; in
Verbindung mit um, f. d. II 4: ich licbte Sie um dieser
that willen Lessing Minna 4,6; vgl. auch zusammengerücktes
dessentwillen; um meinel-, deinet-, unsert-,
curctwillen, u. a.; im Ausruf: um gottes, um des
himmels willen!: — in besonderer Anwendung; wille
für Träger des Willens: so manches jahr bewahrt miel
„hier verborgen ein hoher wille, dem ich mich ergebe
Goethe N. 1, 1; der gute wille, in der Volksspr.,
freiwillige Gabe: sonach wäre die zinsgebuhr. abgestattct,
und es käme nunmehr der gute wille Immermann
Münchh. 1, 192; letzter wille Verdeutschung