Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1911. (38)

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86.

Tiere,  bei  denen  die  Tollwut,  dann  Hunde  und  Katzen,  bei  denen  auch  nur  der
Verdacht  der  Tollwut  festgestellt  ist,  ferner  Hunde  und  Katzen,  die  von  einem  tollwutkranken
  Tiere  gebissen  worden  sind  oder  von  denen  anzunehmen  ist,  daß  sie  mit  tollwutkranken
  oder  der  Tollwut  verdächtigen  Hunden  und  Katzen  in  Berührung  gekommen  sind,
müssen  sofort  getötet  werden.  Wenn  ein  der  Tollwut  verdächtiger  Hund  oder  eine  der
Tollwut  verdächtige  Katze  einen  Menschen  gebissen  hat,  so  kann  das  Tier  mit  Genehmigung
der  Distriktspolizeibehörde  eingesperrt  und  muß  bis  zur  Bestätigung  oder  Beseitigung  des
Verdachtes  polizeilich  beobachtet  werden.  Für  Hunde,  von  denen  anzunehmen  ist,  daß  sie
mit  tollwutkranken  Tieren  oder  mit  der  Tollwut  verdächtigen  Hunden  oder  Katzen  in  Berührung
  gekommen  sind,  kann  die  Distriktspolizeibehörde  auf  Ansuchen  in  besonderen  Ausnahmefällen
  nach  Anhörung  des  Bezirkstierarztes  an  Stelle  der  Tötung  die  Einsperrung
und  polizeiliche  Uberwachung  anordnen,  falls  diese  mit  genügender  Sicherheit  durchführbar
ist.  Sind  tollwutkranke  oder  der  Tollwut  verdächtige  Tiere  verendet  oder  getötet,  so  hat
die  Distriktspolizeibehörde  in  allen  Fällen  eine  Obduktion  durch  den  Bezirkstierarzt  herbeizuführen.


§  7.

In  den  Grenzbezirken  (§  1)  müssen  sämtliche  über  8  Wochen  alten  Hunde  mit  einem
Kennzeichen  (Metallschild  am  Halsbande  mit  Namen  und  Wohnort  des  Hundebesitzers  oder
Steuermarke)  versehen  sein,  das  die  Feststellung  ihres  Besitzers  ermöglicht.

88.

In  den  Grenzbezirken  (§  1)  ist  das  freie  Umherlaufen  der  Hunde  zur  Nachtzeit  verboten.
  Die  beteiligten  Distriktspolizeibehörden  haben  bei  Feststellung  des  Begriffs  der
Nachtzeit  im  Benehmen  mit  den  politischen  Bezirksbehörden  der  angrenzenden  österreichischen
Bezirke  vorzugehen.

§  9.

Die  Distrikts=  und  Ortspolizeibehörden,  ferner  die  Gendarmerie  und  die  gemeindlichen
Polizeibediensteten  haben  der  strengen  Beachtung  der  Tilgungsmaßregeln  besondere  Aufmerksamkeit
  zu  widmen.

In  größeren  Orten  ist  tunlichst  auf  die  Anstellung  von  Hundefängern  Bedacht  zu
nehmen.

§  10.
Die  beteiligten  österreichischen  Behörden  werden  im  gleichen  Sinne  verfahren.
München,  den  9.  Januar  1911.
Dr.  v.  Srettreich.