Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

März  5.
und  7.

März  5.

188  1611  84  —85.

Fels  und  Wilhelm  Lobkowitz  zu  beseitigen,  dann  werde  alles  besser
gehen;  T.  hat  dies  treulich  widerraten  und  T,eopold  ist  ihm  mit  der

Bemerkung  beigefallen,  man  sei  nicht  in  Welschland.  26.  Mit
welchen  Personen  inner-  oder  ausserhalb  dieses  Königreiehs  hat  der
Kaiser  diese  Intentionen  beraten  lassen?  —  T.  war  nie  bei  einer

Beratung,  bei  der  auch  böhmische  Stände  gewesen  wären.  Im  Rat
des  Erzherzogs  waren  ausser  ihm  Sulz,  Althan  und  Ubozko.  So
lange  er  in  der  Kanzlei  war,  sind  solche  Partikularia  niemandem  sonst
mitgeteilt  worden.  Auf  weiteres  Befragen  gab  T.  an,  dass  Wenzel
Kinsky  öfters  in  der  Kanzlei  Leopolds  gewosen  sei;  auch  Berka,!
Slawata®  und  Smeczansky?  seien  oft  beim  Erzherzog  gewesen.

Wmz,  Reichstagsakten,  Fasz,  103c,  no.  7  und  23;  Kopic.t

85.  Zuniga  an  König  Philipp  I.

Was  E.  M.'  in  einem  Schreiben  vom  18.  Januar  bezüglich  der
Person  des  Herzogs  von  Baiern  in  der  Frage  der  Kaisorwahl  sagen,
„es  muy  conforme  a  lo  que  aca  corre,”  porque  cierto  el  valor  y

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!  Ladislaus  Freiherr  von  Berka,  Führer  der  katholischen  Partei  unter
den  mährischen  Laopdständen,  war  bis  1608  Landeshauptmann  von  Mähren;
vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,  IV.,  8.  500.

”  Wilhelm  von  Slawata,  Burggraf  von  Karlstein.

*  Schwiegersohn  des  Oberstburggrafen  Adam  von  Sternberg,  hervorrogendes
  Mitglied  der  katholischen  Ständepartei  in  Böhmen.

‘  Nach  einer  prager  Zeitung  vom  6.  März  wurde  Tengnagel  zunächst
  im  Hause  Kinskys  verwahrt  und  hier  von  einigen  aus  den  Ständen
gütlich  examiniert;:  an  Geld  fand  man  bei  ihm  nur  80)  Thaler,  dafür
aber  eine  Anzahl  Schreiben,  aus  denen  die  Stände  solche  Geheimnisse  erfuhren,
  dass  sie  die  Schreiben  höher  als  grosse  Beute  achteten.  Am  Abend
bei  Tisch  äusserte  Tengnagel,  er  habe  manchen  Galgenritt  getan  und
wäro  allezeit  noch  davon  gekommen.  Man  erwiederte  ihm  aber,  er
möge  zusehen,  dass  er  jetzt  nicht  hängen  bleibo  (Dre.,  I.  9166.,  I.  Buch
passauer  Kriegsvolk,  f.  293;  Kop.  von  Pfretzschnere  Hand).  —  Am  9.  März
berichteten  die  Stände  über  ihren  Fang  und  dio  Aussagen  an  König
Matthias,  der  schärferes  und  peinliches  Verfahren  gegen  Tongnagel  zur  Erforschung
  der  Wahrheit  für  nötig  hielt  (Antwort  des  Königs  vom  14.  slärz
aus  Znaim;  Drs.,  a.  a.  O.,  f.  483,  Kopie);  in  einem  Schreiben  an  Herberstein
  vom  17.  März  wioderbolte  Matthias  diesen  Wunsch  und  legte  Interrogatorien
  bei;  doch  sollte  die  Befragung  vor  seiner  Ankunft  in  Prag  und  ia
solcher  Art  geschehen  als  käme  sie  nicht  von  ihm  her;  Hoerberstein  sollte  dies
durch  Vertraute  vermitteln  (Wi.,  I  Al;  Ka.  2991;  Kpt.).

»  Dass  man  damals  in  München  den  Kaiserträumen  nicht  völlig  ontsagt
hatte,  zeigen  die  freilich  sehr  aphoristischen  Aufzeichnungen  im  Protokoll  des
geheimen  Rats  vom  10.  Januar,  als  man  wegen  Abdankung  des  mörsbergschen
  und  haslangschen  Regiments  beriet;  dabei  äusserte  Herwartlhi:  „ob
I.  D.*  das  intentum,  zur  römischen  cron  zu  gelangen,  ganz  und  gar  fallen
wellen  lassen,  obs  ir  schon  aufgetragen  wurde:  quo  casu  das  volk  zu  licentiirn;
  2.  ob  sie  [fl.  D.!)  ainem  darzue  helfer,  dem  andern  enthelfen  wollen;
hoc  casu  were  das  volk  zu  behalten.  I.  D.!  aber  haben  sich  negative
resolrirt.*  D."r  Jocher  bemerkt  beim  Votieren:  „I.  D.!  geen  der  zeit  nit
auf  denen  gedanken,  dass  man  wegen  der  römischen  cron  dismalen  ain  aigentlich
  conelus  zu  machen  sondern  allain  al  desseo*“  (Md.,  (reh.  Rat.  XIIL
no.  619;  f.  100).