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Wachstum zeigen Kiel mit 25° und Stettin mit 49°. Kiel verdankt
dasselbe zum größten Teile seiner steigenden Bedeutung als
Reichskriegshafen, nicht seinem Handelsverkehr, denn dieser ist in den
Jahren 1894—1898 um 19,5% zurückgegangen!). Als Gründe giebt
die dortige Handelskammer an: einmal die Konkurrenz der benachbarten
Ostseeorte Flensburg, Lübeck und Rostock und sodann die Eröffnung
des Kaiser-Wilhelm-Kanals?). In Stettins rapider Steigung
macht sich dagegen der immer noch anhaltende gewaltige Aufschwung
von Handel und Gewerbe geltend. Uebrigens haben beide Städte auch
größere Einverleibungen in den letzten fünf Jahren vorgenommen. —
Kiel ist mit 107071 Einwohnern in die Reihe der deutschen Großstädte
etreten. — Daß Lübecks Bemühungen in den letzten Jahren, trotz der
Konkurrenz Hamburgs, Kiels und Stettins zu neuer Blüte zu gelangen,
schon jetzt von Erfolg waren, beweist der Umstand, daß es von den
nicht durch Einverleibung vergrößerten Städten das stärkste Wachstum
von 17 °/o aufzuweisen hat. Voraussichtlich wird dasselbe in den nächsten
Jahren infolge der Fertigstellung des Elb-Trave-Kanals noch bedeutend
zunehmen. Bremens und Hamburgs Wachstum bietet gegen die letzten
Zählungsperioden nichts Auffallendes.
Auch innerhalb der Stadt selbst vollzieht sich seit einer Reihe von
Jahren in den deutschen Großstädten eine Verschiebung, die meist noch
nicht abgeschlossen ist. Solange diese noch Festungen waren, geschah
eine Erweiterung derselben nur äußerst langsam, einmal weil ein längerer
Stadtumfang größere Verteidigungskräfte erforderte, und sodann, weil
ein Hinausschieben der Festungswerke immer ein sehr kostspieliges
Unternehmen war. Bei schnellem Wachstum einer Stadt trat infolgedessen
ein Mißverhältnis zwischen der Menge der Bevölkerung und dem
für diese verfügbaren Bauplatz ein. Daß dies in der That sehr oft der
Fall war, beweist schon die durchgehend große, vielleicht freilich manchmal
übertriebene Höhe der Häuser auf den mittelalterlichen Städteerspektiven,
wie wir sie z. B. in den Merianschen Topographieen finden.
Solche Mißverhältnisse haben auch die Wohnhöfe Hamburgs entstehen
lassen und die Kellerwohnungen Stettins gefüllt. Erst die Aufhebung
der Thorsperre und die Niederlegung der Wälle gestatteten eine angemessene
seitliche Ausbreitung, und die schnell emporgeschossenen
modernen Vororte unserer Großstädte verdanken ihre Entstehung zum
Teil dem Zuzug nach den Städten überhaupt, zum Teil aber dem Rückgang
der Bevölkerung in den inneren Stadtteilen.
Die Einwohnerzahl des inneren Hamburg ist in der Zeit von 1890
bis 1895 um 12,62% zurückgegangen. Dagegen zeigen manche peripherischen
Stadtteile eine außerordentlich hohe Zunahme; so sind die
!) D.R.St. 1900, II S. 45.
2?) So wunderbar diese Thatsache scheinen mag, so erklärt sie sich doch
leicht aus dem Umstand, daß die Schiffe, die früher nach der langen Umfahrt in
Kiel anlegten, jetzt nach Paseierung des Kanals direkt nach ihren Bestimmungsorten
weiterfahren und das etwa 7 km südlicher liegende Kiel umgehen. Darum
beabsichtigt die Stadt, nahe der Kanalmündung in der sogen. Wieker Bucht einen
neuen großen Handelshafen anzulegen, ein Plan, dem freilich der Militärfiskus bis
jetzt ablehnend gegenübersteht.