Volltext : Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Band 36. Sechste Abtheilung: Die kleinen deutschen Höfe. Zweiter Theil. (36_6_2)

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zwischen  den  bürgerlichen  und  adligen  Rittern,  auf  die
ich  sogleich  komme.  9“

Mit  Friedrich  Franz  kam,  wie  an  andern
Höfen  und  Höschen  Deutschlauds  der  damals  frühzeitig
mit  den  Revolutionsideen  ausgekommene  Kantssche
Idealismus  zur  Herrschaft:  die  größtmöglichste  Zahl
der  Schwarzröcke  Mecklenburgs  ward  dadurch  berückt,
und  predigte  fortan  dem  Obotritenvolke  vernunftgläubig
  Lon  den  Kanzeln.  Die  mecklenburgische  Ehren-Geistlichkeit
  verweltlichte  und  man  kann  sogar  sagen,
  Lerwilderte  nicht  wenig  unter  Friedrich  Franz,
dergestalt,  daß  er  sogar  sie  abmahnen  mußte,  nicht  so
vehement  Karten  zu  spielen  und  sich  nicht  so  auffallend
zu  kleidven.  Friedrich  Franz  selbst  war  emschieden
rationalistisch  tingirt,  er  schaffte  unter  andern  das  alte
orthodore  Ludwigeluster  Gesangluch  ab  und  gab  Auftrag
  „eine  Sammlung  guter,  von  mystischen  Ausdrükken
  gereinigter  Lieder“  herzurichten.  Diese  derbe  Vernunft
  war  mit  einer  noch  derberen  Sinnlichkeit  vergesellschaftet,
  der  er  den  Zügel  recht  mit  Vehagen  überließ:
  er  war  so  recht  ein  Musterstück  eines  oborritischen
Genuß=  und  Lebemanns  und  brauchte,  wie  schon  einmal
gesagt,  dazu  gar  viel  Geld.  Und  immer  wußte  Friedrich
Franz  das  gar  viele  Geld,  das  er  brauchte,  sich  durch
die  treuherzige  Weise,  in  der  er  mit  seinen  Ständen  umging,
  sich  zu  verschaffen:  ging  es  nicht  anders,  so  legte
er  sich  geradezu  aufs  Bitten  und  Schmeicheln  „ihn
doch  nicht  im  Stiche  lassen  zu  wollen“  im
plattdeutschen  Joiome.

1)  Hamschriftliche  Mitlheilung  aus  Mecklenburg.