Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

691  Spieler  —  Spieß.

twenn  wir)  abends  lange  gespielt  ..  hatten  Hauff
7,  9;  um  geld,  hoch,  mäüszig.  niedrig,  ehrlich,  falsch
spielen;  daz  ir  .  tuont  gewin,  ir  spislnt  hõhe  od
nidere  Flore  4767;  schon  zu  unglucklich  hab  ich  gespielt
  Schiller  Fiesko  4,  12;  von  der  Technil:  er  spielt
gut,  schlecht,  achtsam,  gewandt,  unaufmerksam;  von
der  Leidenschaft:  er  spielt,  ist  ein  Gewohnheitsspieler;
eingeengt  auf  ein  einmaliges  Spiel,  besonders  Kartenspiel,
  Gegensatz  zu  passen  (s.  d.  4  a.  E.):  ich  spiele
nicht,  ich  passc;  —  übertragen:  suczen  gedingen,  dã
bDi  jämers  vil:  der  zZweier  schanz  ich  gein  ir  hulden
spil  Lichten  stein  108,  33;  denkc.  du  spieltest  um  den
himmel  Schiller  Fiesko  1,  14;  soll  ich  frisch  um  mein
leben  spielen  Wallenst.  Lager  11;  mit  Acc.  =  spielend
einsetzen:  nicht  anstand  nahm  er,  andrer  ehr  und
würde  und  guten  ruf  zu  wurseln  und  zu  spielen
Wallenst.  Tod  4,  8;  mit  einem  falsch,  nicht  reine  sarbe
spichen;  Karlos,  Sie  spielen  falsch  Karl.  2,  8;  das
sichere  spielen  (sicher  gehen)  Simpl.  2,  229;  das  gewisseste
  zu  spielen  3,  433;  wenn  wir  nun  ..  das  gewisse
  spielten,  und  ihn  kurz  und  gut  beim  kopfe
nühmen?  Goethe  Clavigo  4;  einem  etwas  in  die  band
spielen:  hat  dir  dein  hofmeister  die  geschichte  des
Robins  in  die  hünde  gespiell  Schiller  Ränb.  3,2;
(wir)  spielen  das  (Billet)  ..  dem  mojor  in  die  hünde
Kab.  3,  1;  der  bedentendste  erfolg  ward  Langeron  in
die  hand  gespielt  Hänsser  d.  Gesch.  1,  284;  —  spielen.
bei  der  Aushebung  zum  Heer:  komm  beim  so  bald  du
kannst,  du  muszt  spielen  Hebel  2,  180;  wir  werden
bald  spielen  mussen,  wer  soldat  wird  Hauff  3,  35;
sich  zum  soldaten,  sich  frei  spicken.  —  Spielec,  m.
der  da  fpielt,  ahd.  spiläri,  mhd.  spiltere,  in  allen  Bed.
des  Verbums;  besonders  —  Schauspieler:  man  trete
aus  die  buhne  sclbst  und  gebe  acht,  wie  sieh  die  geschöpfe
  der  fantasic  im  spieler  verkörpern  Schiller
2,  3.15;  wo  dichter,  spicler,  schauer  sich  verbinden
Goetkhe  Mahomet;  Fem.:  der  aflektvrolle  ernst  dieser
spielerin  Schiller  1,  206;  —  Glücksspieler:  den  t  pelaren
  unde  den  spilern  Br  Berthold  1,  231;  von
einem  aus  Leidenschaft  Spielenden:  er  ist  ein  spieler;
sprichwörtlich:  junger  spicler,  alter  dettler  Simrock
526;  in  Bezug  auf  die  Technik:  er  ist  ein  guter.
Ussiger,  unaufmerksamer  spicler;  bildlich  und  im  Vergleich:
  der  verschlagene  spieler  hats  nur  in  Ciner  karte
versehen  Schiller  Fiesko  5,  16;  nicht  wie  ein  verwegener
  spicler  das  ganze  nochmals  auss  spicl  zu  setzen
Bismarck  Red.  3,  55.  —  Spielerci,  s.  das  Spielen
mit  dem  verächtlichen  Beisinne  des  Leichten  oder  Läppischen,
  und  das  so  Entstandene:  spiclerey,  ludicra
Frisch  als  Wort  des  gemeinen  Lebens:  das  ist  nur
spiclerei,  nichts  ernstes;  das  zu  machen,  war  ihm  eine
spiclerei;  das  ende  von  spielereien  und  kunsteleien
gar  nicht  fiaden  Goethe  53,  206;  spielerei,  die  ich
mit  meinem  namen  mache  Grabbe  1,  386.

Spiere,  f.  1)  in  der  Schifffahrt  lange  Stange  zu
Nahen  und  Masten;  mit  niederd.  spiersch,  Sparrwerk
zusammenhängendes  Wort,  weiter  verwandt  zu  niederd.
spier,  Spitze,  Gras=  oder  Kornspitze:  schwarz  der  mast.
und  schwarz  ist  spier  und  rumpf  Strachwitz  Ged.
112;  von  raan  und  spieren,  mast  und  bord  Heyse
1,  322.  2)  anderes  spiere,  auch  spierschwalbe,  die
Turm=  oder  Mauerschwalbe.  —  Spierling,  m  eine  lleine
Weißfischart,  cyprirus  aphija;  spirena,  apirula
spirinck,  spierinek,  spirlinek.  spirling  Dief.

Spieß,  m.  1)  Stangenwasse  mit  Stoßeisen;  abd.
speoz,  spioz,  mhd.  spiez,  altniedersränk.  spiet,  mud.
spet,  speit,  altnord.  entspricht  das  Neutr.  spjot:  ohne
sonstige  Verwandte;  die  Vermutung  daß  das  Wort  Ausfall
  eines  inneren  r  erlitten  habe,  und  zu  altengl.  spreot
Stange,  Spieß,  niederl.  spriet,  weiterbin  zu  sprieszen
und  spros=  gehöre,  ist  wohl  zurückzuweisen.  euspis
sbiesz,  spies,  spisz  Dies.;  der  schaft  scines  spieszes

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das  cisen  seines  spieszes  1.  Sam.  17,  7;  schilt  und
spies  I.  Chron.  13,  d;  werden  sie  .  .  ihre  spiesse  zu
Ssicheln  machen  Jes.  2,  4;  als  Wasse  für  Krieg  und
Jagd,  lundsknecht-,  jagd-  wurfspies,  früher  auch  zum

Spießbraten  —  Spießgefell.

Schutz  auf  der  Reise  von  Boten  getragen,  botenspicsz:

älter  mit  einem  spiesz  schieszen  Stieler;  hat  scinen
spiesz  nach  Seufriden  geschossen  Wickram  Goldf.  P25;
mich  mit  scinem  spiesz  zu  erschieszen  8  26;  jetzt  mit
dem  spiesze  stlchen,  durchstechen,  durchbohren;  eber,
der  blind  auf  den  spiesz  rennet  Lessing  10,  129;  die
gerechtigkeit  ..  pflanzt  ihre  schlauköpfe  auf  spicsze
Schiller  Fiesko  1,  9;  als  kriegerische  Todesstrase:
durch  die  spicsz  jagen,  als  es  bei  den  landsknäüchten
gebreuehlien  Maaler;  Zeichen  der  Ubernahme  und
Besitzergreifung  lvgl.  Grimm  Rechtöalt.  163  und  speer):
der  (Alemanne,  der)  zur  zeit  der  landteilung  seinen
sbiesz  dort  in  die  erde  steckte  und  einen  hof  baute
Keller  Werke  1,  11;  Zeichen  des  freien  Marltlaufs:
einen  spisz  auf  dem  markte  uusstecken,  Laskom  in
soro  ponere  Steinbach;  in  Redensarten:  den  spiesz
wieder  sich  selbst  kehren,  Lorkom  in  se  retorquere
ebd.;  den  spiesz  umdrehen  (Treitschke  1,  677),  umkehren
  (Moltke  7,  91),  das  Widerspiel  vornehmen;
schreien  wie  am  spiesze,  als  ob  ciner  am  spiesze  stake;
—  spiesz  in  älterer  Spr.  —  spießbewassneter  Krieger:
legten  zu  Essling  ein  250  spis  und  250  schutzen
D.  Städtechr.  1,  35.  2)  anderes  spicsz,  in  der  alten
Spr.  mit  vom  vorigen  ganz  verschiedener  Form,  später
mit  ihm  zusammengeworsen  idoch  trennt  noch  Schottel
spies  Raska  von  spisz  verit),  —  Spitze  und  spitziges
Gerät,  ahd.  mhd.  spig,  altengl.  spitu.  zu  spitz  und
spitze  gehörig;  alt  und  häusig  —  Bratfpieß:  reru
spit,  spisz,  Spisse,  spiesz,  niederd.  spyt,  spit,  spet
Dief.;  die  gans  vom  spisz  Garg.  89;  stecktens  (das
Geslügel)  an  ein  hölzernen  spisz.  da  fing  ieb  an,
braten  zu  wenden  Simpl.  2,  221;  den  ganzen  fetten
ochsen  an  einem  ungechenren  spiesze  bei  koblenfener
braten  Goethe  DuW.  5;  sonst  —  Splitter,  wie  mhd.
spiz:  spiesz  heiszt  an  einigen  orten  ein  splikter  oder
spahn  den  man  sich  in  die  hand  stöst  Frisch;  in
technischer  Spr.,  bei  Lichtziehern  —  gespitzter  Stab,  die
Dochte  zu  den  Lichten  daranf  zu  reihen;  bei  Jägern
und  Vogelstellern  Stange  zum  Feststecken  der  Steck
garne;  Holz  an  das  man  gesangene  Vögel  reiht,  auch
eine  bestimmte  Zahl  solcher  aufgereibter  Vögel,  besonders
  Krammetsvögel,  Drosseln,  Lerchen;  Gehörn  des
Rot=  und  Dammwildes,  des  Rebbocks,  so  lange  nur
zwei  einfache  Spitzen  da  sind;  bildlich,  von  einem  jungen
unbedachten  Menschen,  er  läuft  noch  mit  dem  ersten
spiesze  Adelung:  bei  Buchdruckern  spiesz,  zu  hoch
stehendes  und  daher  fehlerbast  sich  mit  abdruckendes
Spatium;  in  der  Glasbütte  heißen  spiesze  lange
Stangen,  die  Ofen  zu  reinigen;  in  der  älteren  Studenten-=spr.
  spiesze  —  Geld.  —  Zusammensetzungen  zu  !  und?:
Spießbraten,  m.  am  Spieße  zu  bratendes  oder  gebratenes
  Stück  Fleisch.  —  Spicßbürger,  m.  nach  der
Erklärung  Adelungs  ein  mit  dem  Spieß  bewassneter,
zu  Fuße  dienender  Bürger,  auch  glefenburger  (glevenburger
  Frisch;  nach  mbd.  glerin.  gleve  Lanze,  Spieß;
vcrächtlich  für  einen  Mann  von  lleinbürgerlichem,  beschränktem
  Gebaren:  von  der  gutmuthigen,  behaglichen
  ruhe  der  spieszburger  Hauff  5,  26;  dazu:
unsere  alte  spieszburgerei  Freytag  Erinn.  195;  in
einem  schr  spieszburgerlichen  aufzuge  Seume  Spaz.
l.  86;  er  walzt  ertrüglich,  etwas  spieszburgerlich  Freytag
  Soll  1,  187.  —  Spießgerte,  f.  wie  spieszrute:  zwo
spiszzerten  Simpl.  3,  71.  —  Spießgesell,  m.  spießbewassneter
  junger  Krieger  (mhd.  spiergenoz):  spicszgescll.
  der  cin  spiesz  oder  glun  furt,  (ance#rius
Maaler;  mit  Rücksicht  auf  die  Stellung  unter  feines
Gleichen,  Kriegs-,  Kampfgenosse:  spieszgesell,  commiles,
  commiktto,  common#/0  ebd.;  liber  spiszgesell