Full text : Die Gründung des Deutschen Ordenstaates in Preußen.

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getreten,  so  hatte  Christian  dem  Orden  das  Vertrauen  des  Volkes
entzogen,  Partei  gemacht,  das  fromme  Werk  der  Ritter  gehindert,
wider  Gott  und  die  Menschen  gesuündigt.  Die  Vorstellung,  welche
der  Legat  dem  Papste  von  Christian  gegeben  hatte,  wurde  ihm  durch
diese  Klagen  zur  vollesten  Gewißheit  erhoben  und  erfüllte  ihn  mit
Schmerz  und  Entrüstung.  Wie  konnte  er  anders  denken,  als  daß  der
Bischof,  über  des  Ordens  Glück  neidisch  geworden,  seinen  frommen,
heiligen  Bestrebungen  hemmend  entgegenwirke  und  das  Werk  der  Verbreitung
  des  Glaubens  unverantwortlich  gefährde!  Freilich,  hätte  er
die  zarte  Gewissenhaftigkeit  des  Bischofs  in  Bezug  auf  die  Ablässe
gekannt,  wie  sie  in  einem  Falle,  wo  es  sich  nicht  um  Eigennutz.  sondern
  um  Würde  und  Freiheit,  ja  um  das  Leben  gehandelt.  im  Jahre
1240  sich  bewährt,  —  hätte  er,  im  Gegensatz  dazu.  gewußt,  wie  die
Ritter  sich  nach  des  Bischofs  Gefangennehmung  in  höchst  unedler
Weise  hatten  der  Gelder  bemächtigen  wollen,  wäre  ihm  überhaupt  die
ganze  Geschichte  des  Bischofs  und  des  Ordens  in  Preußen  nicht  ganz
verborgen  gewesen,  so  würde  er  jene  Anklagen  auf  ihren  wahren
Werth  zurückgeführt  haben.  Nun  aber  war  es  ihm  nicht  möglich,  sie
zu  durchschauen;  so  begegnete  er  denn  dem  Bischofe,  wie  der  Orden
es  wünschte.  In  einem  ausführlichen  Briefe  über  die  dem  Bischof
zur  Last  gelegten  Beschwerden  gab  er  dem  Predigerprior  zu  Magdeburg
  den  Auftrag,  Christian  alles  Ernstes  zu  ermahnen,  daß  er,
seiner  Würde  und  seines  hohen  Alters  eingedenk,  von  solch  ungerechtem,
  ungeziemendem  Benehmen  abstehen  und  den  Paypst  nicht  in  die
Lage  versetzen  möge,  weitere  Maßregeln  zu  ergreisen.  Ueber  die  Wirkung,
  welche  diese  Ermahnung  bei  Christian  haben  werde,  sollte  der
Prior  an  den  Papst  berichten.  302)

302)  Cod.  d.  Pr.  I.  57.  D.  d.  Anagni  1.  Oktober  1243.  Das  bisher  Gesagte
  beweist  zur  Genüge,  daß  der  Legat  Wilhelm  1)  bis  zum  Oktober  1243  nicht
nach  Preußen  abgereist  war,  2)  daß  der  Papst  im  Oktober  1243  —,  einer  Zeit  zudem,
in  welcher  sich  die  bisher  bestandnen  Hindernisse  erst  recht  steigerten  (vgl.  Böymer