Contents : Die Kriegswirtschaft in Stolp 1914-1919.

für  die  Kartoffelversorgung  immer  so  bedenkliche  Zeit  vor  dem  Beginn
der  Frühkartoffelernte  ohne  merkbare  Schwierigkeiten  vorüber.

Im  Herbst  1918  trat  wieder  das  aus  den  letzten  Jahren  bekannte
Verfahren  in  seine  Rechte,  allerdings  ohne  Konflikte  mit  dem  Kreisausschuß.
  Das  Bezugsscheinverfahren  vor  allem  nahm  an  Beliebtheit  zu,
sodaß  die  dadurch  gelieferte  Karkoffelmenge  die  vorjährige  mit  65  569
Ztr.  um  fast  6000  Ztr.  überstieg.  Diesmal  machte  es  dafür  Mühe,  eine
halbwegs  zureichende  Ueberweisung  durch  die  RéK.  durchzusetzen,  da  diese
in  ihrem  Voranschlag  wieder  einmal  nicht  bedacht  hatte,  daß  ein  erheblicher
  Teil  des  Stadtkreises  von  Eingesessenen  des  Landkreises  bewirtschaftet
  wurde.

Auch  im  Wirtschaftsjahr  1919/20  wurde  im  wesentlichen  an  dem
alten  Verfahren  festgehalten.  Allerdings  wurde  diesmal  die  Kartoffelverkeilung
  nicht  auf  die  Angaben  der  Kommunalverbände  gegründet,  weil
diese  nach  Ansicht  der  RK.  ihre  Ernte  zu  niedrig  angaben,  „um  ihre  Leistungsfähigkeit
  nach  außen  hin  tunlichst  einzuschränken“;  statt  dessen
wurde  der  voraussichtliche  Ernteertrag  ziemlich  willkürlich  nach  der  Anbaufläche
  und  einer  angenommenen  Durchschnittsernte  geschätzt.

Im  Jahre  1920  kam  es  zu  offenem  Aufruhr  gegen  die  RK.,  noch
ehe  sie  ihr  natürliches  Ende  gefunden  hatte.  Diesmal  war  die  RK.  auf
den  Gedanken  gekommen,  die  Kommunalverbände  Lieferungsverträge
abschließen  zu  lassen,  in  denen  sie  zur  Abnahme  der  festgelegten  Mengen
  zu  jedem  Preis  verpflichtet  werden  sollten.  Die  RK.  hatte  dabei
mit  einer  Anmeldung  von  120  Millionen  Zentnern  gerechnet,  aber  der
Widerstand  der  Landwirtschaft  war  so  stark,  daß  nur  33  Millionen  katsächlich
  gezeichnet  wurden.  Der  Magistrat  Stolp  schrieb  zu  diesem  Plan:
„die  geplante  Bewirtschaftung  erachten  wir  für  das  unglüchlichste  Projekt,
  das  bisher  in  der  Kartoffelbewirtschaftung  vorgelegen  hat,  und  wir
würden  erleichtert  aufatmen,  wenn  der  Handel  freigegeben  würde“.  Er
machte  sich  deshalb  endgültig  von  der  RK.  unabhängig  und  traf  zum
Winter  ein  Abkommen  mit  dem  Pommerschen  Landbund,  der  die  Versorgung
  der  Stadt  übernahm.  Damit  hatte  die  Kartoffelbewirkschaftung
ihr  Ende  gefunden.

Ueber  die  Stellung  der  Einwohnerschaft  und  der  Kleinhändler  zur
Kartoffelfrage  ist  nicht  viel  zu  sagen,  da  sich  ja,  abgesehen  von  der  Rationierung,
  die  Versorgung  der  Bevölkerung  in  ganz  ähnlichen  Bahnen
bewegte  wie  im  Frieden.  Daß  für  die  meisten  Bürger  die  ewigen
Bestandsaufnahmen  und  Revisionen,  die  immer  wechselnde  Einteilung

55