4 Der Weg zum Ende
Im Kriege verdienen zwei Gruppen, die schaffenden und die verteilenden. Krupp
hat selbstverständlich außerordentlich stark verdient. Er hat auch Außerordentliches
geschaffen und geleistet. Die orientalischen Damen aus Berlin, die zur Sommerszeit
in Garmisch im Deandlgwand und mit zehn Brillantringen am Finger herumlaufen,
entstammen niemals den schaffenden Schwerindustrie- und ähnlichen Kreisen,
sondern einer Kriegsgewinnlerschicht, die aus dem Verteilen, nicht dem Schaffen
ihre Gewinsie zog. Indem sie z. B., nachdem sie aus den Kriegsgesellschaften
erfahren hatte, es stünde nächstens die Beschlagnahme einer Ware bevor, im ganzen
Land die Ware aufkaufte und nach der Beschlagnahme unter der Hand allmählich
im Land wieder verteilte. Während der ganzen vier Jahre ist noch niemals in
meinem Dorfwirtshaus die Neuigkeit aufgetaucht, der Krieg werde von Kriegsgewinnlern
dieser Art verlängert, damit sie recht viel verdienen. Der Spruch, der Krieg
werde aufhören, wenn jeder preußische Jude Millionär sei, ging nur in besseren
säddeutschen Kreisen um. Obwohl nur diese Art Kriegsgewinnler die echten
Kriegs gewinnler sind. Krupp verdient nämlich auch ohne Krieg recht schön; aber
ein Pfund Stärke in roo Teile zu teilen, jeden Teil mit etwas Gelakine und Dreck
zu vermischen, eine schöne Papierhülle herumzutun und dann das Ganze als
teures, neues Nahrungsmittel zu verkaufen — auch eine sehr beliebte Form des
„Verteilens“ —, geht nur im Krieg. Ihrer parteipolitischen Richtung nach gehören
diese Kriegsgewinnler alle den Parteien an, welche durch ihre Friedensangebote
den Krieg in wahrhaft kunstvoller Weise zu verlängern verstanden haben.
Der Schluß, diese Parteien hätten des Gewinns ihrer wichtigsten geldgebenden
Freunde wegen die Friedensangebote gestellt, wäre natürlich ebenso falsch als der
aus den Verdiensten der Schwerindustrie auf ihr Interesse an der Kriegsverlängerung;
aber er wäre an sich ebenso berechtigt. Wenn er im eigentlichen Volke nie im
gleichen Maße gezogen wurde wie bei der Schwerindustrie oder bei der Landwirtschaft,
so ist das ein schlagender Beweis dafür, wer die Stimmungsmache im Volke bei uns
in der Hand hat. Diese Frage ist ja eigentlich auch schon beantwortet durch die Beantwortung
der anderen Frage, wer bei uns das im Volke wirksamste Stimmungs-=mittel,
die Presse, in der Hand hat. In den weniger gebildeten Schichten ist es die von
Juden geleitete sozialdemokratische Presse, in den gebildeten Schichten die von Juden
geleitete liberale Presse oder die alljüdisch beherrschte Regierungspresse. Das Zentrum
ist mit Freisinn und Sozialdemokratie verbündet und tut ihnen nicht weh.
Unsere Lage hing bis zuletzt ganz ab von der Stimmung im Heere und
noch mehr von der im Volke, denn die Stimmung im Heere richtete sich nach der
im Volke. Schon lange galten die Tage, an denen die Heimatpost ankommt, an
der Front als ungünstig für Sturmangriffe. Wir brauchten nur die Stimmung
und waren dann unüberwindbar.
Aber bis zum Hochsommer 1918 hatten die Stimmungsmörder der Heimat,
die Regierungen Bethmann und Hertling, Sozialdemokraten, Freisinn, Jentrum,
das sich nach der Papstnote voll angeschlossen hatte, und Kriegsgesellschaften ihr
Ziel erreicht: was sie so unermüdlich gepredigt hatten, die Unmöglichkeit für das
deutsche Volk, den Sieg zu erringen, wurde nun geglaubt. Oamit erst war der
Boden geschaffen, auf dem sich die jahrelangen Demokratisierungs= und Umsturzwühlereien
Alljudaans und seiner beiden Parteien ausbreiten konnten. Bis dahin
waren es, wenn auch zahlreiche, so doch vereinzelte Herde in der im allgemeinen
noch widerstandsfähigen Masse; nun war die Widerstandsfähigkeit gebrochen, und
die Fäulnis griff mit rasender Schnelligkeit um sich.