Metadata : Die Freimauerer, deren Ursprung, Geschichte, Verfassung, Religion und Politik.

—  10  —

und  Kirchen  einen  religiösen  und  also  auch  mysteriösen
Charakter  erhält.

Die  Steinmetzen,  bei  den  Römern  und  im  frühesten
Mittelalter  Caementarü,  im  13.  Jahrhundert  sculptores
lapidum  liberorum  (Behauer  freier  Steine),  im  14.  Jahrhundert
  nach  dem  Griechischen:  latomi  und  altenglisch  fremaceons
  (Freimaurer),  lateinisch  liberi  muratores  genannt,
traten  als  geschlossenes  Gewerbe  seit  der  Völkerwanderung
zuerst,  dem  religiösen  Charakter  der  Baukunst  gemäß,  in
den  Klöstern  auf,  deren  Angehörige  die  Gebäulichkeiten,
deren  sie  bedurften,  selbst  errichteten,  wie  sie  auch  für  alle
übrigen  Bedürfnisse  selbst  sorgten.  Jedes  Kloster  hielt
Handwerker  aller  Art,  welche,  ohne  Geistliche  zu  sein  und
oft  ohne  die  Gelübde  abzulegen,  in  den  Räumen  desselben
wohnten.  Unter  solchen  Bauarbeitern  nun  soll  zuerst  der
Abt  Wilhelm  von  Hirschau,  welcher  am  Ende  des  elften
Jahrhunderts  lebte,  einen  Verein  zur  Pflege  der  Baukunst
errichtet  haben.

So  lange  die  Baukunst  unter  der  Leitung  der  Klöster
stand,  huldigte  sie,  weil  diese  unter  der  Herrschaft  des
römischen  Stuhles  standen,  auch  dem  römischen  (romanischen)
  Baustile,  welcher  mit  seinen  einfachen  Säulen,
runden  Bögen,  gedeckten  und  zusammengedrückten  Turmspitzen
  ein  Beugen  und  Schmiegen  unter  fremde  Autorität
ausdrückte.  Es  dauerte  dies  Verhältnis,  so  lange  sich  die
Klöster  und  ihre  Mönche  überhaupt  mit  Kunst  und  Wissenschaft
  beschäftigten.  Sobald  letzteres  aufhörte,  im  elften
und  zwölften  Jahrhundert,  sahen  die  Bauarbeiter  auch  nicht
mehr  ein,  warum  sie  ferner  Mönchen  dienen  sollten,  die
nur  noch  für  Wein,  Jagd  und  Krieg  Sirnn  hatten,  ihre
Tempelhallen  zerbröckeln  und  ihre  Pergamentschätze  vermodern
  ließen.  So  entstanden  auch  außerhalb  der  Klöster
Vereine  von  Bauleuten,  namentlich  in  den  Städten,  und
die  Klosterkirchen  blieben  an  Größe  und  Pracht  hinter  den