Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1874. (40)

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eines  poetischen  Lesestücks,  wobei  auch  die  Kenntnisse  in  der  Literatur  der  Sprache  und
die  Sprechfertigkeit  zu  ermitteln  sind.

Die  Lehrprobe  wird  in  einer  der  Oberklassen  einer  höheren  Volksschule  abgehalten
und  ist  die  Aufgabe  dazu  so  zu  bemessen,  daß  jeder  Candidat  Gelegenheit  findet,  seine
Befähigung  zu  sprachwissenschaftlicher  Behandlung  des  Stoffes  und  zur  Anleitung  in
correctem  Sprechen  zu  bethätigen.

*  33.  Was  diese  Fachprüfungen  betrifft,  so  sind  dieselben  bezüglich  der  Darlegung
der  erworbenen  Fertigkeiten,  fachwissenschaftlichen  Kenntnisse  und  practischen  Lehrgeschicklichkeit
  in  derselben  Weise  und,  soweit  dies  thunlich  ist,  auch  der  Zeit  nach  zugleich  mit
den  betreffenden  Abtheilungsprüfungen  der  Wahlfähigkeitsprüfung  abzuhalten  (vergl.
hierzu  §  24,  Absatz  6  und  §  28,  Absatz  2  dieser  Prüfungsordnung).

Außerdem  aber  hat  jeder  Aspirant  sich  einer  schriftlichen  Prüfung  zu  unterwerfen;
  in  dieser  ist  zu  liefern

a)  ein  deutscher  Aufsatz,  in  welchem  der  Aspirant  von  seiner  allgemeinen  und  sprach-Prüfung

  in
der  Musik,  im
Schönschreiben,

Turnen  und

Zeichnen.

lichen  Bildung  Zeugniß  ablegen  kann  (§  32,  Absatz  1);  zu  dessen  Anfertigung

ist  eine  Zeit  von  8  Tagen  zu  gewähren;
b)  eine  deutsche  Clausurarbeit  über  eine  Frage  des  betreffenden  Fachunterrichts.

Die  deutsche  Arbeit  sub  a  kann  eventuell  dasselbe  Thema  als  diejenige  haben,  welche
von  den  die  gesammte  Wahlfähigkeitsprüfung  Bestehenden  zu  bearbeiten  ist.

Was  die  Prüfung  für  den  Unterricht  im  Schönschreiben  und  im  Zeichnen  betrifft,
so  hat  jeder  Aspirant  einige  Proben  seiner  Fertigkeit  vorzulegen,  beziehentlich  nach  Umständen
  unter  Clausur  zu  liefern.

In  der  Lehrprobe  hat  er  insbesondere  nachzuweisen,  daß  er  im  Stande  ist,  die

Fehler  der  Schüler  gehörig  zu  corrigiren,  auch  an  der  Wandtafel  eine  correcte  Vorschrift,
  beziehentlich  Vorzeichnung  zu  geben.

34.  Diejenigen,  welche  bei  Erstehung  dieser  Prüfung  mindestens  die  Hauptcensur
  II  erhalten,  können  zur  Ertheilung  des  betreffenden  Unterrichts  auch  an  Seminaren
  und  Realschulen  II.  Ordnung,  nach  Befinden  auch  an  anderen  höheren  Unterrichtsanstalten
  zugelassen  werden,  wogegen  Diejenigen,  welche  nur  die  Hauptcensur  V
erreichen,  auch  zum  Unterrichte  in  den  Oberklassen  der  mittleren  und  höheren  Volksschulen
  nicht  zuzulassen  sind.  Es  soll  aber  den  Geprüften  freistehen,  wenn  sie  den  II.,
beziehentlich  den  V.  Hauptcensurgrad  nicht  erreichen,  sich  nach  Ablauf  von  3  Jahren
zur  Erlangung  eines  höheren  Censurgrades  nochmals  dieser  Prüfung  zu  unterwerfen.

Besondere,
durch  die  Fachlehrerprüfung


begründete

Rechte.