Metadata : Das Handelsgesetzbuch für das Deutsche Reich. Zweiter Band. (2)

5  238  (Nr.  5—10).  3.  Abschnitt.  Aktiengesellschaft.  3.  Titel.  119

sellschaft  und  den  Gläubigern  verantwortlich  sei,  ist  unrichtig.  Die  Vorstandsmitglieder
  haften  jedenfalls  bei  erlaubter  Bestellung  von  Prokuristen  nur  für  die
Beobachtung  der  Sorgfalt  ordentlicher  Geschäftsmänner  bei  der  Auswahl  und
Uberwachung  (B.G.  B.  F  664  Absf.  1).

6.  Machtbefugnis  des  Prokuristen.  Nach  §  49  ermächtigt  die  Prokura  zu  allen  Nr.  6.
Arten  von  gerichtlichen  und  außergerichtlichen  Geschäften  und  Rechtshandlungen,
die  der  Betrieb  eines  Handelsgewerbes  mit  sich  bringt.  Die  Aktiengesellschaft  ist
Handelsgesellschaft,  auch  wenn  der  Gegenstand  des  Unternehmens  nicht  in  dem
Betrieb  eines  Handelsgewerbes  besteht  (5  210  Abs.  2).  Ihr  Geschäftsbetrieb  gilt
stets  als  Betrieb  eines  Handelsgewerbes  (oben  Nr.  5  zu  §  210).  Dies  muß  auf
die  Vollmacht  des  Prokuristen  einwirken,  da  ein  solcher  von  jeder  Aktiengesellschaft
bestellt  werden  kann.  Weil  nach  Aktienrecht  der  Geschäftsbetrieb  einer  Aktiengesellschaft
  und  der  Betrieb  eines  Handelsgewerbes  gleichgestellt  sind,  ist  ber  Prokurist
einer  Aktiengesellschaft  zu  allen  Vornahmen  ermächtigt,  die  der  Geschäftsbetrieb  irgend
einer  Aktiengesellschaft  mit  sich  bringen  kann  (einschränkend  Makower  Anm.  Lch,
natürlich  unbeschadet  der  Bestimmung  in  §  49  Abs.  2.  Die  Ermächtigung  nach
dieser  letzteren  Vorschrift  wird  vom  Vorstand  erteilt.

Auch  im  Verhältnis  nach  innen,  den  Aktionären  gegenüber,  ist  der  Prokurist
Ersatz  für  den  Vorstand,  es  sei  denn,  daß  die  Erledigung  eines  Geschäfts  von  Gesetz
und  Gesellschaftsvertrag  unverkennbar  nur  dem  Vorstand  selbst  zugewiesen  ist  (dazu
R.O.  H.G.  VII  S.  416  f.).

7.  Eine  Beschränkung  der  Prokura  ist  grundsätzlich  Dritten  gegenüber  unwirk.  Nr.  7.
sam  (5  50  Abs.  1,  2).  Ausnahmsweise  ist  die  Beschränkung  auf  den  Betrieb  einer
von  mehreren  Nlederlassungen  wirksam,  wenn  diese  unter  verschiedenen  Firmen  betrieben
  werden,  wobei  die  Verschiedenheit  schon  durch  einen  Zusatz  begründet  wird,
der  die  Firma  als  solche  einer  Zweigniederlassung  bezeichnet  (§  50  Abs.  3).  Die
Aktiengesellschaft,  die  immer  nur  eine  Firma  hat,  kann  für  eine  Zweigniederlassung
einen  die  Eigenschaft  derselben  andeutenden  Firmenzusatz  (Filiale,  Zweigniederlassung
in  X.),  annehmen,  wie  sie  unter  Umständen  für  veefelbe  einen  unterscheidenden  Zusatz
wählen  muß  (§  30  Abs.  3).  Ist  dergestalt  im  Sinne  des  §  50  Abs.  3  eine  Firmenverschiedenheit
  hergestellt,  so  wird  eine  Bestellung  von  Prokuristen  mit  Beschränkung
auf  die  Hauptniederlassung  oder  auf  eine  Zweigniederlassung  durchführbar.  Der
Prokurist  der  Einzelniederlassung  vertritt  aber  bei  den  für  diese  Niederlassung  vorgenommenen
  Geschäften  und  Rechtshandlungen  die  Aktiengesell  aft  wie  ein  Prokurist

berhaupt  (über  solche  Sonderprokuren  für  das  bisherige  Recht  Johow  XII  S.  30ff.,
O.L.G.  Dresden  in  3.  XXXIV  S.  567  f.).

8.  Der  Widerruf  der  Prokura  (5  52)  steht  dem  Vorstand  als  Vertreter  und  Nr.  8.
Geschäftsführer  der  Gesellschaft  zu.  Einer  Zustimmung  des  Aufsichtsrats  bedarf  es
auch  im  Verhältnis  nach  innen  nicht.  Der  Gesellschaftsvertrag  und  die  Generalversammlung
  können  anders  bestimmen.  Da  das  Organ,  das  der  Bestellung  von
Prokuristen  zustimmen  soll,  berufen  ist,  die  Gesellschaft  vor  Überflüssigen  und  untüchtigen
  Prokuristen  zu  schützen,  kann  es  auch  den  Widerruf  der  Prokura  vom
Vorstand  verlangen  (a.  A.  Goldmann  Nr.  19,  Brand  Nr.  6).

Das  Erlöschen  der  Prokura  ist  vom  Vorstand  zur  Eintragung  anzumelden
(5  53  Absf.  3).

9.  Früher  war  in  Art.  235  bestimmt,  daß  der  Geschäftsbetrieb  mit  ent.  Nr.  9.
sprechender  Vertretung  auch  sonstigen  Bevollmächtigten  oder  Beamten  der
Gesellschaft  zugewiesen  werden  könne.  Dies  ist  als  überflüssig  gestrichen.  Es  versteht
  sich  von  selbst,  daß  die  Aktiengesellschaft  Angestellte  und  Vertreter  wie  jeder
Kaufmann  haben  kann.  Die  Bestellung  liegt  regelmäßig  dem  Vorstand  ob.  Mit
Wirkung  nach  innen  kann  er  hierin  beschränkt  werden,  mit  Wirkung  nach  außen
nicht,  so  daß  er  selbst  die  weitgehendste  Generalvollmacht  in  einer  Dritten  gegenüber
  verbindlichen  Weise  zu  erteilen  vermag  (vgl.  R.G.  Z.  XXII  S.  75).  Im  Verältnis

  zu  der  Gesellschaft  überschreitet  der  Vorstand  durch  Bestellung  eines  Generalevollmächtigten

  die  Grenzen  seiner  Zuständigkeit.  Auch  zum  Widerruf  der  Vollmacht
ist  der  Vorstand  nach  außen  hin  schlechthin  befugt.  m  übrigen  gelten  für  die
Bevollmächtigten  und  Gehilfen  der  Gesellschaft  die  allgemeinen  Regeln.

10.  Das  ältere  Recht  des  G.  von  1884  betreffs  der  Prokuristen  stimmte  Nr.  10.
überein  (vgl.  aber  Nr.  5  zu  §5  50,  Nr.  4  zu  §  51,  Nr.  4  zu  §  53).