114 24. Die Friedenskonferenz im Haag.
vervollkommnet, und wir wollen dieselben nur zu dem Zwecke vervollständigen,
um unser Territorium und unsere wohlerworbenen Rechte gegen
ungerechten feindlichen Angriff zu schützen. Von unserer Seite wird der
Frieden nicht gestört werden. Für das Gegenteil kann ich keine Garantie
übernehmen, und gegen eine Möglichkeit, die nicht ausgeschlossen ist, müssen
rechtzeitige Vorsichtsmaßregeln ergriffen werden. Also, meine Herren,
bei der friedlichen Richtung und friedlichen Tendenz unserer Gesamtpolitik
haben wir dem Vorschlage Seiner Moajestät des Kaisers von Rußland,
der dem Frieden dienen sollte, und der davon ausging, daß jeder die
Rechte des anderen zu achten habe, selbstverständlich nicht nur in keinem
Augenblick irgendwelche Schwierigkeiten in den Weg gelegt, sondern wir
haben diesen Vorschlag bereitwillig angenommen, nachdem festgestellt worden
war, daß durch die Konferenzverhandlungen der territoriale status quo
der beteiligten Mächte nicht tangiert werden sollte; und wir haben uns
an den Konferenzverhandlungen eifrig und, wie ich wohl sagen kann, auch
mit gutem Erfolg beteiligt.
Ueber unsere Haltung zu den verschiedenen Fragen, mit denen sich
die Konferenz beschäftigt hat, möchte ich aus dem Zirkularerlaß, den ich
nach dem Abschluß der Konferenzverhandlungen an unsere Missionen im
Auslande gerichtet habe, einiges mitteilen. Vorher will ich aber noch
erwähnen, daß die Konventionen und Deklarationen der Haager Konferenz
von unserer Seite nur deshalb nicht sogleich unterzeichnet worden sind,
weil dieselben zunächst einer eingehenden Prüfung durch die beteiligten
Zentralbehörden im Reiche und durch das preußische Staatsministerinm
unterzogen worden sind. Nachdem diese Prüfung keine Bedenken ergeben
hatte, sind die Konventionen und Deklarationen von deutscher Seite unterzeichnet
worden. Diese Konventionen und Deklarationen werden auch
veröffentlicht werden, und wir werden die Ehre haben, sie der Kenntnis
dieses hohen Hauses zu unterbreiten, sobald die Ratifikation derselben
stattgefunden haben wird.
Was nun, meine Herren, unsere Stellung zu den einzelnen Fragen
betrifft, die auf der Konferenz zur Sprache gekommen sind, so gestatte
ich mir also das Nachstehende aus dem Zirkularerlaß mitzuteilen:
Wir hatten unsere Beteiligung zugesagt, wenn und solange
alle übrigen Großmächte dabei wären. Zugleich hatten wir bei
Annahme der Einladung ausdrücklich die Voraussetzung gemacht,
daß eine Minorität der Konferenz nicht verpflichtet sein könne,
sich einem Votum der Majorität zu unterwerfen. Die deutschen
Delegierten waren ferner angewiesen, an den Beratungen über