Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

                                            —687—                                                                               Sperrung  des  Hafens  von  Smyrna  auf  der  Reede  von  Vurla  verankert
war.  Zwei  englische  Torpedobootzerstörer  forderten  die  beiden  Schiffe
auf,  sich  innerhalb  zehn  Minuten  zu  ergeben.  Die  Kapitäne  lehnten  die
Uebergabe  kategorisch  ab,  setzten  die  Mannschaften  ans  Land  und  brachten
selbst  beide  Schiffe  zum  Sinken.  Bezüglich  dieses  Vorfalls  wird  hervorgehoben,
  daß  sich  England  einer  Verletzung  des  Völkerrechts  schuldig  gemacht
  hat,  indem  es  einen  Augriff  auf  Schiffe  unternahm,  die  als  neutral
anerkannt  waren.  Die  „Beyruth“  war  in  das  Rote  Meer  gesandt  worden,
um  dort  Bojen  zu  legen,  und  war  lange  Zeit  mit  dieser  Arbeit  beschäftigt.
Auf  das  Ersuchen  von  England  hat  sich  damals  ein  englischer  Fachmann
an  Bord  des  Schiffes  befunden.  Nachdem  die  „Beyruth“  ihre  Mission  erfüllt
  hatte,  befand  sie  sich  nunmehr  auf  der  Heimfahrt  nach  Konstantinopel.
  Somit  hat  England  ein  Schiff  angegriffen,  das  wissenschaftlichen
Zwecken  diente  und  das  vom  Völkerrecht  als  neutral  anerkannt  wird.

              Generaloberst  v.  Moltke  auf  Schloß  Homburg.

Berlin,  2.  November.  Der  Chef  des  Generalstabes  des  Feldheeres
Generaloberst  v.  Moltke,  über  dessen  Erkrankung  kürzlich  berichtet  wurde,
bedarf  zu  seiner  völligen  Wiederherstellung  eines  Erholungsurlaubs.  Der
Kaiser  hat  ihm  zu  diesem  Zweck  das  Schloß  in  Homburg  zur  Verfügung
gestellt.  Generaloberst  v.  Moltke  hat  sich  am  1.  November  dorthin  begeben.
  Seine  Vertretung  verbleibt  wie  bisher  in  den  Händen  des  Kriegsministers,
  Generalleutnants  von  Falkenhayn.  (Tägl.  Rundsch.,  3.  Nov.)

                 Der  Vernichter  der  „Hermes“  wohlbehalten  zurück.

Berlin,  2.  November.  Die  nichtamtliche  Meldung  über  die  am
31.  Oktober  erfolgte  Vernichtung  des  englischen  Kreuzers  „Hermes“  durch
ein  deutsches  Unterseeboot  wird  hierdurch  amtlich  bestätigt.  Das  Unterseeboot
  ist  wohlbehalten  zurüchgekehrt.

                                Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                         Behncke.                               (W.T.  B.)

                 Der  mißlungene  Handstreich  der  russischen  Flotte.

Konstantinopel,  2.  November.  Eine  amtliche  Mitteilung  gibt
bekannt,  daß  die  Offiziere  und  Matrosen  des  russischen  Minenschiffes
„Pruth“  in  einem  Verhör  gestanden  haben,  daß  der  „Pruth“  in  Sewastopol
mit  Minen  beladen  worden  sei.  Den  Offizieren  und  der  Besatzung  der
„Pruth“,  die  Jahre  hindurch  auf  dem  russischen  Stationsschiff  in  Konstantinopel
  gedient  hatten,  waren  die  Gewässer  des  Bosporus  vollkommen  vertraut.
  Als  die  russische  Flotte  erfuhr,  daß  ein  schwacher  Teil  der  türkischen
Flotte  sich  zu  Uebungszwecken  in  das  Schwarze  Meer  begeben  hatte,  ging
sie  am  27.  Oktober  von  Sewastopol  in  südlicher  Richtung  in  See  und  ließ
nur  ein  Verteidigungsgeschwader  vor  Sewastopol  zurück.  Auch  der  „Pruth'
fuhr  in  südlicher  Richtung  ab.  Die  Absicht  der  russischen  Schiffe  war,  vor
der  Bosporusmündung  Minen  zu  legen,  das  kleine,  sich  im  Schwarzen
Meer  aufhaltende  türkische  Geschwader  anzugreifen  und  die  türkische
Hauptflotte,  wenn  sie  diesem  Geschwader  zu  Hilfe  eilen  sollte,  durch  Minen
zu  vernichten.  Die  türkische  Flotte  aber  bemerkte  das  russische  Minenschiff,
  das  von  Torpedobooten  begleitet  war,  zur  rechten  Zeit  und  brachte
es,  wie  dies  in  den  letzten  amtlichen  Darstellungen  bereits  geschildert