Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1882. (59)

326

S.  5.

Bei  Gestattung  der  in  Art.  2  Abs.  2  des  Gesetzes  vorgesehenen  Ausnahmen  haben
sich  die  Oberämter  nach  folgenden  Grundsätzen  zu  richten:

Die  Uebertragung  der  Farrenhaltung  auf  eine  kürzere  Zeit  als  6  Jahre  ist  nur
dann  zu  erlauben,  wenn  vorübergehende  örtliche  oder  persönliche  Verhältnisse  den
Abschluß  eines  Vertrags  auf  6  Jahre  nicht  thunlich  erscheinen  lassen.

Die  Uebertragung  der  Farrenhaltung  an  mehrere  Personen  zugleich  darf  nur  behufs
Berücksichtigung  lokaler  Verhältnisse,  z.  B.  weil  die  zur  Gemeinde  gehörenden  Weiler
und  Höfe  weit  von  einander  entfernt  liegen,  und  nur  dann  zugelassen  werden,  wenn  nicht
zu  besorgen  ist,  daß  eine  nachtheilige  Konkurrenz  zwischen  den  mehreren  Farrenhaltern
und  eine  allzustarke  Benützung  einzelner  der  getrennt  stehenden  Farren  veranlaßt  wird.

Wenn  Farren  verschiedener  Rassen  gehalten  werden,  so  kann  ausnahmsweise,  wenn
keinerlei  Bedenken  bestehen,  genehmigt  werden,  daß  für  die  Farren  jeder  einzelnen  Rasse
ein  besonderer  Farrenhalter  aufgestellt  wird.

Die  abwechselnde  Uebertragung  der  Farrenhaltung  an  die  einzelnen  Viehbesitzer,  das
sogenannte  Herumhalten  der  Farren,  darf  nur  in  armen  oder  in  solchen  Gemeinden,
welche  aus  zerstreut  liegenden  Höfen  bestehen,  und  auch  dann  nur  insoweit  gestattet  werden,
als  feststeht,  daß  diejenigen  Viehbesitzer,  zwischen  welchen  die  Farrenhaltung  wechseln  soll,
nach  fihren  Verhältnissen  in  der  Lage  sind,  ihre  Verpflichtungen  ordnungsgemäß  zu
erfüllen.

Voraussetzung  für  die  Zuläßigkeit  vorstehender  Ausnahme  ist  ferner,  daß  die  Vorschriften
  des  Art.  5  in  Bezug  auf  Lage  und  Beschaffenheit  der  Sprungplätze  beachtet
werden.

Auch  sind  Ausnahmen  der  vorstehenden  Art  immer  nur  auf  bestimmte  Zeit  zu
gestatten.

Zu  Art.  3.
S.  6.

Den  Schaubehörden  liegt  es  ob,  anläßlich  der  ordentlichen  Farrenschauen,  sowie  auf
besonderen  Auftrag  der  Oberämter  zu  prüfen,  ob  die  Gemeinden  die  ihnen  durch  das
Gesetz  sowie  die  vorstehenden  Vollzugsbestimmungen  auferlegten  Pflichten  in  Bezug  auf
die  Farrenhaltung  erfüllen,  und  den  Oberämtern  ihre  Aeußerung  abzugeben.  Auch  haben